Jesuiten 2026-3 (Deutschland-Ausgabe)

Geläuterte, vielleicht auch entgiftete Sehnsucht – was können Schritte sein, die dabei helfen? Ganz geistlich gesprochen, würde ich sagen: Betrachtung des Lebens Jesu. Also seine Person, seinen Weg, seine Bedürfnisse, seine Sehnsucht anzuschauen und zu versuchen, mit ihm unterwegs zu sein. Und die Unterscheidung der Geister: Erstmal wahrzunehmen, was ist, und dann versuchen, zu ordnen und festzustellen, was mehr in die Freiheit führt. Sehnsucht lässt sich nicht wegdiskutieren, und ich glaube, dass Gott in der menschlichen Sehnsucht präsent ist. Deshalb ist es wichtig, sie auch sprechen zu lassen. Aber dann mithilfe der Vernunft und von Erfahrung herauszufinden, was zu mehr Leben führt. Dabei kann eine Begleitung hilfreich sein. Sehnsucht ist ja etwas, was sich im Kopf abspielt und dann vielleicht auch Kreise drehen kann. Da hilft es, das auszusprechen und von einer Person, der man vertraut, auch ein Echo zu bekommen. Sehnsucht entsteht oft aus einem empfundenen Mangel. Gott bleibt unverfügbar. Gleicht der Mensch bei seiner Suche nach Gott einem Süchtigen, dessen Bedürfnisse doch nie ganz befriedigt werden? Manche spirituellen Zeugnisse kann man so lesen. Ich glaube, als Menschen leben wir wirklich in dieser Spannung von einerseits viel Fülle, die möglich ist, auch im Hier und Jetzt, und gleichzeitig bleibt da das ignatianische magis, das ja immer auch hinausweist auf etwas Größeres oder noch zu Kommendes. Das ist aber keine Sucht, die uns irgendwie klein und eng hält, sondern eine, die uns in Bewegung setzt. Die Fragen stellte P. Dag Heinrichowski SJ. Sr. Christine Klimann sa gehört zur ignatianischen Gemeinschaft der Helferinnen und lebt in Leipzig und Frankfurt, wo sie die Zukunftswerkstatt leitet. Als Pastoralpsychologin und geistliche Begleiterin arbeitet sie in unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungskontexten, u. a. im Priesterseminar Sankt Georgen und dem Berufungscampus. Portrait: © SJ-Bild; Foto: © Dennis Schrader 15

RkJQdWJsaXNoZXIy MjIwOTIwOQ==