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Hilfe für Charkiw: Leben und Lieben – trotzdem!

Mykhailo Stanchyshyn SJ ist ein ukrainischer Jesuit, der während seines Noviziats in Berlin eine Zeitlang beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst gearbeitet hat. Er hat uns aus Charkiw geschrieben, wo er seit März arbeitet. Jeden Tag kehren dort etwa 5.000 Menschen zurück in die Stadt, und es gibt weder genug Lebensmittel noch Jobs.

Der Krieg ist eine Zeit großer Verluste, aber noch größerer Wachstumschancen – für alle Menschen weltweit und besonders in der Ukraine. Der Herr ruft ständig zu mehr Glauben, Hoffnung und Liebe auf! Er ruft Menschen aus der Krise zu einer tieferen Begegnung: „Wähle also das Leben" (Deut. 30, 19) und zu einem großzügigen und demütigen Dienst auf, im Kleinen und im Großen, jeden Augenblick, jeden an seinem Platz, und immer für diejenigen, die Seine Barmherzigkeit am meisten brauchen.

Heute wurde Charkiw wieder mit schwerer Artillerie beschossen. Sieben Menschen starben, darunter ein kleines Kind.

Eine ältere Frau erzählte mir von ihrem Sohn, Volodymyr (41), der vor einigen Tagen im Krieg gestorben ist. Sie sah die Gräueltaten der Kämpfe in einem Video und hörte die letzten Hilferufe ihres schwerverwundeten Sohnes.

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben.“ (Mt 25,35). Ich hatte große Angst und ihr habt mir zugehört…

Ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Charkiw sein kann, einer Stadt, die so fern und so nah ist, die mir so lieb ist, weil ukrainisch, und doch im Kriegsgebiet… Meine Dankbarkeit ist groß, dem Herrn in so zahlreichen Menschen begegnen zu dürfen, deren Tränen der Freude mit großer Angst und Trauer verbunden sind.

Seit Kriegsausbruch erhalten Tausende von Menschen, darunter viele Kinder und Alte, Hilfe in Form von Lebensmitteln, Babynahrung, Medikamenten und Kleidung. Am Karsamstag haben wir 2.000 Osterkuchen verteilt! „Hier werden wir königlich beschenkt!“, sagte mir ein Mann mit einem Lächeln im Gesicht. Eine österliche Freude – mitten im Krieg! Ich bin sehr dankbar, noch lebendig zu sein. Der Herr wird hier Tag für Tag gekreuzigt und begraben. Jedoch hoffen wir auf die Auferstehung.

Wer den Wunsch und die Möglichkeit hat, die Menschen in Charkiw zu unterstützen, kann dies heute „zur größeren Ehre des Herrn“ tun! Er wird es Euch reichlich vergelten. Herzlichen Dank!

26. Mai, 2022, Charkiw, Ukraine
P. Mykhailo Stanchyshyn SJ

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