• Jörg Alt SJ im Interview.
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Ein Appell an Christen und Kirchen

Die Welt steht vor epochalen Herausforderungen, und wie reagieren die Verantwortlichen? Völlig unzureichend! In seinem neuen Buch „Handelt!“, einem drastischen und emotionalen Appell an Kirche und Politik sowie alle Christen, schlägt der Jesuitenpater und Sozialwissenschaftler Dr. Jörg Alt Alarm. Denn die Lösungen liegen auf der Hand: Bibel und Katholische Soziallehre liefern Leitlinien für alles, was es bräuchte, um eine faire und ökologisch nachhaltige Gesellschaft durchzusetzen! „Handelt!“ erschien Ende Januar 2020 im Vier-Türme-Verlag.

Was geschah in der Folge der Weltfinanzkrise 2008, um die zerstörerischen Kräfte eines entfesselten Finanzsektors zu regulieren? Nicht genug! Was geschieht angesichts einer rapide fortschreitenden Übernutzung natürlicher Ressourcen und der immer bedrohlicheren Klimakrise? Nicht genug! Was geschieht angesichts der Herausforderungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz? Nicht genug! Was geschieht, um den Einfluss von Lobbyisten zurückzudrängen und demokratische Partizipation zu stärken? Nicht genug!

Gemeinwohl über Profit!

Und woran liegt es? Daran, dass Markt, Wettbewerb, Lobbyismus und Profitgier stärker werden konnten als Demokratie und die Interessen des Gemeinwohls. Daran, dass „C“-Parteien andere Werte höher stellen als christliche Werte. Und daran, dass Populisten, Nationalisten und (Proto-)Faschisten, die teils sogar vorgeben, gute Christen zu sein, Spaltung, Angst und Hass säen.

Bibel und Katholische Soziallehre bieten Lösungen gegen die Dominanz negativer Triebkräfte. Sie machen auf Dinge aufmerksam, für die es sich zu engagieren lohnt, und mahnen zur Umkehr. Die Ideen, Visionen und Konzepte sind vorhanden, und die Katholische Kirche ist mit 1,4 Milliarden Mitgliedern als ältester Global Player präsent in (fast) allen Ländern der Erde und könnte somit Vieles bewirken. Doch auch hier geschieht: nicht genug!

Kein Beitrag ist zu klein!

Zu sehr ist man mit internem Klein-Klein beschäftigt und gefangen in den Fesseln eines formellen Traditionalismus. Entsprechend möge sich jeder Christ fragen: Was sind die Themen, für die es sich jetzt zu streiten lohnt? Und: Wie würde sich Jesus heute verhalten? Die Zukunft der Menschheit liegt auch in der Verantwortung jeder einzelnen Christin, jedes einzelnen Christen. Jörg Alt will allen Mut machen, einen Beitrag zu leisten. Keiner ist zu klein und kann mit Gottes Hilfe Großes bewirken!

Mit Afrika die Zukunft retten!

Auf politischer Ebene kommt für Jörg Alt der Europäischen Integration eine Schlüsselrolle zu: Europa kann sich auf seine christlich-humanistischen Wurzeln besinnen und die neoliberalen Überformungen durch ein solidarisch-kooperatives Modell überwinden. Der afrikanische Kontinent steht als Partner vor der Tür: Würden Europäische und Afrikanische Union auf Augenhöhe kooperieren, könnte die so in Gang gesetzte Dynamik die Zukunft retten.

Der Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, schreibt in seinem Geleitwort: Das Buch ist „eine ‚Streitschrift‘, die die kirchliche Stimme hörbar werden lässt – nach außen und in die Kirche hinein. Es ist mutig. Es ist politisch. Es provoziert. Es rüttelt auf. Es ist im besten Sinne aufklärerisch. Man wird sich an dem Buch reiben und das ist gut so!“

Bilanz und Hilfe zur persönlichen Standortbestimmung

Das Buch versucht, komplexe Zusammenhänge in einfacher Sprache darzulegen, damit jede und jeder Einzelne Standort und Perspektive für sich bestimmen kann. Es versteht sich zudem als Bilanz von 35 Jahren Engagement, das Erfolge und Auszeichnungen (Verbot von Anti-Personen-Landminen, soziale Rechte für „illegale“ Migranten) und Auszeichnungen (Friedensnobelpreis 1997, Augsburger Wissenschaftspreis 2004) ebenso kennt wie Niederlagen (Kony 2012) und Anfeindungen. Ebenso erläutert es den Wertekontext, der im Mai 2018 im Vorfeld der bayerischen Landtagswahlen zum „Offenen Brief zu den Kennzeichen christlicher und sozialer Politik“ führte.

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