1 / 2
Bild 1: JRS Centro Astalli A. Guiliani / Bild 2: Walter Glück

Papst Franziskus zu vermissen

Der Vatikanexperte Andreas Batlogg SJ hat Papst Franziskus viele Jahre lang als Autor und Kommentator begleitet. Ein Jahr nach dessen Tod blickt er auf das Pontifikat zurück.

Von Andreas R. Batlogg SJ, Wien

Sie hat mich kalt erwischt, die Meldung am Ostermontag (21. April 2025): Papst Franziskus ist tot! Zwei Wochen später, einen Tag, bevor am 7. Mai das Konklave begann, stand ich morgens an seinem schlichten Grab in Santa Maria Maggiore, seiner Lieblingsbasilika, wo schon sechs andere Päpste ihre letzte Ruhestätte fanden. Mit feuchten Augen. Ja, ich vermisse ihn. Mir fehlen seine kantigen Sprüche, seine jeden salbungsvollen Tonfall vermeidende Sprache, seine spontanen, oft überfordernden Initiativen. Er war aufmerksam und nahbar. Berechenbar blieb er bis zum Schluss nicht, stets für eine Überraschung gut.

Franziskus hat Menschen weltweit bewegt, manchmal vielleicht außerhalb der Kirche mehr als innerhalb. Er blieb trotz seiner hohen Verantwortung immer auch Seelsorger. Mit dem argentinischen Pfarrer Gabriel Romanelli in Gaza telefonierte er jeden Abend, Tag für Tag.

Er wollte „eine synodale Kirche“

Aus der Gemelli-Klinik heraus schickte Franziskus im März 2025 den weltweiten synodalen Prozess in die Verlängerung. Synodalität gehört zu seinem Erbe, das ihn überdauert: „Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung“. Aber wie in Deutschland beim Synodalen Weg geht es auch weltweit darum, dieses visionäre Projekt zu verstetigen, also abzusichern und auf Dauer zu stellen. Denn nach wie vor gibt es Widerstand gegen eine partizipativ aufgestellte und verfasste Kirche. Ihre Glaubwürdigkeit hängt daran.

Deswegen war es ein Signal, als der neue Bischof von Rom bereits am Abend seiner Wahl bekräftigte, er wolle „eine synodale Kirche“. Im September 2025 hat Leo XIV. dieses Bekenntnis bei einer Begegnung mit dem Klerus von Rom im Lateran inhaltlich gefüllt. Es gab Anfang Januar 2026 ein Konsistorium – Beratungen des Papstes mit seinen (auch über 80-jährigen) Kardinälen, bei denen sie aus vier vorgelegten Themen zwei auswählen konnten. Fortsetzung folgt: im Juni 2026, wieder zwei Tage.

Zur Person:

Andreas R. Batlogg SJ

Andreas R. Batlogg SJ ist 1962 in Lustenau/Vorarlberg geboren und 1985 in die österreichische Provinz der Jesuiten eingetreten. 1993 wurde er zum Priester geweiht. Er hat Philosophie und Theologie in Innsbruck, Israel und Wien studiert und eine Promotion über Karl Rahners Christologie abgeschlossen. Pater Batlogg war bis Dezember 2017 Herausgeber und Chefredakteur der Kulturzeitschrift "Stimmen der Zeit" und Mitherausgeber der „Sämtlichen Werke“ Karl Rahners. Heute ist er als Publizist und Buchautor tätig. Bis 2025 war er zudem Mitglied des Seelsorgeteams in St. Michael München, seitdem ist er an der Jesuitenkirche in Wien. Zuletzt erschienen "Der evangelische Papst. Hält Franziskus, was er verspricht?" (Kösel, 2018), "Durchkreuzt. Mein Leben mit der Diagnose Krebs" (Tyrolia, 2019) und "Leo XIV. - der neue Papst" (Herder, 2025).

Das Magazin „Jesuiten“ erscheint mit Ausgaben für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Bitte wählen Sie Ihre Region aus:

×
- ×