• Feier des Osterfestes in der Grabeskirche in Jerusalem.
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Heiliges Feuer

Ja, es wird sich wieder entzünden! Und zwar am Samstag vor dem orthodoxen Osterfest (dieses Jahr am 27. April) gegen 14 Uhr wird sich in der Grabeskirche oder besser der Auferstehungskirche in Jerusalem nicht durch ein Feuerzeug oder ein anderes menschliches Hilfsmittel, sondern durch eine Art himmlischen Blitz wird sich das Heilige Feuer entzünden. Dieses Wunder ist bezeugt seit mehr als tausend Jahren in der Grabes- oder besser Auferweckungskapelle (Aedikula) innerhalb der Auferstehungskirche. Davon habe ich jetzt erfahren durch jemanden, der mehrere Jahre in Jerusalem gelebt hat. Und dann habe ich es natürlich auch hier im Netz gefunden.

Wie jedes Wunder so ist auch dieses umstritten und es gibt Kritiker und Zweifler. Aber wenn man das folgende Video ansieht und das elektrische Gewitter in der Kirche wahrnimmt, dann ist das schon erstaunlich. Ich glaube, dass es wirklich so geschieht. Und das ist es ja, worauf es beim Wunder ankommt, nicht dass es eine Durchbrechung der Naturgesetze ist, nein, dass wir zum Staunen und zum Wundern und so zum Nachdenken kommen. Das ist das Entscheidende. So können auch ganz natürliche Ereignisse, wie ein Blitz, wie das Aufblühen einer Blume, wie eine Schneeflocke, wie das Lächeln der kleinen Tochter ein Wunder sein. Ein wunderbares Wunder.

Und das ist es, was uns dieses Wunder in Jerusalem ins Bewusstsein bringt, nämlich das eigentliche und alles entscheidende Wunder, dass Jesus durch Gottes Macht, durch des Vaters Liebe von den Toten erstanden ist, und zwar genau hier, an diesem Ort seines Grabes ist er auferstanden. Auferstanden als ein neuer Mensch, als der erste Mensch der neuen Schöpfung. Er ist derselbe Jesus von Nazareth, verwundet, gekreuzigt und begraben, aber er ist auch ein ganz anderer. Er ist da in dieser Welt, in der alten, von Tod und Bosheit missgestalteten, in unserer Welt, aber er ist da als der Anfang der neuen Welt Gottes, die hell und strahlend ist und nicht mehr von Tod und Bosheit verdunkelt, sondern als der Anfang der unvergänglichen, lebensvollen, geistvollen und liebevollen Welt Gottes. Das ist das Wunder, an das das Wunder des Heiligen Feuers erinnert und das es uns gegenwärtig hält.

Autor:

Thomas Gertler SJ

Pater Thomas Gertler SJ, Dr. theol., ist 1967 in den Jesuitenorden eingetreten. Seit 2009 ist er als Kirchlicher Assistent für die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) tätig. Seit 2012 engagiert er sich im Team der Online-Seelsorge der Deutschen Provinz der Jesuiten.

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