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"Niemand vor dem Virus sicher, solange nicht alle sicher sind"

Rom - Der Jesuitenorden weltweit unterstützt die Forderungen nach einer gerechten und ausgewogenen Zuteilung von COVID-19-Impfstoffen. Der Orden habe sich der Wahrung der Würde aller Menschen, insbesondere der marginalisierten und verletzlichen Personen, verpflichtet und schließe sich den Initiativen der Kirche und der Zivilgesellschaft für Gerechtigkeit bei der Herstellung und Verteilung von Impfstoffen an.

„COVID-19 zeigt uns, dass wir eine Menschheit sind und dass die Überwindung der Krise möglich ist, wenn wir uns bewusst machen, wie wichtig es ist, sich um das Gemeinwohl zu kümmern und unsere eigene individuelle Verantwortung ernst zu nehmen“, unterstrich der Generalobere P. Arturo Sosa. „Wir können nur leben, wenn wir uns als ein Leib verstehen.“

Gemäß ihren Universalen Apostolischen Präferenzen und einer bevorzugten Sendung des Ordens für die Ausgestoßenen und Armen stehe die Gesellschaft Jesu hinter dem Vorschlag einer vorübergehenden Aussetzung des Patentschutzes für Covid-19-Impfstoffe, um schneller mehr Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika herstellen zu können. Während dieser Vorschlag von Ländern aus dem globalen Süden, angeführt von Südafrika und Indien, zunächst von den Ländern des globalen Nordens, angeführt von den USA und der EU, in der Welthandelsorganisation vehement abgelehnt worden war, hatte US-Präsident Joe Biden vor wenigen Tagen überraschend angekündigt, sich für die Freigabe von Patenten einsetzen zu wollen.

„Wir begrüßen die Entscheidung von Präsident Biden“, heißt es in einer 10. Mai veröffentlichten Erklärung, die von allen Präsidenten der Provinziälekonferenzen unterzeichnet ist. Der Orden begrüßt zwar die Ankündigung der EU, den Vorschlag diskutieren zu wollen, aber der Ernst der Lage in Ländern wie Indien erinnere daran, dass dringend gehandelt werden müsse. „Niemand wird vor dem Virus sicher sein, solange nicht alle sicher sind.“

Sowohl der Vatikan wie auch Vertreter andere Religionen hatten nachdrücklich vor einem Nationalismus bei der Verteilung der Impfstoffe gewarnt und eine weltweite Solidarität im Kampf gegen das Virus eingefordert. Weil reiche Länder übermäßig große Impfstoff-Mengen vorrätig hielten, statt sie weltweit nach Bevölkerungsdichte zu verteilen, sei das Leben von Menschen auf der ganzen Welt bedroht und die Todeszahlen stiegen. „Länder wie Großbritannien und die USA verfügen über bis zu drei Impfstoffe pro Person.“

Die Gesellschaft Jesu unterstütze daher Initiativen, ärmere Länder bei der Beschaffung von COVID-19-Impfstoffen finanziell zu unterstützen, überschüssige Impfstoff-Kontingente zu teilen und Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen die Schulden zu erlassen.

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