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P. Friedhelm Mennekes SJ - Grenzgänger zwischen zwei Welten

Er präsentierte Künstler wie Joseph Beuys, Francis Bacon oder Eduardo Chillida. P. Friedhelm Mennekes SJ nennt sich selbst "Agent der katholischen Kirche für die Kunstszene".

Von Andreas Otto (KNA)

Der beißende Geruch hat einen Feuerwehreinsatz hervorgerufen. Die Ausdünstungen aus großen Wannen mit Altöl im Kirchenschiff hatten indes nichts mit einem Unglück zu tun. Aber mit Kunst - Markenzeichen der Kölner Kirche Sankt Peter. Die Kunst-Station rief der Jesuit Friedhelm Mennekes 1987 ins Leben. Damit schuf er einen einzigartigen Ort für die Begegnung von Kirche und zeitgenössischer Kunst. Am Freitag wird Mennekes, der Grenzgänger zwischen Kirche und Kunst, 80 Jahre alt.

Inzwischen lebt der Geistliche weit entfernt von seinem "Kind" in der Kölner City - nämlich in Frankfurt, wo er an der Jesuitenhochschule Sankt Georgen lange Zeit als Professor für Praktische Theologie und Religionssoziologie lehrte. Die Leitung der Kunst-Station gab er bereits im Sommer 2008 ab. Dennoch steht die Arbeit der Einrichtung ganz in der Tradition von Mennekes, der 1940 in Bottrop geboren wurde und seit 1961 dem Jesuitenorden angehört. Er hat einen spannungsgeladenen Ort geschaffen: in einem spätgotischen Sakralbau wird Gegenwartskunst präsentiert - und überdies zeitgenössische Musik an einer eigens dafür gebauten Orgel.

Nicht jeder hat einen Zugang zu Werken, deren religiöser Bezug wie bei den 2008 gezeigten Ölwannen des Japaners Noriyuki Haraguchi nicht gleich ins Auge fällt. Von Anfang an gab es Konflikte wegen der von Mennekes initiierten Ausstellungen. Zum Eklat kam es gar, als 1994 Alfred Hrdlickas Skulptur "Gekreuzigter" gezeigt wurde - ein Torso mit abgeschlagenen Armen und Beinen. Mennekes verteidigte das Objekt, das den geschundenen Menschen und damit den hingerichteten Christus zeige. Andere empörten sich über das markante Geschlechtsteil.

Trotz solcher Konflikte lebte und lebt die von Mennekes begründete Tradition fort, in Sankt Peter Kunst und Religion in einen Dialog zu bringen. Dabei soll die Kunst den Menschen - auch den glaubenden - mit existenziellen Fragen konfrontieren, auch provozieren. Der Kirche selbst warf der Pater bei seinem Abschied aus Köln vor, nur noch wenig Fantasie auszustrahlen und nicht die ästhetische Sprache ihrer Zeit zu sprechen. In den meisten Altarräumen seien "Blümchen, Deckchen, ein Gemisch von Sitzmöbeln" und keine Kunstwerke zu finden. So aber lasse sich die christliche Botschaft nicht verständlich machen. Der Gegensatz zwischen moderner Kunst und Kirche bestehe zwar nicht mehr wie vor Jahrzehnten, so der Ordensmann. Doch aus Ängstlichkeit gehe die Kirche nur in Ausnahmefällen auf zeitgenössische Künstler zu.

Mennekes, der sich selbst "Agent der katholischen Kirche für die Kunstszene" nennt, kennt keine Berührungsängste. Unter den von ihm präsentierten Künstlern finden sich Namen wie Markus Lüpertz, Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Francis Bacon, Günther Uecker oder auch Eduardo Chillida. Der baskische Bildhauer hatte für Sankt Peter den dreiteiligen Kreuzaltar "Gurutz Aldare" geschaffen - zum Unwillen des Vatikan. Rom bestand auf einem Tisch aus einem Block - als Symbol für den Erlöser Jesus Christus. Chillidas Werk hat immerhin einen Platz im Seitenschiff gefunden.

Trotz aller Offenheit für moderne Kunst habe er "nie den geringsten Zweifel" über seine katholische Identität aufkommen lassen wollen, betonte Mennekes. "Da bin ich fast eine rechte Socke." Moderne Kunst, Musik und Literatur sollten nicht Theologie oder Predigt ersetzen. Der Pater: "Das Entscheidende ist, dass die Kunst den Menschen zu sehen lehrt. Durch neues Sehen und Hören kann die Theologie viel lernen."

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