„Wo die jungen Menschen dieser Welt sind, da ist auch die Zukunft“, sagt P. Peter Balleis SJ, geschäftsführender Präsident von Jesuit Worldwide Learning (JWL). Die jesuitische Initiative für Hochschulbildung an den Grenzen lebt genau das: Sie bringt Bildung zu jungen Menschen, ganz egal, ob sie in einem Flüchtlingslager in Afrika, in einem afghanischen Kriegsgebiet oder im Regenwald im Amazonas leben – und das schon seit 10 Jahren. Das hat JWL vom 27. bis 29. September in Genf gefeiert.
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Der neue akademische Direktor bei JWL für Afrika und Madagaskar: P. Evaristus Ekwueme SJ (sitzend)
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P. Toni Kurmann SJ, Mitarbeiter bei JWL als Leitung Global Office Genf und Beziehungen in der Schweiz
10 Jahre Jesuit Worldwide Learning: Bildung kennt keine Grenzen
„Die letzten 10 Jahre haben gezeigt, dass für Studierende an den Rändern Hochschulbildung wichtiger denn je ist“, sagt P. Evaristus Ekwueme SJ, akademischer Direktor bei JWL für Afrika und Madagaskar. „In den nächsten 10 Jahren werden immer mehr Leute mit dem Internet verbunden sein und wir werden mehr Orte erreichen können.“ Deswegen gehe es darum, das Bildungsangebot von JWL zu festigen und weiter auszubauen.
Starke Partner für Bildungsgerechtigkeit
Vertreter von JWL und drei Universitäten unterzeichneten im Rahmen der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen ein Konsortium, eine gemeinsame Absichtserklärung: JWL, die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, die Päpstliche Universität Javeriana Cali (Kolumbien) und die Saint Louis University (USA) verständigten sich darauf, „eng zusammenzuarbeiten, um die Bildung für die Ausgeschlossenen zu stärken, die Qualität zu garantieren und Standards einer globalen Zusammenarbeit zu setzen“, erklärt Pater Balleis.
Wenn es vor 10 Jahren noch wie ein Traum erschien, akkreditierte Hochschulbildung in Flüchtlingslagern anbieten zu wollen, beweisen die Studierenden von heute das Gegenteil. „Studieren ist auch unter schwierigsten Bedingungen möglich“, sagt Richard Brosse von der Porticus-Stiftung, Festredner bei den JWL-Feierlichkeiten. „Die Lernenden vertrauen darauf, dass die Chance die Anstrengung wert ist, und sie halten trotz Hindernissen durch, die sich viele von uns kaum vorstellen können: überfüllte Räume, instabile Internetverbindungen, familiäre Verpflichtungen, ein unsicherer rechtlicher Status, Erinnerungen an Gewalt oder Verluste.“
Hochschulbildung neu denken
Dort, wo JWL jungen Menschen Bildungsprogramme anbietet, kann sich Bildung nicht hinter Prestige, Gebäuden, Rankings oder Tradition verstecken. „Sie muss sich im Verhältnis zum Leben bewähren“, sagt Richard Brosse. „Sie muss anspruchsvoll, aber nicht starr sein. Global, aber lokal verwurzelt. Technologisch gestützt, aber zutiefst menschlich.“ Das bedeute auch, nicht einfach ein konventionelles Konzept von Hochschulbildung auf diejenigen zu übertragen, die davon ausgeschlossen sind, sondern neue Wege einzuschlagen: Wozu dient Hochschulbildung? Wessen Wissen zählt? Und wer soll Bildung formen?
Von Anfang an war diese Arbeit in der jesuitischen Tradition verwurzelt, die Bildung nicht nur als Wissensvermittlung versteht, sondern als Bildung des ganzen Menschen. In JWL hat diese Tradition einen zeitgemäßen und mutigen Ausdruck gefunden, der über etablierte Campus hinausgeht. Oder wie es P. Toni Kurmann SJ beschreibt, der bei JWL als Leitung des Global Office Genf und der Beziehungen in der Schweiz tätig ist: „JWL bringt Ausbildung dorthin, wo begabte Menschen leben, und ermöglicht ihnen, ihren Weg in die Zukunft zu finden.“
„Veränderung ist möglich“
Zugleich dürften Initiativen wie JWL ihre Bildungsaufgabe nicht mit einem rein altruistischen Blick aus dem Westen betreiben. So stellten es die Rednerinnen und Redner bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Jubiläumsfeier heraus, die von JWL gemeinsam mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) und dem UNHCR veranstaltet wurde. Denn Intelligenz, Pragmatismus und Innovation fänden sich gerade dort, wo Menschen unter erschwerten Bedingungen für ein besseres Leben kämpfen. Die akademische Welt täte gut daran, dieses Potenzial an den Rändern der Welt und der Gesellschaft wertzuschätzen. Denn dort könnten ganz neue Ansätze zur Lösung der Probleme unserer Zeit entstehen.
Deswegen ist JWL für Richard Brosse ein prophetisches Zeichen in der Linie der Jesuitentradition und der Kirche insgesamt. JWL habe nicht nur eine Idee, was möglich sein könnte, sondern beziehe von Anfang an prophetisch die Perspektive des Glaubens in sein Wirken mit ein. „Denn Veränderung ist möglich. Und Bildung ist es wert, dafür zu kämpfen.“
Jesuit Worldwide Learning
Weniger als ein Prozent aller Geflüchteten haben Zugang zu Universitätsbildung. Dabei haben sehr viele das Talent und den Willen zu studieren. Jesuit Worldwide Learning (JWL), die jesuitische Initiative für Hochschulbildung an den Grenzen, bietet ihnen eine einzigartige Chance.
JWL wird getragen von internationalen Organisationen, Institutionen und Unternehmen und hat seinen Hauptsitz in Genf, wo auch UNO, WHO und UNHCR angesiedelt sind.
Wie JWL durch Hochschulbildung Leben verändern kann, zeigt der Weg von Desire, Absolvent von JWL im Flüchtlingslager Dzaleka in Malawi. Heute promoviert er in Pädagogik und ist akademischer Leiter von JWL in Dzaleka. → Hier erfahren Sie mehr
Zur Person:
Pater Peter Balleis SJ ist 1981 in den Jesuitenorden eingetreten. Er war viele Jahre in der Flüchtlingsarbeit in Afrika tätig und wurde 1988 in Simbabwe zum Priester geweiht. Er leitete von 2000 die deutsche Jesuitenmission für Entwicklungsprojekte und Missionsarbeit weltweit und war von 2007 bis 2015 International Director des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes "Jesuit Refugee Service" mit weltweiter Tätigkeit und Sitz in Rom. Seit 2016 ist er Geschäftsführender Präsident von "Jesuit Worldwide Learning" mit Sitz in Genf, einer Initiative von Jesuiten-Universitäten, die rund um den Erdball Flüchtlingen, Armen und anderen Menschen am Rand via Internet Zugang zu Hochschulbildung und Studienabschlüssen ermöglicht.
Wissenswertes
Gerechtigkeit
An der Seite der Benachteiligten stehen
Gelebter christlicher Glaube zeigt sich nicht nur im Sonntagsgottesdienst. Deswegen ist für uns Jesuiten der Dienst am Glauben eng mit dem Einsatz für Gerechtigkeit verbunden. Wir sind mit den Armen, den Benachteiligten und den in ihrer Würde Verletzten gemeinsam auf dem Weg – für Versöhnung und Gerechtigkeit. Wir schauen beim Leid unserer Mitmenschen nicht weg, sondern machen uns stark für eine Umkehr in unseren Herzen, die uns sensibel macht für den leidenden Christus in unserer Mitte. Denn der Einsatz für Gerechtigkeit ist einer der vier Schwerpunkte, in denen wir Jesuiten uns weltweit engagieren. Mehr erfahren
Mithelfen
Schon der heilige Ignatius konnte in Rom nur deswegen Häuser für Wohnungslose, Prostituierte und Waisen errichten, weil er Mitarbeitende hatte und mit ihnen Organisationen und Netzwerke errichtete, um diesen Diensten Dauer und Bestand zu verleihen. Auch heute sind viele Hände notwendig, um auf die Nöte unserer komplizierten und zerbrechlichen Welt zu reagieren. Zusammenarbeit in der Sendung ist die Weise, wie wir Jesuiten dieser Situation entsprechen.
"Die Zusammenarbeit mit anderen ist der einzige Weg, auf dem die Gesellschaft Jesu die Sendung erfüllen kann, die ihr anvertraut wurde. Diese Partnerschaft in der Sendung schließt jene mit ein, mit denen wir den christlichen Glauben teilen, jene, die anderen Religionen angehören, sowie Frauen und Männer guten Willens, die wie wir am Versöhnungswerk Christi mitarbeiten wollen."
(36. Generalkongregation, Dekret 1)