• Tobias Zimmermann SJ
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Erfüllt leben – Ein ignatianisches Fitnessbuch

Wie kann es Menschen gelingen, ein erfülltes, sinnvolles Leben zu führen? Die Angebotspallette entsprechender Lebenshilfe-Bücher ist groß, und dieses Buch hebt sich wohltuend davon ab. Georg Kraus, der den Anstoß gegeben hat, ist Management- und Unternehmensberater. Von den beiden Jesuitenpatres ist der eine zusätzlich Psychologe und oberster Finanzchef der deutschen Ordensprovinz. Der andere leitet ein Bildungshaus und ist Chefradakteur einer Zeitschrift. Da wird man neugierig! Denn so ein Trio wird kaum die Bodenhaftung verlieren oder „fromme Soße“ über die Widrigkeiten der Erdenschwere kippen.

Der Jesuitenorden besteht seit fast 500 Jahren und ist als global Player weltweit verbreitet. Es ist ihm immer wieder gelungen, die ursprüngliche Inspiration neu zu interpretieren und weiter zu entwickeln in Bildung und Spiritualität, in sozialem Engagement und Ökologie. Die Kombination einer starken Identität mit einer Anschlussfähigkeit an eine sich verändernde Welt und ihre Herausforderungen sei das „Erfolgsgeheimnis“ der Jesuiten. Wie Menschen des 21. Jahrhunderts davon profitieren können, das entfalten die Autoren in vier Kapiteln.

„Mit einer Sehnsucht fängt alles an“

Auf der Suche nach Glück und Erfüllung ist die Sehnsucht der beste Wegweiser. Sie öffnet die Tür zu Veränderung, zu Kraft und Gefühlen. Dabei sind Menschen immer wieder herausgefordert, zu wählen und sich zu entscheiden. Die grundsätzliche Ausrichtung des Lebens muss im Alltag sichtbar werden und sich bewähren. Das geht nicht ohne Umwege und Fehler. Ignatius hat dazu Methoden und Hilfen entwickelt, um die eigenen inneren Impulse, Motive und Bedürfnisse wahrzunehmen und zu unterscheiden.

„Dein Leben in die Hand nehmen“

Eitelkeit und Habsucht, Arroganz und Gier sind Antriebe, die nicht nur dem einzelnen schaden, sondern Familien, Firmen und ganzen Gemeinschaften. Die ignatianische Spiritualität kennt sich aus mit innerer Unruhe und Ausgeglichenheit und ist sehr realistisch und nüchtern. Im zweiten Kapitel entwickeln die Autoren, wie man immer mehr die Einheit finden kann von Intellekt und Emotionalität, von Gebet und Alltag, von Ordnung und Kreativität.

„Am anderen wachsen“

Mit welchen Haltungen und Methoden kann man klar und heilsam kommunizieren? Wie gestaltet man situationsbezogen den Rahmen der Kommunikation unter Gleichen und unter Ungleichen, bei Tischgesprächen und in Konferenzen, bei Versammlungen und in Beratungsgesprächen? Die Autoren erschließen eine wahre Fundgrube von höchst praktischen und alltagstauglichen Übungen und Hinweisen.

„Die Gesellschaft gestalten“

Zu einem sinnerfüllten Leben gehört, dass der einzelne nicht nur an sich selber denkt, sondern sich ebenso in den Dienst der anderen stellt. Das braucht Verbündete und ein großherziges persönliches Engagement, sonst bleiben die besten Ideen und die edelsten Worte wirkungslos. „Spiritu – corde – practice“, so nannte Ignatius das: die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens zeigt sich in Grundhaltungen und setzt sich in Handlungen um.

Praktisch auf jeder Seite ist zu spüren, dass die Autoren über eine gründliche und solide Kenntnis der ignatianischen Spiritualität verfügen. Es gelingt ihnen eindrucksvoll, die Sprache von gestern zu übersetzen für den Leser, die Leserin von heute, damit er/sie persönliche Folgerungen realisieren kann „für morgen“. Dabei gelingen ihnen spannende Entdeckungen. Sie schreiben in einer Sprache, die angenehm zu lesen ist und den „Ton der Zeit“ trifft.

Als Zielgruppe haben sie Menschen im Blick, die eher in der ersten Lebenshälfte stehen und eher am Rande der Kirche als im Zentrum, und die vom Leben mehr erhoffen als ein dickes Bankkonto, ein gemütliches Eigenheim und einen warmen Platz hinterm Schreibtisch mit Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr. Die Chancen stehen gut, dass diese Zielgruppe von dem vorgestellten Fitnessbuch kräftig profitieren wird.

Hermann Kügler SJ

Autor:

Hermann Kügler SJ

Pater Hermann Kügler SJ ist 1972 in den Jesuitenorden eingetreten. 1980 wurde er zum Priester geweiht. Er ist ausgebildeter Pastoralpsychologe und Lehrbeauftragter für Themenzentrierte Interaktion (TZI) im Ruth Cohn Institut. Von 1998 bis 2004 hat er die "Katholische Glaubensinformation" in Berlin geleitet und von 2006 bis 2016 die "Orientierung" in Leipzig. Von 2016 bis 2020 war er Leiter der Beratungsstelle "Offene Tür" in Mannheim. Seit Sommer 2020 ist er Seniorendelegat der Deutschen Provinz, also der Beauftragte des Provinzials für die älteren Mitbrüder.

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