Hinter dem Namen von Jesuiten seht als Abkürzung zumeist „SJ“, was „Societas Jesus“ („Gesellschaft Jesu“) heißt. Gelegentlich wird die Abkürzung SJ spielerisch auch ausbuchstabiert mit „Schlaue Jungs“. Das ist nett formuliert, sagt aber auch etwas über eine Kennzeichnung der ignatianischen Spiritualität aus.
Am deutlichsten wird das durch die Formulierung „discreta caritas“, was „unterscheidende Liebe“ bedeutet. Dies ist eine etwas auffällige und ungewohnte Kennzeichnung. Wenn ich gelegentlich in Gesprächen einlud, zu dem Wort „Liebe“ ein kennzeichnendes Eigenschaftswort zu nennen, dann kamen zumeist Nennungen wie: leidenschaftlich, tief, unglücklich, treu, verrückt – nie aber klug! Bei Ignatius findet sich für die „discreta caritas“ immer wieder das Eigenschaftswort „klug“, also die „kluge Liebe“.
Für die geistlichen Exerzitien, die Ignatius für das größte Geschenk und die größte Aufgabe für sein Leben ansah, spielt die Klugheit im Gespräch eine grundlegende Rolle. Das zeigt sich schon durch ein Vorwort zu den Begleitgesprächen zu Beginn der Exerzitientage deutlich: „Damit sowohl der, welcher die Übungen gibt, wie der, welcher sie macht, sich gegenseitig mehr helfen und nützen, müssen sie voraussetzen, dass jeder gute Christ mehr dazu bereit sein muss, die Aussage des Nächsten für glaubwürdig zu halten, als sie zu verurteilen. Vermag er sie nicht zu rechtfertigen, so forsche er nach, wie jener sie versteht; versteht jener sie aber in üblem Sinn, so verbessere er ihn mit Liebe; und wenn das nicht genügt, so suche er nach allen angemessenen Mitteln, damit jener zu ihrem richtigen Verständnis gelange und so sich rette.“ (Exerzitienbuch Nr. 22)
Auf dem Exerzitienweg geht es ja zumeist um Entscheidungen, dafür finden sich im Exerzitienbuch insgesamt 22 Regeln zur sogenannten „Unterscheidung der Geister“. Dabei wird der Blick immer wieder auf die seelischen, geistigen Regungen, Gedanken, Gefühle und äußeren Realitäten gelenkt.
In einem Brief an die jesuitischen Teilnehmer beim Konzil von Trient in der Mitte des 16. Jahrhunderts schreibt Ignatius für sie sieben Regeln für die Kommunikation. Darin ordnet er an, dass jeden Abend einer von den Teilnehmern an der Reihe ist und die anderen ihm Rückmeldung, ein Feedback, geben, wie sie ihn bei den Gesprächen erlebt haben. Welcher Sinn für kluge Gesprächskultur kommt darin zum Ausdruck!