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Jesuiten verschicken Wahlprüfstein

Kurz vor den Landtagswahlen in Hessen und Bayern haben die Jesuiten einen sogenannten Wahlprüfstein verschickt. Die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten haben diesen Prüfstein in Form der aktuellen Ausgabe der Publikation JESUITEN mit dem Titel „Die Welt – unser Haus“ erhalten. Das Schwerpunktthema setzt einen deutlichen Kontrapunkt zu aktuellen politischen Bewegungen und Diskussionen.

Als Wahlprüfstein lag dem Heft ein Brief des Provinzials Pater Johannes Siebner SJ und Chefredakteur Tobias Zimmermann SJ bei. Die beiden Ordensmänner appellieren an die Politikerinnen und Politiker, nicht weiter Ängste zu schüren, und ermuntern, für Kompromisse zu werben: „Das sind die Grundgestalten der demokratischen und offenen Gesellschaft.“ Die Redaktion der Publikation JESUITEN will mit dieser Aktion in den letzten Wochen des Wahlkampfes den Politikern einen Gedankenanstoß mitgeben und an ihre Verantwortung für die Demokratie erinnern.

Trotz globaler Aufbrüche und weltumspannender Zusammenhänge scheint in den letzten Jahren das Nationale zurückzukehren, und die Zeichen stehen eher auf Abgrenzung und Abschottung. Die Angst um das Eigene verstellt den Blick auf das Gemeinsame, und politische Akteure suchen nicht zunächst den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern ausschließlich eigene Interessen. Dies steht im Kontrast zur Grundidee des Jesuitenordens. Die Gesellschaft Jesu wurde als internationaler Orden gegründet; Jesuiten gehen an die Grenzen der Gesellschaft; sie leben und arbeiten oft im Ausland.

Diesem Thema gehen die Redakteure und Autoren in der aktuellen Ausgabe JESUITEN mit dem Titel „Die Welt – unser Haus“ nach. Im ersten Teil des Heftes gehen die Autoren der Universalität mit all ihren Vor- und Nachteilen auf den Grund. Die Ordensstruktur setzt heute auf lokale Einheiten (Provinzen) über Länder- und Sprachgrenzen hinweg, und Jesuiten, die sich vorher nie gesehen haben, finden sich in international zusammengesetzten Lebensgemeinschaften (Kommunitäten) wieder. Im zweiten Teil des Heftes wird es politischer. Beatrice von Weizäcker erinnert sich an das mutige Bekenntnis von Alfred Delp SJ: „Ein Christ kann niemals Nationalist sein.“ In einem bemerkenswerten Plädoyer aktualisiert sie dieses für das 21. Jahrhundert.

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