• Fotos: jesuitenweltweit
1 / 3

Essen retten, bis die Polizei kommt

Nürnberg (KNA) - Die Staatsanwaltschaft Nürnberg ermittelt gegen den Jesuiten Jörg Alt, weil er Lebensmittel aus dem Müll von Supermärkten genommen und danach kostenlos verteilt haben soll. Er habe eine Vorladung erhalten, schreibt Alt am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite. Vorgeworfen werde ihm ein besonders schwerer Fall des Diebstahls. Durch das von ihm praktizierte "Containern" wolle er gemeinsam mit der Aktion "Aufstand der letzten Generation" auf das Problem der Lebensmittelverschwendung hinweisen und die neue Bundesregierung zum Handeln auffordern.

Die Ampelregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag eine Absichtserklärung für ein Lebensmittelrettungsgesetz abgegeben. Dieses gebe es bereits in Tschechien und Frankreich. Bisher ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das Containern in Deutschland als Diebstahl zu werten und damit strafbar. Bei der Aktion handele es sich um zivilen Ungehorsam, so der Pater. Eine einzelrechtliche Norm werde bewusst unter Verweis auf eine höher rechtliche Norm gebrochen, konkret der in Artikel 14 festgelegten Sozialpflicht des Eigentums.

Seine Forderung an die Bundesregierung sei: "Umsetzen. Sofort. Und zwar als ersten Schritt in eine umfassende und angesichts der Zukunft tragfähigen Agrarwende." Dann leiste Deutschland einen wirksamen Beitrag gegen Hunger, Artensterben, Übernutzung und Verschmutzung von Ressourcen sowie den Klimawandel. Der Jesuit zitierte dabei seinen Ordensbruder, Papst Franziskus. "Wir müssen der Wegwerfmentalität ein Ende setzen, wir, die wir den Herrn um das tägliche Brot bitten. Die Verschwendung der Lebensmittel ist mit schuld am Hunger und am Klimawandel."

Alt kündigte dem Internetportal katholisch.de zufolge an, dass er für den Rechtsstreit sowie mögliche Strafen kein Geld des Ordens einsetzen will. Stattdessen habe er ein Aktionskonto für Spenden eingerichtet. Die Anwaltskosten für den Beginn des Verfahrens bezahle seine Mutter, so der Jesuit. Habe die von ihm angestrebte Gesetzesreform den Bundestag passiert, werde er alle Auflagen und Strafen akzeptieren. "Und bis das geschehen ist, klage ich mich durch so viele Instanzen wie möglich."

Newsletter