25 In Gebet und Meditation die verwandelnde Kraft der Gegenwart Gottes im eigenen Leben zu entdecken und Gott immer mehr in allen Dingen zu suchen und zu finden, hat mein und das Leben vieler Menschen verändert. Ohne diese Erfahrung wäre ich vermutlich nicht Jesuit geworden. In einer Krisenzeit meines Lebens vor meinem Eintritt ist mir aufgegangen, was Vertrauen bedeutet: „Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten.“ (Mt 16,25) In diesem Vertrauen bin ich zu den Jesuiten gegangen – und immer noch gerne dabei! An einen Satz aus meiner Zeit als Schulseelsorger am Canisius-Kolleg in Berlin denke ich im Moment sehr häufig zurück: „Jesuiten lernen am meisten, wenn sie lehren.“ Damit ist weniger Frontalunterricht gemeint als all das, was in der Interaktion mit jungen Menschen geschieht: zuhören, aufmerksam sein, sich vom Gegenüber überraschen lassen, mit Fehlern anderer und insbesondere mit eigenen Fehlern gut umgehen. Als Jesuit bin ich nicht nur ein Mensch „für andere“, sondern auch „mit anderen“, wie es Peter-Hans Kolvenbach SJ einmal ausgedrückt hat. Ähnliches würde ich mit Blick auf meine Aufgabe jetzt sagen: Ich erfahre Begleitung, indem ich andere begleite. Nicht ich als Begleiter führe mein Gegenüber, sondern, wie Ignatius es formuliert, die bzw. der Begleiter:in soll ermöglichen, dass die „Seele“, das Gegenüber, mit seinem oder ihrem Schöpfer gut interagieren kann. Diese Art der Beziehung lässt mich immer wieder staunen, was und wie Gott im Gegenüber wirkt. P. Sebastian Maly SJ Blickfang: die große Jesus-Ikone Fotos: © privat
RkJQdWJsaXNoZXIy MjIwOTIwOQ==