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Jörg Alt SJ: Vermögensabgabe für Corona-Kosten

Nürnberg (KNA) Der Nürnberger Jesuit Jörg Alt hat Vorschläge einer Vermögensabgabe zur Bewältigung der Kosten der Corona-Krise begrüßt. "Es muss das Prinzip gelten: Starke Schultern können mehr leisten als andere", sagte Alt am Sonntag im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Pater hat sich im Auftrag der Jesuitenmission mit dem Thema Steuergerechtigkeit befasst. Es gelte nun, aus den Fehlern bei der Finanzkrise zu lernen. Deren Lasten seien ungleich verteilt gewesen, indem sie allen Steuerzahlern gleichermaßen auferlegt worden seien.

Die Idee einer Vermögensabgabe sei zudem nicht neu. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg habe sie dazu gedient, Geld für die Bewältigung der Flüchtlingskrise zu generieren, durch das so genannte Lastenausgleichsgesetz. Eine solche Sonderabgabe werde in Krisenzeiten auch eher akzeptiert. "Umso wichtiger ist es, dass es jetzt geschieht."

Konkret stellt sich der Jesuit eine Heranziehung des obersten und reichsten Prozents der Bevölkerung vor. Bezugsgröße sollen vorhandene private und betriebliche Vermögen sein, die Leistung solle über Jahre streckbar sein, um niemanden zu überfordern. "Man könnte mit diesem Instrument 70 bis 100 Milliarden Euro einsammeln."

"Meine Hoffnung wäre auch, dass die Krise insgesamt eine Diskussion ermöglicht, wie öffentliche Einnahmen verbessert werden", so Alt. Zu einem Gesamtpaket gehörten auch eine bessere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten beim Steuereinzug. "Steuervermeidung und -betrug müssen besser bekämpft, Steuertricksereien, die innerhalb von Europa möglich sind, beseitigt werden." Ein weiteres Instrument dafür wäre aus Sicht des Ordensmanns die Finanztransaktionssteuer, für die er immer wieder plädiert. Auch eine CO2-Steuer zähle dazu.

So wie die Corona-Pandemie eine globale Bedrohung sei, gelte dies auch für den Klimawandel. "Meine Hoffnung ist, dass diese Transferleistung nun auch gelingt." Auch die Klimakrise werde schlimmer und tödlicher für die Menschen in Europa, erklärte der Jesuit. Die Pandemie zeige, dass Politik durchaus auf die Wissenschaft höre und Geld keine Rolle spiele, wenn es darum gehe, eine spürbare Krise zu bekämpfen. Dies müsse auch beim Klimawandel greifen, forderte der Jesuit.

Er erhoffe sich, dass Kirche diese Themen aufgreife, etwa bei der aktuellen Reformdebatte, dem Synodalen Weg, aber auch bei Großveranstaltungen wie dem Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt am Main.

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