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Katholischer Filmpreis für die Dokumentation #Out in Church

Die Fernseh-Dokumentation #Out in Church über 125 homosexuelle bzw. queere Menschen in der katholischen Kirche wurde mit dem Hauptpreis des Katholischen Medienpreises geehrt. Den Preis überreichte am Rande des Katholischen Medienkongresses am 3.11, in Bonn Kardinal Reinhard Marx. In dem Film hatten sich Anfang des Jahres 125 Mitarbeitinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche in unterschiedlichen Positionen als homosexuell bzw. queer geoutet. Darunter waren auch zwei Jesuiten-Patres. Der Film ist in der in der ARD-Mediathek abrufbar.

Er überzeugt vor allem durch die persönlichen Zeugnisse der Protagonisten, die ihre sexuelle Identität lange verheimlichten und oft unter sehr schwierigen Bedingungen damit ihren Platz in der Kirche suchten. Sie forderten unter anderem eine Überarbeitung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen der Kirche, damit zum Beispiel in einer homosexuellen Partnerschaft lebende Beschäftigte keine Kündigung fürchten müssen.

In ihrer Laudatio nannte die TV-Moderatorin Anne Will den Film einen "Befreiungsschlag." Der Autor der Dokumentation, der bekannte Filmer Hajo Seppelt, betonte, mit der Auszeichnung alleine sei noch nicht viel gewonnen. Die Kirche müsse im Alltag beweisen, dass sie es ernst meine, und ihre Sexualmoral grundlegend verändere. Anne Will forderte die katholische Kirche zu weiteren Reformen für Angehörige sexueller Minderheiten auf. "Auch ich bin lesbisch und weiter ein haderndes - und auch zahlendes - Mitglied der katholischen Kirche - und auch ich möchte, dass die menschenverachtende Diskriminierung queerer Menschen endlich aufhört", sagte sie.

"Ich will auch, dass das aufhört", antwortete der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der auch katholischer Medienbischof ist. Er sprach sich für eine rasche und grundlegende Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts aus: "Queere Menschen gehören zu uns und müssen auch in der Kirche arbeiten dürfen." Am 21. und 22. November wollen die katholischen Bischöfe in Deutschland über Reformen im kirchlichen Arbeitsrecht entscheiden. Der Entwurf sieht gravierende Änderungen vor. Unter anderem soll als einziger Kündigungsgrund "kirchenfeindliches Verhalten" erhalten bleiben. Privatleben, Familienstand und sexuelle Orientierung sollen keine Rolle mehr spielen. Marx betonte, er wolle alles dafür tun, dass die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Reform zustande komme.

Der Provinzial der Jesuiten P. Bernhard Bürgler SJ hatte sich vor kurzem für mehr Diversität unter den Mitarbeitern des Ordens ausgesprochen und eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts begrüßt.

Die Deutsche Bischofskonferenz vergibt seit 2003 den „Katholischen Medienpreis", der in der Nachfolge des seit 1974 verliehenen "Katholischen Journalistenpreises" steht. Der Preis soll Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus motivieren. Die Bischofskonferenz schreibt den Preis gemeinsam mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten und dem Katholischen Medienverband aus. In diesem Jahr wurden insgesamt 173 Bewerbungen eingereicht.

Quelle: KNA

Foto: Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit allen Preisträgern: v.l.n.r. der Journalist Tobias Scharnagl, Preisträger in der Kategorie Printmedien; die Journalistin Britta Rotsch, Preisträgerin in der Kategorie Radio; die Journalisten Hajo Seppelt und Katharina Kühn, Hauptpreisträger in der Kategorie Fernsehen; die Journalistin Anja Krug-Metzinger, Trägerin des Sonderpreises der Jury; die Journalisten Marc Rosenthal und Peter Wozny, Hauptpreisträger in der Kategorie Fernsehen; und Weihbischof Matthäus Karrer, Vorsitzender der Jury des Katholischen Medienpreises 2022, am 3. November 2022 in Bonn.

Foto: Julia Steinbrecht / KNA

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