Jesuiten 2026-3 (Deutschland-Ausgabe)

Synodalität als Entgiftung Sr. Nathalie Becquart ist in Rom zuständig für die Weltsynode. Diese erlebt sie als Entgiftungskur für die Kirche – ein Weg vom Misstrauen zum Zuhören. Oft breiten sich Vergiftungen unbemerkt oder aufgrund von Vorurteilen aus. Misstrauen, Zynismus, Angst vorm Anderen, Selbstgerechtigkeit – diese Gifte, die tief verankert sind in der Kultur, zirkulieren in der Gesellschaft und damit auch in der Kirche. Die Synodalität, wie sie die jüngste Synode (2021–2024) gelebt hat – als ein Weg der persönlichen und gemeinschaftlichen Bekehrung, der aus dem gemeinsamen Hören auf den Heiligen Geist beginnt –, ist eine Art Gegenmittel: ein Weg der Entgiftung, der mitten in der Kirche wirkt. Alles beginnt mit der Möglichkeit, Dinge zu benennen: Schatten und Licht unseres gemeinsamen Unterwegsseins. Das Wagnis, etwas ins Wort zu bringen, anstatt die Spannungen unter den Teppich zu kehren, ermöglicht, demütig die Wahrheit über sich selbst anzuerkennen. Die Bußvigil, mit der die zweite Sitzung der Synode eröffnet wurde, war ein bedeutender Moment: Der synodale Prozess hat uns dazu geführt, unsere wechselseitigen Verletzungen und kirchlichen Verfehlungen gegen den Frieden, die Schöpfung, die indigenen Völker, die Migranten, die Kinder, die Frauen und die Armen zu benennen. Das hat die Sehnsucht nach Versöhnung entfacht. Dieses kollektive Eingeständnis ist keine Schwäche, sondern die erste Voraussetzung für jede echte Heilung. Was man nicht benennt, kann man nicht heilen. Das Herz der Synodalität ist das „Gespräch im Heiligen Geist“ – eine Methode des Zuhörens, bei der jeder aus seinem Gebet und seiner Erfahrung heraus in der ersten Person spricht, bei der niemand unterbricht und bei der die Antwort keine theoretische Debatte ist, sondern gegenseitige Annahme. Zynismus nährt sich aus der Tatsache, dass man dem anderen nicht wirklich zuhört, sondern nur auf seine Antwort wartet, um sie zu widerlegen. Das synodale Zuhören durchbricht diesen Mechanismus: Es lädt dazu ein, sich selbst von dem, was man hört, verwandeln zu lassen. Ich habe selbst erlebt, wie schwierig es ist, in Umgebungen zu arbeiten, in denen synodale Strukturen noch wenig ausgeprägt sind und in 18

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