• Lukas Ambraziejus SJ, Leiter der Jugendorganisation MAGIS & Lehrer für Philosophie, Jesuitengymnasium Vilnius
  • Auf dem Canisius Pilgerweg durch Litauen, im März 2021
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Bundestagswahl: Wohin steuert Europa?

Am Sonntag stehen in Deutschland die Bundestagswahlen an. Wir haben Jesuiten aus anderen europäischen Ländern unserer Provinz gefragt, was sie über die anstehende Wahl denken, und was ihre Erwartungen an Deutschland sind? Heute blicken wir nach Litauen zu Lukas Ambraziejus SJ. Er ist Leiter der Jugendorganisation MAGIS, Lehrer für Philosophie am Jesuitengymnasium in Vilnius und Mitglied des Pastoralteams der St. Kasimir-Kirche.

Die Bundestagswahl findet in einem Kontext statt, in dem Parteien der Mitte in der westlichen Welt schrumpfen und die populistischen Bewegungen wachsen. Ich denke, dass diese Umstrukturierung der politischen Macht einen Impuls geben kann für ein mehr zeitgemäßes Regieren – egal von welcher Partei. Was die Menschen nämlich jetzt brauchen, sind nicht mehr nur leere Worte – abstrakte Ideale von Verantwortung und Einheit – sondern ein Gefühl von Sicherheit und Gemeinschaft. Wie kann eine siegreiche Partei diese Gefühle gewährleisten und damit das Vertrauen in demokratische Prozesse wiederherstellen? Nach meinem Verständnis passiert das nicht durch Argumente und auch nicht durch Debatten zwischen den Kandidaten, sondern durch Empathie – die Bereitschaft, auf das einzugehen, was der Wähler durchmacht. Gewinnen sollte jene, die diese Fähigkeit im höheren Maße besitzen als andere. 

Wie kann das denn in der Praxis aussehen? Blicken wir doch Mal auf Papst Franziskus: wie er mit den Menschen in von Katastrophen heimgesuchten Ländern umgeht, wie er Menschen am Rande der Gesellschaft sucht und wie furchtlos er die korrupten internen Strukturen der Kirche angeht. Ein Nachdenken über seine Aussagen zu sozialen Fragen, die uns heute umtreiben, wie auch sein Beispiel gelebter Spiritualität können den künftigen Minister für das-und-jenes zu einer Frage bringen: wie kann auch ich meine Verantwortung so wahrnehmen, dass die Sorgen und Freuden meiner Wähler meine eigenen werden? 

Lukas Ambraziejus SJ

 

 

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