• DON’T WORRY, so leuchtet es vom romanischen Kirchturm Sankt Peters in die Stadt hinaus.
  • Das ehem. Jesuitenkolleg und die Kirche St. Mariä-Himmelfahrt in der Marzellenstraße.
  • Feier des Abendmahles am Gründonnerstag in Sankt Peter.
  • Die „Kreuzigung Petri“ von Peter Paul Rubens soll nach der Restaurierung bald wieder zu sehen sein.
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Gott-Finden und Change-Management in Köln

60 Jahre Jesuiten in der Jabachstraße

Am 27. September 2020 erinnern die Jesuiten an die Errichtung der Ordensgemeinschaft bei Sankt Peter in der Kölner Innenstadt vor 60 Jahren. Dieser Neuanfang steht in der Kontinuität einer sich stets an den Herausforderungen der Gegenwart ausrichtenden Präsenz des Ordens. Seit fast 500 Jahren wirken Jesuiten in der Stadt und der Kirche von Köln und haben Kirchen- und Kulturgeschichte mit geprägt.

Im Sommer 1960 bezogen Jesuiten das Pfarrhaus bei Sankt Peter im Zentrum der Kölner Innenstadt. Dieser Neuanfang steht in einer bewegten Geschichte der „Gesellschaft Jesu“ – so der offizielle Name des Ordens – der seit 1543/44 in der Metropole am Rhein präsent ist. In Köln entstand kurz nach der päpstlichen Anerkennung der Jesuiten die erste Niederlassung dieses Ordens nördlich der Alpen. Jesuiten tragen keine besondere Kleidung, sie pflegen keine gemeinsamen Gebetszeiten und folgen keiner klösterlichen Ordnung. Sie folgen der „gewöhnlichen Lebensweise“ normaler Menschen. Bald übernahmen diese Gefährten Jesu das Dreikönigsgymnasium in der Marzellenstraße und schrieben von Köln aus internationale Bildungsgeschichte. Als Gründerväter dürfen zwei bedeutende Reformpersönlichkeiten gelten, die der Zukunft des Katholischen unter den Bedingungen der Moderne einen prägenden Stempel aufgedrückt haben: Peter Faber und Petrus Canisius. Ihr Lebenszeugnis und geistliches Reformprogramm wurde später durch die Heiligsprechung kirchlich anerkannt. Der Stadt und der Kirche von Köln ist der Jesuitenorden im Auf und Ab der Geschichte in immer neuen Formen verbunden geblieben. Jesuiten engagieren sich bis heute in Stadt und Bistum und darüber hinaus entsprechend ihrem geistlichen Ideal in ganz unterschiedlichen Feldern. Weil Gott überall – keineswegs nur in den frommen Tätigkeiten – gefunden werden kann, waren Jesuiten immer bestrebt, ihre Weise des Vorangehens anzupassen und zu verbessern. Deshalb verändern sie unablässig die Methoden ihrer personenzentrierten Pastoral und ihrer missionarischen Sendung. In allen Dingen und allen Weltgegenden suchen Jesuiten und ihre vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter die je größere Ehre Gottes, die in der Hilfe für die Menschen konkret wird. In dieser geistlichen Dynamik steht auch der Neubeginn bei Sankt Peter.

Ab Mitte der 50er Jahre wurde unter den Jesuiten diskutiert, dass Wiederaufbauarbeit nach den Zerstörungen des Krieges nicht alles sein kann. Wenn Verkündigung und Kirche in einer sich zunehmend säkularisierenden Welt weiterhin ihren Auftrag nahe bei den Menschen erfüllen sollte, brauchte es mehr als nur Gebäude und Strukturen. Das Stichwort vom Rückgang zu den inneren Quellen („ressourcement“) machte die Runde und inspirierte zu neuen Ideen und Aufbrüchen. Im Jesuitenorden wurden vor allem die Geistlichen Übungen der Exerzitien des Ordensgründers Ignatius von Loyola neu als das innere Betriebssystem des Ordens entdeckt. In diesem geistigen Umfeld wurde am Vorabend des 2. Vatikanischen Konzils die neue Niederlassung in der Jabachstraße durch den Generaloberen des Ordens, Pater Johann B. Janssens, mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs, Kardinal Frings, errichtet. Drei Patres bildeten die Vorhut. Sie wussten, dass sie mehr wollten als den Wiederaufbau vergangener Strukturen: Heinrich Ostermann (sozial-politische Bildungsarbeit), Adolf Heinen (Gefängnisseelsorge) und Alois Schuh (Prediger und Pfarrer bei Sankt Peter).

In mehr als 400 Jahren Jesuiten in Köln waren immer neuen Formen gesucht und gefunden worden, die Ehre Gottes mit der konkreten Hilfe für die Menschen zu verbinden: An Schule und Universität, in geistlicher Beratung und Begleitung, durch Beichte und Armenfürsorge bzw. Sozialarbeit, mit Internaten und in der Priesterausbildung, in offener und verbandlicher Jugendarbeit und Hochschulseelsorge, in Gefängnissen und Krankenhäusern, mit Theater, Kunst und Kirchen, in Kongregationen und Gemeinschaften. Diese Geschichte wird in Köln von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten geschrieben: Dazu gehört der Naturwissenschaftler und Chinamissionar Adam Schall von Bell ebenso wie der Barockdichter und Anwalt gegen den Hexenwahn, Friedrich Spee. Schriftsteller wie der Konzilshistoriker Joseph Hartzheim oder der Jugendschriftsteller Jón Svensson. Dazu kommen in jüngerer Zeit innovative Großstadtseelsorger wie die Patres Ostermann und Schuh oder der in Köln geborene Theologe Karl-Josef Becker, der 2015 als Kardinal in Rom starb. Sie alle dienten dem gleichen Ideal, dem sie in ständiger Veränderung treu waren.

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