Sich an Gewohntes, Pläne und Sicherheiten klammern: Das gibt Halt. Ignatius von Loyola stellt dieses Festklammern auf den Prüfstand. Er fragt, worauf wir unser Vertrauen setzen: Auf das, was wir besitzen und bewahren können – oder auf Gott, der uns zum wahren Leben führt? P. Thomas Hollweck SJ, Provinzial der Jesuiten in Zentraleuropa, ermutigt in seinem Impuls zum Ignatiusfest, auf Gottes Führung zu vertrauen.
Von P. Thomas Hollweck SJ
Innerlich frei zu sein ist für Ignatius von Loyola eine entscheidende Voraussetzung, bevor er anstehende Entscheidungen trifft. In seinem Wunsch nach dem, was er „Indifferenz“ nennt, ist er bemerkenswert konsequent. Er geht an die Wurzel und scheut sich nicht, seine Gedanken mit zugespitzten, ja radikalen Beispielen zu verdeutlichen. Im „Prinzip und Fundament“ (Exerzitienbuch 23) schreibt er, wir sollten nicht langes Leben mehr als kurzes Leben erstreben. Gemeint ist nicht eine Geringschätzung des Lebens, sondern die Freiheit, sich nicht an etwas festzuklammern, sondern sich ganz auf Gottes Willen auszurichten, auf das höhere Ziel. Was nützt es einem Menschen, wenn er sich an etwas klammert? (vgl. Mt 16,26)
Ignatius denkt dabei vermutlich vor allem an das Leben des einzelnen Menschen. Vielleicht dürfen wir diesen Gedanken auch auf unsere Projekte, auf vertraute Räume und bisherige Vorgehensweisen übertragen. Haben oder nicht haben. Sein oder nicht sein – das ist letztlich nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist für Ignatius vielmehr, welchem Ziel etwas dient und wie wir es mit Leben füllen. Dient es der größeren Ehre Gottes und dem Wohl der Menschen in der heute geeignetsten oder einzig möglichen Weise? Hilft es, das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen? Ermöglicht es Begegnung, Hoffnung und realistische Perspektiven?
Gibt es auf das Ziel hin nicht manchmal noch andere Wege, auf die wir uns überrascht einlassen könnten? – Innere Freiheit bewahrt uns davor, Bisheriges nur um seiner selbst willen festhalten zu wollen. Sie öffnet zugleich den Blick für neue Zugänge, auch wenn sie ungewohnt oder herausfordernd sind. So können wir Verantwortung übernehmen – mit Mut, mit Gelassenheit und mit Vertrauen darauf, dass Gott uns auch dort ins Leben führt, wo Vertrautes endet und anderes beginnt.