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Offen für den Geist: Was hält die Kirche zusammen?

Ohne den Heiligen Geist gäbe es keine Kirche. Deswegen feiern wir an Pfingsten den „Geburtstag“ der Kirche. Die ersten Christen standen vor großen Herausforderungen: unterschiedliche Traditionen, widersprüchliche Erwartungen, tiefgreifende Streitfragen. In dieser Situation eröffnete der Heilige Geist einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. Ohne ihn wäre das Christentum wohl eine kleine Bewegung der Antike geblieben. Was geschah damals? Und warum ist das bis heute prägend für die Kirche? Darüber schreibt P. Adrian Kunert SJ in seinem Gastbeitrag.

Von P. Adrian Kunert SJ

Eigentlich ist es ganz leicht zu merken: An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu, zu Himmelfahrt das Ende der speziellen Art und Weise, wie Jesus nach seiner Auferstehung mit seinen Jüngern unterwegs war. Und an Pfingsten? Da kommt der Heilige Geist und wir feiern den Geburtstag der Kirche. Aber was hat das mit uns zu tun – knapp 2000 Jahre später? Warum ist der Heilige Geist für die Kirche von so großer Bedeutung?

Schauen wir einmal zurück. Zu der Zeit, als Jesus auf Erden wandelte, gab es in Israel viele Sekten, Strömungen und Gruppen, die sich untereinander oft nicht grün waren. Selbst bei der Frage, welche Schriften man zur Bibel zählen sollte, waren sie sich nicht einig. Klar war nur, dass die fünf Bücher Mose dazugehören. Das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten.

Ein gemeinsames Gesetz

Bei der Frage, was zur Bibel gehören sollte, waren besonders die Schriften mit Geboten wichtig, die zur Abgrenzung gegen die „Heidenvölker“ dienten. Das waren in erster Linie die Speisegebote. Unter den Makkabäern, einer jüdischen Widerstandsbewegung und Herrscherfamilie des 2. Jahrhunderts v. Chr., sind Juden dafür gestorben, sich nicht „unrein“ machen zu müssen. Denn unrein zu sein bedeutete, nicht am Tempelkult teilnehmen zu können.

Unter den ersten Christen kam die Frage auf: Müssen die Heidenvölker erst Juden werden, bevor sie durch den Messias „gerettet“ werden können? Dahinter steht die Frage, ob sie das ganze Gesetz Mose halten müssen, nicht nur eine Auswahl. Das war keine leichte Frage, die Positionen gingen weit auseinander. Selbst der Evangelist Lukas, der immer versucht, Konflikte und Schwierigkeiten etwas kleiner zu reden, spricht in der Apostelgeschichte offen davon, dass es zu schweren Konflikten kam.

Das Apostelkonzil: Auf der Suche nach einer Lösung

Es musste eine Entscheidung her. Die Apostel kamen in Jerusalem zusammen, im Nachgang als „Apostelkonzil“ bezeichnet. Was geschah damals?

  • Erstens hörte die Versammlung zu. Was ist das Problem? Was entwickelt sich gerade in den verschiedenen Regionen, in denen sich Christen diese Frage stellen? Dann traten die Jünger zusammen, um in Gebet und Beratungen die Sache zu erwägen.
  • Zweitens entschieden die Apostel in dieser Frage. Sie fanden einen Kompromiss, der ermöglichte, dass Juden- und Heidenchristen zusammenleben konnten. Heiden mussten nicht erst Juden werden, um anschließend Christen werden zu können. Für sie galten auch nicht die jüdischen Kult- und Reinheitsgebote. Nur mussten auch sie auf Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht verzichten, um mit den Judenchristen Mahlgemeinschaft halten zu können. Die Judenchristen wiederum konnten weiterhin am Gesetz festhalten als Teil ihrer Kultur.
  • Drittens schickten die Apostel einige von ihnen, darunter Paulus und Barnabas, mit einem Brief ins syrische Antiochia, wo die Frage zum ersten Mal eskaliert ist. Denn ohne eine gute Kommunikation der Ergebnisse wäre das Problem nicht gelöst worden. Und ohne den Heiligen Geist wäre es nicht möglich gewesen, das Problem zu lösen und die Lösung auch zu akzeptieren. Nur der Heilige Geist zeigt, was bleibend wichtig und was zeitbedingte Form ist. 

Kirche damals und heute – nur durch das Wirken des Heiligen Geistes

Auch heute gibt es in der Kirche Fragen, bei denen sich Lager wie verhärtet gegenüberstehen. Es gibt die, die alles so wiederherstellen wollen, wie es schon zu Großvaters Zeiten war – das nennen sie „Tradition“. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die alles ändern und – heute – demokratisieren wollen. Beides geht nicht. Hätte sich erstere Extreme beim Apostelkonzil durchgesetzt, wären die Christen als kleine jüdische Sekte untergegangen – wahrscheinlich spätestens mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Und wenn sich die zweite Seite behauptet hätte, wären sie als gnostische Sekte geendet.

Darum ist auch das Gebet um die Ausgießung des Heiligen Geistes so wichtig. Besonders in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten soll es nicht verstummen. Ohne den Heiligen Geist wäre die Kirche eine Institution, die schon im 2. Jahrhundert verschwunden wäre.

Wenn Sie noch nicht wissen, ob der Heilige Geist schon in Ihnen wirkt, beten Sie weiter. Er ist ein Gentleman und drängt sich nicht auf.

Zur Person:

Adrian Kunert SJ

Pater Adrian Kunert SJ ist 1967 in Oberschlesien geboren und in Dessau (Anhalt) aufgewachsen. 1988 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Nach seinen Studien in München, Frankfurt und Madrid arbeitete er in der Jugendarbeit in Bonn, Wien und Berlin. Er ist Lobpreisleiter, schreibt christliche Lieder und ist der Herausgeber des Liederbuches XPRAISE. Von 2019-2021 war er Direktor des Gebetsnetzwerks des Papstes in Deutschland. Anschließend arbeitete er am Canisius-Kolleg in Berlin. Zurzeit ist er Ökonom der Jesuitenkommunität am Canisius-Kolleg und Krankenhausseelsorger am St.-Gertrauden-Krankenhaus in Berlin.

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