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Jesus im Zentrum

Die Redaktion des neuen zentraleuropäischen JESUITEN Magazins haben ihren Autor:innen nur eine Frage gestellt. Wer ist Jesus für dich? Provinzial der Jesuiten in Zentraleuropa, Bernhard Bürgler SJ, hat geantwortet.

Schon das neue Logo unserer Provinz macht es deutlich: Im Mittelpunkt eines Strahlenkranzes stehen die drei Buchstaben „IHS“. Es sind die ersten drei Buchstaben des griechischen Jesusnamens. Dieses Zeichen ist mir sehr kostbar und ich erlebe es als Geschenk und Auftrag zugleich. Mein Alltag als Provinzial ist vielfältig und fordernd. Mitbrüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freunde, viele Menschen kommen zum Gespräch, Entscheidungen, kleine und große, wollen getroffen und umgesetzt werden, Verwaltungsangelegenheiten sind zu erledigen. Vieles sucht und braucht Aufmerksamkeit. In all dem das Zentrum – Jesus – nicht zu verlieren, zumindest nicht ganz, das ist gar nicht leicht. Aber wichtig.

Jesus zum Gefährten haben

Eine in unserem Orden verbreitete Lesart des IHS ist: „Iesum Habemus Socium“ – Wir haben Jesus zum Gefährten. Das IHS erinnert mich: Du hast Jesus zum Gefährten! Er ist an meiner Seite, er begleitet mich, er steht zu mir! Ich möchte in der Freundschaft mit ihm wachsen. Dafür ist für mich das Gebet wichtig. Verbunden sein mit ihm, möglichst immer und überall. „Make it relational“, bring es in Beziehung – dieser Rat meines Instruktors im Tertiat (2004), ist mir wichtig geworden und begleitet mich.

Als Provinzial ist man mit so manchem allein und manchmal auch einsam. Das ist Teil einer Leitungsaufgabe. Da tut es mir gut, Jesus in meiner Nähe zu wissen und mich in seiner. Seit Jahren praktiziere ich das Jesusgebet. Die innere Wiederholung des Namens Jesu schafft eine Verbundenheit, die mich trägt.

Die Welt mit seinen Augen sehen lernen

Sicher, es ist wichtig, auf Jesus zu schauen. Es ist aber genauso wichtig, so wie Jesus auf die Menschen und die Welt zu schauen. Mit welchem Blick schaue ich, was sehe ich, was nehme ich wahr? Schaue ich tiefer?

Das ist alles andere als leicht. Es braucht Aufmerksamkeit, Erinnerung, Umkehr. Es braucht auch Hilfe und Hinweise von anderen. Mein Team hilft mir dabei. 

Den Blick Jesu einüben, um in allem, was mir begegnet, Gott zu erkennen, der zu mir spricht durch die Begegnung mit einem Menschen, durch eine glückliche Erfahrung, durch ein Missgeschick, durch Erfolg und Misserfolg, durch meine Gedanken, Worte und Handlungen.

Damit rechnen, dass Gott mir nahe ist, mich anspricht, an mir handelt.

IHS: Diese Buchstaben, diesen Namen, diese Person lässt Ignatius in sein Sigel eingraben, er prägt es den wichtigsten Dokumenten des Ordens auf.

Das neue Logo steht auch heute auf allen Schriftstücken und Produkten. Jesus möge uns prägen, mehr und mehr!

Autor:

Bernhard Bürgler SJ

Pater Bernhard Bürgler SJ ein ausgewiesener Experte in den Bereichen Spiritualität, Exerzitien, Meditation und Psychoanalyse. Der 60-jährige ist in Lienz, Osttirol geboren. Nach der sogenannten Matura, dem österreichischen Abitur, studierte er in Innsbruck Theologie. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er im deutschen Exerzitienhaus Haus Gries mit, welches von den Jesuiten getragen wird. Nach weiteren Jahren als Religionslehrer in Österreich trat Bürgler 1991 in die Gesellschaft Jesu ein. Nach dem Noviziat promovierte er in Theologie und machte zudem eine Ausbildung zum Psychotherapeuten. Seine Tätigkeiten im Orden waren Spiritual im internationalen Priesterkolleg Canisianum (Innsbruck), Leiter des Exerzitienhauses „Haus Gries“ (Wilhelmsthal), Bereichsleiter für Spiritualität und Exerzitien im Kardinal König Haus (Wien). 2014 wurde er Provinzial der Österreichischen Provinz der Jesuiten. Am 31. Juli 2020 ernannte ihn der Generaloberer P. Arturo Sosa SJ zum ersten Provinzial der neuen Zentraleuropäischen Provinz, die am 27. April 2021 die bisherigen Provinzen Österreich, Deutschland, Litauen-Lettland und der Schweiz ersetzen wird.

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