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Litauen – In welches Land reist der Papst?

Papst Franziskus wird dieses Wochenende das Baltikum besuchen und dabei zuerst Litauen bereisen. Der junge Jesuit Lukas Ambraziejus ist Litaue und stellt uns seine Heimat ein klein wenig vor.

Viele wissen, dass dies eine ehemalige Sowjetrepublik ist. Wenige hingegen wissen, dass Litauen ein Mitglied von der EU und der NATO ist. Und noch weniger wissen, dass sich dieses kleine Land rühmt für die schnellste Internetverbindung der Welt pro Kopf, für seine herausragende Basketballmannschaft oder für seine traditionelle Küche.  

Einige wissen vielleicht, dass in diesen Tagen der Papst das ganze Baltikum und darunter auch Litauen besucht. Er tut dies aber nicht so sehr aus den oben genannten Gründen, sondern sein Besuch fällt auf das 100-jährige Wiederherstellungsjubiläum der litauischen Republik. Zu diesem Punkt sei hinzugefügt, dass von den letzten 250 Jahren der Geschichte des Landes Litauen über zwei Perioden verteilt insgesamt 50 Jahre lang unabhängig war. Als ein kleines und sowohl geopolitisch als auch ökonomisch wenig bedeutendes Land, war es mehrmals verschiedenen großen Mächte zum Opfer gefallen. Vielleicht ist gerade das der eigentliche Grund für den Besuch des Papstes: um höchste Achtung einem kleinen, am Rande Europas liegenden Land zu zeigen, weil er die kleinen und unbedeutenden liebt.  

Litauen mag geopolitisch und ökonomisch wenig bedeutsam sein (wenn man von „EU Außengrenze“ zu Russland absieht), aber sicherlich kann das Land auf seine Geschichte, Kultur und Sprache stolz sein.

Das Großfürstentum Litauen war im späten Mittelalter und im frühen Renaissance flächenmäßig das größte Reich Europas, das sich nur ungern zum Christentum bekehren ließ – als letztes Land Europas im 14. Jahrhundert. Dies steht im Kontrast zur heutigen Situation, bei der so gut wie 90% der Bevölkerung sich zum Christentum bekennen und die Kirche - im Vergleich zu vielen Ländern „des Westens“ – jung, lebendig und zukunftsträchtig ist.

Die traditionelle litauische Kultur ist ein faszinierendes Beispiel einer gelungenen Integration des Christentums in ein stark heidnisch geprägtes Werte-, und Brauchsystem des Landes. So werden die Marien Himmelfahrt mit Blumenkränze auf dem Kopf oder Pfingsten beim Tanzen rund ums Feuer gefeiert.

Auch die litauische Sprache birgt Schätze in sich, die nur von wenigen bekannt sind. Als die älteste noch gesprochene indoeuropäische Sprache ist sie (außer mit Lettisch) nur sehr schwach mit den heutigen europäischen Sprachen verwandt. Vielmehr findet man Ähnlichkeiten mit dem Sanskrit. Wenn man also wissen möchte, wie die indigenen Völker Europas vor Tausenden von Jahren gesprochen haben könnten, möge er/sie sich anhören wie eine litauische Bauernfamilie untereinander über häusliche Angelegenheiten redet.

Was der Papst in Litauen vorfinden wird, ist ein tief geerdetes Volk mit seinen großen Schätzen, die, wie alles wertvolle, nur unter einer dicken Erdenschicht zu finden sind. Hoffentlich profitiert der Papst von diesem Land zumindest annährend so viel wie dieses Land von ihm. Hoffentlich schöpft er Hoffnung von dieser jungen, lebendigen Kirche und bekommt etwas von den Reichtümern unserer Kultur mit. 

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