SJ-Collage (AdobeStock/lumyaisweet)

Europa in der Pflicht: Jesuiten unterstützen Klima-Appell

„Europe, be faithful“ – mit diesem Appell fordern mehr als 140 christliche Organisationen ein konsequentes Umdenken in der europäischen Klimapolitik. Auch die Jesuiten in Zentraleuropa beteiligen sich daran und setzen gemeinsam mit anderen jesuitischen Einrichtungen ein klares Zeichen für mehr Klimagerechtigkeit.

Europa war der erste Kontinent, der in der Industrialisierung auf Kohle setzte. Seitdem treiben fossile Brennstoffe die europäische Wirtschaft maßgeblich an. „Deswegen hat Europa die historische Pflicht und Chance, den Übergang in ein neues Zeitalter jenseits fossiler Brennstoffe anzuführen.“ So fordern es über 140 christliche Organisationen aus Europa, die sich mit dem gemeinsamen Appell „Europe, be faithful“ an die politische Führungsspitze der EU richten. Auch die Zentraleuropäische Provinz der Jesuiten, das Ukama-Zentrum für sozial-ökologische Transformation der Jesuiten in Nürnberg, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS und weitere jesuitische Einrichtungen und Provinzen Europas unterstützen diesen Appell.

„Wir fordern gerechtes Klimahandeln, das jetzt die Schwächsten schützt und die Rechte zukünftiger Generationen sichert, einschließlich des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen“, heißt es in dem Aufruf. „Wir äußern unsere tiefe Besorgnis darüber, dass die EU derzeit ihre eigene Gesetzgebung abbaut und ihrer Rolle als globale Klimavorreiterin den Rücken kehrt.“ Laut den Unterzeichnern werden Verpflichtungen für mehr Klimaschutz verzögert, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhöht und Maßnahmen hin zur sozial-ökologischen Transformation abgebaut.

Klares Nein zu Kohle, Gas und Öl

„Die EU muss sich an die Werte und Prinzipien ihrer Gründer erinnern: den Schutz der Menschenrechte und die Bewahrung des Friedens“, fordern die Organisationen in ihrem Appell. „Dafür ist entschlossenes Handeln zur Beschleunigung des Übergangs weg von fossilen Brennstoffen lebenswichtig.“ Für die Unterzeichner bedeutet das konkret, Treibhausgase zu reduzieren und einen gerechten, raschen Übergang zu einer auf erneuerbaren Energien basierenden Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Sie fordern die EU-Entscheidungsebene auf,

  • die Förderung von Kohle, Öl und Gas rasch einzustellen, sofort jede Erschließung fossiler Brennstoffe zu beenden und keine Genehmigungen für neue fossile Infrastrukturprojekte zu geben,
  • eine Strategie zu entwickeln, um die Abhängigkeit der EU von fossilen Brennstoffen zu beenden und Kohle bis 2030, Gas bis 2035 und Öl bis 2040 auslaufen zu lassen,
  • Subventionen für fossile Brennstoffe zu stoppen und eine dauerhafte Steuer auf die Gewinne fossiler Unternehmen einzuführen,
  • Finanzierungen für einen sozial gerechten Übergang im nächsten EU-Haushalt zu priorisieren und die Investitionen in Energieeffizienz, Elektrifizierung und erneuerbare Energien massiv auszuweiten sowie
  • einen globalen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu unterstützen und Ressourcen für den Globalen Süden freizusetzen, damit dieser in Klimaschutz investieren kann.

Verantwortung übernehmen – aus dem Glauben heraus

„Was bedeutet es, seinen Nächsten in einer Zeit zunehmender ökologischer Krisen zu lieben, die die Ärmsten unverhältnismäßig stark trifft?“ Diese Frage steht für die Unterzeichner im Mittelpunkt. Dabei dürfe auch die moralische Ebene nicht ausgelassen werden, wenn es um Fragen der Verantwortung und Rechenschaftspflicht gehe: „Strukturen der Sünde“ müssten in den Blick genommen werden. So bezeichnete Papst Johannes Paul II. soziale, wirtschaftliche und politische Systeme, die für Gewinnmaximierung Ungerechtigkeiten in Kauf nehmen.

„Europa hat gezeigt, dass ein Wandel, der vom Streben nach Gemeinwohl geleitet wird, nicht nur möglich, sondern unerlässlich ist“, so die Unterzeichner des Appells. Sie beziehen sich dabei auf die Vorreiterrolle Europas seit den 1970er-Jahren, was Klima- und Umweltschutz anbelangt. Trotzdem sei gerade heute noch entschiedeneres Handeln nötig. „Europa steht vor einer klaren Wahl: den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen anzuführen oder sich auf die Seite der umweltschädlichsten Unternehmen zu stellen, die für die Hälfte der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind.“ Oder wie es Papst Leo XIV. formulierte: „Gott wird uns fragen, ob wir die Welt, die er geschaffen hat, zum Wohl aller und für künftige Generationen bearbeitet und gehütet haben. Wie wird unsere Antwort lauten?“

Hier mehr erfahren zum Appell „Europe, be faithful“

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