Für P. Adrian Kunert SJ ist die Fastenzeit mehr als sieben Wochen „Detox“. Denn Fasten bedeutet im ignatianischen Sinn nicht in erster Linie Verzicht. Vielmehr geht es um die Bereitschaft, sich frei zu machen von allem, was von Gott trennt. In seinem Gastbeitrag zeigt Pater Kunert, wie die Fastenzeit zu einem geistlichen Übungsweg werden kann, um innerlich frei zu werden für Gott.
Von P. Adrian Kunert SJ
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei …“ Sie kennen vielleicht dieses Lied, das vor allem im Rheinland zur Mitternacht vom Dienstag zum Aschermittwoch auf den Sitzungen gesungen wird. Danach ist alles vorbei, was mit Karneval, Fasching und Fastnacht zusammenhängt. Viele werden froh sein, dass es nun endlich vorbei ist und man wieder etwas „Entgiftendes“ für den Körper tun kann.
In westlichen Kulturen ist das Fasten heute oft eine Life-Style-Entscheidung vor dem Hintergrund von Selbstoptimierung oder „innerer Reinigung“. Das war zu biblischer Zeit nicht so.
Ziele biblischen Fastens
Das Leben in biblischen Zeiten war immer bedroht von regionalen oder globalen Katastrophen, die zu Ernteausfällen und damit zu Hungerperioden führten. Fasten war da etwas, womit man Hingabe an ein Ziel verband und Willensstärke, da dran zu bleiben. Es gibt in der Bibel Beispiele, wo selbst ein spontanes eintägiges (Trauer-)Fasten erwähnt wird, zum Beispiel anlässlich des Todes Sauls, Jonathans und Israels in der Schlacht gegen die Philister (2 Sam 1,11–12).
Generell aber kann man sagen, dass Fasten in der Bibel vor allem dazu dienen sollte, etwas in und um die Gemeinschaft herum sozial zu verbessern. Das wird immer wieder auch von den Propheten eingefordert. Bei heutigem Fasten muss der Verzicht auf Speise nicht immer im Zentrum stehen. Es sollte auch heute immer der Blick auf die Erbauung der Gemeinschaft mitgemeint werden.
Fasten gegen ungeordnete Neigungen: Exerzitien
Wenn man Exerzitien macht, kann Fasten ein Mittel sein, das Gebet zu vertiefen. Denn man lässt Äußeres weg und begibt sich in eine Art innere Wüstensituation, um von den Ablenkungen der Welt wegzukommen und mehr auf die Stimme Gottes zu achten. Das Äußere kann, neben anderem, eben auch eine Abhängigkeit von ungeordneten Neigungen sein: Ich gebe Dingen oder Verhaltensweisen in meinem Leben und meinen Entscheidungsprozessen mehr Raum, als ihnen zusteht. Es ist so wie mit einem Stück Eisen, das unter einem Kompass liegt. Es verändert unsere Orientierung und weist den Weg zu unserem Ziel falsch aus. So werden auch ungeordnete Neigungen unsere Urteilskraft und unsere Beziehung zu Gott und den Nächsten negativ beeinflussen. Dagegen helfen die sogenannten „Geistlichen Übungen“ (Exerzitien).
Fasten bei Ignatius
Im Exerzitienbuch des heiligen Ignatius von Loyola kann man gleich in der ersten Anmerkung lesen: „Denn gleichwie Umherwandeln, auf ein Ziel Zugehen und Laufen körperliche Übungen sind, so nennt man geistliche Übungen jede Art, die Seele vorzubereiten und in Stand zu setzen, damit sie alle ungeordneten Neigungen von sich entferne und nach ihrer Entfernung den göttlichen Willen suche und finde in der Regelung des eigenen Lebens zum Heile der Seele.“
Ungeordnete Neigungen in den Griff zu bekommen, um auch dadurch zu guten, tragfähigen Lebensentscheidungen zu kommen auf dem Weg mit Gott, ist also auch ein Zweck von Exerzitien. Dazu heißt es in Anmerkung 23 („Prinzip und Fundament“): „Der Mensch ist geschaffen, Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Verehrung zu erweisen und ihm zu dienen, und mittels dessen seine Seele zu retten; und die anderen Dinge auf der Erde sind für den Menschen geschaffen und dazu, dass sie ihm helfen bei der Verfolgung des Ziels, zu dem er geschaffen ist.“
Damit antworten wir dem Mensch gewordenen Sohn, der kam, um zu dienen. Man kann nun in dieser Fastenzeit in den biblischen Geschichten und den Sakramenten in der Liturgie zuschauen, wie Er mit uns umgeht. Er möchte mit Seinem Großmut auch unseren Großmut wecken, Ihm zu folgen, Ihm zu dienen.
Die meisten Veränderungen unsererseits beginnen mit einer kleinen, positiven Handlung, die man einübt („exerziert“). Man muss auch nicht bis zu den nächsten Exerzitien warten. Jede Fastenzeit bietet an sich dazu schon Gelegenheit. So kann man es zum Beispiel einmal mit dem Maßhalten probieren. Falls Sie noch etwas Praktisches suchen für diese Fastenzeit, möchte ich Sie in zu einer Aktion einladen: