• P. Tobias Zimmermann SJ ist Direktor des Heinrich Pesch Hauses und des Zentrums für Ignatianische Pädagogik.
  • Caroline von Saint Ange ist Lerncoach für Eltern, PädagogInnen und Kinder.
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Mach mal! - Über die Freiheit, sich auszuprobieren

Jesuiten sind seit Jahrhunderten in Schulen engagiert und haben eine ignatianische Pädagogik entwickelt. Pater Tobias Zimmermann SJ, Leiter des Zentrums für Ignatianische Pädagogik (ZIP) unterhält sich über aktuelle Herausforderungen mit Caroline von Saint Ange, die als Lerncoach arbeitet.

Frau von Saint Ange, als Lerncoach betreuen Sie Kinder und Eltern in diesen verrückten Zeiten des Lockdowns. Was sind Ihre Erfahrungen mit digitaler Bildung und Distanzunterricht?

Caroline von Saint Ange: Meine Erfahrung ist, dass es eine unglaubliche Bandbreite gibt. Es gibt Kinder, die erleben fantastischen Distanzunterricht. Da werden wirklich fortschrittliche Apps benutzt: Wenn ein Kind ein Arbeitsblatt ausfüllt, kann die Lehrerin das in Echtzeit sehen und direkt eine Rückmeldung geben. Auf der anderen Seite kenne ich eine Brennpunkt-Schule, da haben alle 400 Kinder keine digitalen Endgeräte. Deswegen haben sich die Lehrer entschlossen, Lernpakete zu schnüren. Und von diesen 400 Paketen wurden 90 einfach nicht abgeholt. Und das finde ich echt krass. Die Debatte ist schwierig, weil sich immer jemand angegriffen fühlt. Schaffen es die Eltern, zu Hause einen geeigneten Rahmen zu setzen? Was können Lehrer erreichen? Wichtig ist, täglich den Kontakt zu den Kindern zu halten. Ich nenne das Check-in und Check-out. Es ist gar nicht so wichtig, dass die Lehrer lange Video-Meetings machen, sondern morgens einen Check-in, einen klaren Plan vorgeben und nachmittags einen Check-out. Dann kann es toll funktionieren.

Tobias Zimmermann SJ: Wir haben tatsächlich eine riesige Bandbreite von Lebenswirklichkeiten bei Schülern und Lehrern. Im Bereich digitaler Bildung sehen wir jetzt wie in einem Brennglas, wo wir stehen, was wir können, was funktioniert und was nicht. Aber das Thema geschlossene Schule beginnt viel früher. Als wir im Heinrich-Pesch-Haus angefangen haben, eine Suppenküche zu eröffnen, weil durch Corona die Tafeln geschlossen waren, haben wir gemerkt, dass es eine erschütternde Zahl von Kindern und Jugendlichen gibt, die kein warmes Essen mehr bekommen. Schlicht und ergreifend, weil die Kitas und Schulen geschlossen sind. Und diese Familien kommen meistens nicht von sich aus. Das Problem fängt also viel früher an und das ist die Realität an unseren Schulen. Das ist etwas, das die Gesellschaft nicht sehen will. Es würde vieles besser laufen, wenn die Schulen mehr Freiheit hätten, Dinge so zu gestalten, wie sie vor Ort notwendig und sinnvoll sind.

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