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JRS fordert mehr Willkommenskultur

Köln (KNA) - Der Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS), Pater Claus Pfuff SJ, bedauert eine aus seiner Sicht abnehmende Willkommenskultur in Deutschland. In der Debatte um die Verteilung von 49 Mittelmeer-Flüchtlingen sagte Pfuff am Montag dem Internetportal des Erzbistums Köln domradio.de, es gehe nicht um die Anzahl der Menschen. "Letztlich ist es aber wirklich so, dass das politische Klima in Deutschland mittlerweile so ist, dass man Angst hat, einen Schritt nach vorne zu machen, der noch einmal an die Willkommenskultur von 2015 erinnert."

Es sei schade, dass das, "was Deutschland geprägt und letztlich auch Ansehen gebracht hat, immer mehr zurückgeschraubt wird". Pfuff klagte auch darüber, dass die Menschen, die sich in diesem Bereich engagierten, ins Abseits gestellt würden.

Nach den Worten Pfuffs fehlt in bestimmten europäischen Staaten der Wille dazu, ein gemeinsames europäisches Konzept im Umgang mit Flüchtlingen zu entwickeln. "Und somit scheint es, dass dieses Problem bis auf den Sankt-Nimmerleins-Tag hinausgezögert wird und wahrscheinlich eine gesamteuropäische Lösung eher in weitere Ferne rückt, als dass sie näher rückt."

Pfuff bezeichnete es zudem als beschämend, dass die Hauptlast der Flüchtlingskrise die Staaten trügen, die nicht zu den reichen Ländern gehörten. "Bei uns fehlt oft der politische Wille, Menschen, die auf der Flucht sind, die in Not sind, eine neue Heimat zu gewähren."

Er sagte, dass Europa sich nicht davonstehlen könne, wenn die Werte, für die der Kontinent stehe, ernst genommen würden. "Wenn wir sagen, dass wir uns auf bestimmte christliche Werte berufen, dürfen wir nicht die Augen zumachen und uns immer weiter abschotten."

Papst Franziskus hatte am Sonntag eine rasche Lösung für die vor Malta festliegenden Rettungsschiffe verlangt. Er appellierte nachdrücklich an die Regierenden in Europa, konkrete Solidarität gegenüber diesen Menschen zu zeigen. Die Schiffe "Sea-Watch 3" und "Professor Albrecht Penck" der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye warten weiter vor der Küste Maltas darauf, die insgesamt 49 Geretteten in einen europäischen Hafen bringen zu dürfen. Die Bundesregierung in Berlin signalisierte am Samstag, Deutschland sei zur Aufnahme der Menschen bereit, allerdings im Rahmen einer Verteilung auf mehrere EU-Mitgliedstaaten.

Autor:

Claus Pfuff SJ

Pater Claus Pfuff SJ ist Exerzitienleiter, Lebens- und Sozialberater. Er hat Theologie studiert und wurde in der Diozese Augsburg zum Priester geweiht. 2009 ist er in den Jesuitenorden eingetreten und ab 2011 war er Schulseelsorger am Canisius-Kolleg in Berlin. Nach seinem Tertiat in Portland/USA leitet er seit 2018 den Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland, der in Berlin-Brandenburg, Essen und München tätig ist, und vertritt das Erzbistum Berlin in der Härtefallkommission des Landes.

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