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Corona und die traurige Routine

Bei jeder neuen Regelung zur Bekämpfung der Pandemie stehen die Schulen im Mittelpunkt. Sie sollen unter allen Umständen offen bleiben. Doch wie sieht es momentan an einer Schule aus, wie erleben Schulen die Regelungen? Pater Martin Löwenstein SJ berichtet über die Lage im Alouisiuskolleg in Bonn.

Dass wir nur nicht denken, dass sei normal! Masken, Distanz, Schüler in Quarantäne ist nicht normal, sondern etwas, das vielleicht jetzt sinnvoll oder sogar notwendig ist, aber hoffentlich irgendwann auch wieder vorübergeht.

Bis dahin lernen alle, damit zu leben. Jetzt, wo es draußen kalt ist, wird es auch in den Unterrichtsräumen kalt, weil regelmäßig gelüftet wird. Nur Mund und Nase kühlen nicht aus solange die Maske richtig getragen wird. Die Waschstraße ist zum ersten Mal wegen Frost ausgefallen; die Hausmeister arbeiten an einer Heizung für die Leitungen und ersatzweise gab es an diesem Morgen nur Desinfektionsmittel am Eingang zur Schule.

Sieben Mal seit Ende der Herbstferien mussten wir am AKO bislang Schülerinnen und Schüler aus dem Unterricht nehmen, weil einer von ihnen möglicherweise selbst erkrankt ist, nachdem eine Person aus dem häuslichen Umfeld positiv auf Covid-19 getestet worden war. In dem Fall empfiehlt die Schule solange zu Hause zu bleiben und in Quarantäne zu gehen, bis entweder die Mitschülerin oder der Mitschüler selbst negativ getestet wurde, oder im umgekehrten Fall das Gesundheitsamt die Quarantäne anordnet.

Der Verwaltungsaufwand, der dahintersteht, ist mittlerweile traurige Routine. Sitzpläne müssen ausgewertet werden, die jungen Leute werden nach Kontaktpersonen befragt, Excel-Listen werden angelegt. Die engeren Kontaktpersonen bekommen per Telefon und Mail die Empfehlung zur Isolation; alle anderen aus der Klasse oder Stufe werden per Mail informiert. Dass bis dahin die Gerüchte schon längst unterwegs sind, verdanken wir WhatsApp & Co und ist nicht eben hilfreich.

Gleichzeitig müssen die Lehrerinnen und Lehrer informiert werden, die nun parallel zum Präsenzunterricht noch Unterricht in Distanz über die Lernplattform Itslearning und nach Möglichkeit auch Einheiten über Videokonferenz anbieten sollen. Das bedeutet schnell für einzelne eine enorme Mehrbelastung, wobei sie gleichzeitig merken, dass sie nicht parallel in zwei ganz verschiedenen pädagogischen Formaten die Qualität bieten können, die sie eigentlich wollen.

Zur großen Erleichterung und Freude vor allem ihrer Familie hat sich bislang der Verdacht bei zwei Schülern, dass sie an Covid-19 erkrankt wären, nicht bestätigt. Damit können ohne weiteres alle Schülerinnen und Schüler, die als ihre Kontaktpersonen der Kategorie 1 eingestuft worden waren, wieder am Unterricht teilnehmen. Leider gilt das nicht für die beiden nun negativ getesteten Schüler; sie müssen als Kontaktpersonen der Kategorie 1 — weswegen der Verdacht ja bestand — weiterhin in Quarantäne sein. Wir hoffen alle, dass es auch weiterhin in ihrer Familie gelingt, die häusliche Isolation so zu gestalten, dass niemand anderes angesteckt wird, die beiden dennoch nicht zu sehr unter der Isolation leiden und sie die Disziplin aufbringen, das durchzustehen. Wie lange für sie die Quarantäne nun gilt, kann allein das Gesundheitsamt entscheiden.

In den fünf anderen Fällen aber hat es leider einen positiven Test gegeben. Hier müssen nicht nur die positiv Getesteten, sondern auch alle, die in der Schule, im Externat, im Förderunterricht oder in der Mensa in Ihrer Nähe gesessen haben, 14 Tage in Quarantäne. Wenn und solange die anderen im Kurs oder der Klasse konsequent Maske tragen, bleibt die Quarantäne auf diese „Umsassen“ beschränkt.

In einem Fall kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Junge in der Schule oder im Umfeld der Schule angesteckt hat. Die anderen – möglichen – Ansteckungen waren sicher außerhalb.

Normal ist das alles nicht. Aber das Corona-Krisenteam aus Schulleitung Walter Odekerken und Mathias Molzberger, Sicherheitsbeauftragter Martina Opderbeck und Rektor P. Martin Löwenstein hat mit tatkräftiger Unterstützung des Schulsekretariates jetzt doch einige Routine entwickelt, wenn es sein muss noch am späten Abend die Organisationsmaschinerie anzuwerfen. Und die Kolleginnen und Kollegen tragen die Mehrbelastung im Unterricht bewundernswert mit.

Nicht vergessen darf man aber, dass auch für die betroffenen Familien Quarantäne praktisch wie emotional eine erhebliche und ungeplante Mehrbelastung bedeutet. Da bestätigt sich, dass Gesundheit nicht das Wichtigste ist, sondern dass Menschen in Liebe für einander da sind.

Autor:

Martin Löwenstein SJ
Pater Martin Löwenstein SJ trat 1980 in den Jesuitenorden ein. Er studierte Theologie, Philosophie, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft. 1990 wurde er in Frankfurt zum Priester geweiht. Seine bisherigen Aufgaben waren: Religionslehrer am Hamburger Sankt-Ansgar-Gymnasium, Dozent an der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, Verwaltungsleiter in Sankt Georgen und Hochschulseelsorger in Frankfurt und Göttingen. Von 2009-2017 war er in Hamburg als Pfarrer am Kleinen Michel (St. Ansgar) tätig. Seit 2017 ist er Rektor (Kollegsleiter) des Aloisiuskollegs in Bonn-Bad Godesberg.

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