„Du bist meine Hoffnung“ (Ps 71,5): Das ist das Leitwort des diesjährigen Welttags der Armen am 16. November. Er stellt die Solidarität der Kirche mit den Armen und Ausgegrenzten in den Mittelpunkt. P. Georg Sporschill SJ, Ruth Zenkert und das Team ihres Vereins „Elijah“ leben tagtäglich mit den Ärmsten der Armen: den Roma im rumänischen Siebenbürgen. Sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Roma-Familien einen Weg aus dem tiefen Elend zu eröffnen.
Seit Jahrhunderten sind die Roma Teil Europas – und doch leben viele bis heute als Außenseiter. „Die Eltern sind Analphabeten, die Kinder gehen nicht in die Schule“, sagt Ruth Zenkert. „Sie wohnen in Hütten, die keinen Schutz vor Regen und Kälte geben. Viele haben weder Strom noch Wasser.“ Die Roma-Kinder sind in dieser Verwahrlosung gefangen und nicht selten von Missbrauch betroffen: Mit 13 Jahren müssen sie heiraten, betteln oder Schafe hüten. Um ihnen eine hoffnungsvollere Zukunft zu ermöglichen, gründeten Ruth Zenkert und P. Georg Sporschill SJ 2012 den Verein „Elijah“.
Für ein Leben in Eigenverantwortung
„Wir wollten dorthin gehen, woher viele Straßenkinder kamen, die uns am Bahnhof in Bukarest entgegenliefen“, erzählt Ruth Zenkert. Deswegen ging sie zusammen mit Pater Sporschill in das Dorf Hosman, 30 Kilometer westlich von Sibiu im Zentrum Rumäniens. Dort begannen sie mit ihrer Sozialarbeit: Die Roma sollten direkte und nachhaltige Hilfe zur Verbesserung der Lebensumstände erhalten, um aus der Armutsspirale herauszufinden. Inzwischen ist der Verein Elijah in sechs Orten in Rumänien tätig. Das Team vor Ort mit rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet den Roma-Familien das, was sie für eine hoffnungsvollere Zukunft brauchen:
- In vier Sozialzentren werden über 1.000 Kinder betreut: mit warmem Essen, Lernhilfe und Freizeitangeboten.
- Zwei Musikschulen sind das Herz der Elijah-Werke. „Hunderte Kinder und Jugendliche blühen auf“, erzählt Ruth Zenkert. „Im Orchester spielen alle zusammen: Roma und Nichtroma, Anfänger und Profis, Kleine und Große.“
- Ein Schülerwohnheim und Startwohnungen ermöglichen jungen Roma den Zugang zu Schul- und weiterführender Bildung.
- Arbeitstraining eröffnet den Menschen Zukunftsperspektiven: in der Reparaturwerkstatt, als Bäcker oder Tischler, in der Kantine oder Gästebetreuung.
- Durch Streetwork am Bahnhof von Bukarest haben Obdachlose Zugang zu einer Wärmestube, Waschgelegenheiten und Notschlafstellen.
- Ein Frauenhaus ist für Frauen und ihre Kinder in Not ein Zufluchtsort. Sie finden dort eine Notaufnahme, Schutz und Beratung.
- In den letzten Jahren hat Elijah in Rumänien über 160 Häuser mit Wasser- und Stromanschluss gebaut. Sie werden an Roma-Familien vergeben, die in Eigenverantwortung für sich sorgen und die laufenden Kosten tragen können.
Und trotzdem bleibt noch so viel zu tun. Pater Sporschill versteht sich auch als Tröster – trotz der „totalen Überforderung“, wie er sagt. „Die Familien und die Männer machen mir Freude und ich darf in dem einen oder anderen Haus Hilfe bringen. Das Schöne dabei ist, dass der Trost gegenseitig geschieht: Es ist der Austausch der Liebe, von beiden Seiten.“ Genau das lebt das Team um Pater Sporschill und Ruth Zenkert tagtäglich – getreu dem Leitsatz: „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“