• Der schwedische Jesuit Ulf Jonsson SJ interviewt den Papst. Foto: Antonio Spadaro SJ
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Papst gibt schwedischer Jesuitenzeitschrift Interview zum Thema Reformation

Uppsala (rv/r) - Vor seiner Reise nach Schweden hat Papst Franziskus der schwedischen Jesuitenzeitschrift "Signum" ein Interview zu Themen der Ökumene gegeben. Das Interview mit Papst hatte der Chefredakteur der Zeitschrift, der Jesuit Ulf Jonsson SJ, am 24 September im Gästehaus "Domus Sanctae Marthae" in Rom geführt. Das Apostolat der Schweden mit Niederlassungen in Uppsala und Stockholm gehört zur Deutschen Provinz der Jesuiten. "Meine Hoffnung und Erwartung ist, dass ich mich meinen Brüdern und Schwestern weiter annähere", sagte Franziskus auf die Frage, was er vom ökumenischen Reformationsgedenken erwarte. Franziskus fügte hinzu: "Wir müssen lernen, über uns hinauszuwachsen, um den anderen zu begegnen." Katholiken könnten von der lutherischen Tradition lernen, dass eine fortwährende innerkirchliche Reform und Orientierung an der Heiligen Schrift unerlässlich sei.

"Reform" und "Schrift" seien die zwei wichtigsten Elemente, die die Katholiken mit Blick auf die lutheranische Tradition vertiefen können, so der Papst. Luther habe "einen großen Schritt getan, als er das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte". In einer für die Kirche schwierigen Zeit habe er eine Geste der Reform gesetzt. Er habe "in einer komplexen Situation einen Ausweg" gesucht. Diese Abhilfe sei dann aber gleichsam erstarrt, erklärte der Papst. Luthers Geste der Reform "ist ein 'Status' der Trennung geworden und nicht ein 'Prozess' der Reform der ganzen Kirche, der hingegen grundlegend ist, denn die Kirche reformiert sich immer". Franziskus verwies an diesem Punkt auf die Versammlung der Kardinäle vor der letzten Papstwahl, in der "die Forderung nach Reform lebendig und präsent in unseren Diskussionen" gewesen sei.

Die Papstreise nach Schweden solle vor allem dazu dienen, den konkreten Kontakt mit Lutheranern zu fördern. "Selbstverständlich ist es dann die Aufgabe der Theologen weiterhin den Dialog zu suchen und die Probleme zu studieren", so der Papst. Ihm sei bei der Reise wichtig, das gemeinsame Gebet und die Zusammenarbeit bei karitativen Initiativen hervorzuheben. Dazu gehöre auch die Kooperation im Bildungsbereich, so Franziskus weiter. Er wies auch darauf hin, dass bei Christenverfolgungen oft Katholiken mit anderen Christen getötet wurden. "Es gibt eine Ökumene des Blutes", so der Papst, der hier an die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten erinnerte.

In Lund und in Malmö wolle er sich den evangelischen Christen "nähern". "Die Nähe tut uns allen gut. Die Distanz hingegen macht uns krank", so der Papst. Der Besuch nach Schweden betreffe ein Land, das von der Säkularisierung geprägt sei. Wer an Gott nicht mehr glaube, verliere aber die Fähigkeit zum Transzendenten. "Für mich besteht dann die Schwierigkeit darin, dass man sich zurückzieht und dann das eigene Leben in sich als perfekt betrachtet", so der Papst. Wer im Wohlstand lebe, habe jedoch Schwierigkeiten dieses Problem nachzuvollziehen. Gegen Atheismus und der Verschließung gegenüber dem Transzendenten helfe nur das Gebet und das Zeugnis der Gläubigen.

Zur Lage der Katholiken in Schweden, die eine kleine Minderheit bilden, sagte der Papst, es sei entscheidend, im Dialog mit der Gesellschaft zu bleiben und nicht als "Sekte" aufzutreten. Gerade die Jesuiten, die in dem skandinavischen Land seit 1879 aktiv sind, könnten und sollten dabei helfen, den Dialog zu stärken.

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