• Slowakische Jesuiten bei einem Provinztreffen 2019.
  • IHS-Signet an der Jesuitenkirche in Bratislava.
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Papst sucht in der Slowakei den "Blick der Jesuiten"

Auf ein Wort mit den Ordensbrüdern - Im Zuge seiner Slowakei-Reise besucht Papst Franziskus auch seine jesuitischen Mitbrüder. Der Orden hat im Land eine herausragende Stellung inne, sowohl historisch als auch aktuell.

Bratislava/Rom (KNA) - Ein Termin gehört für Papst Franziskus bei allen Auslandsreisen zum Standardprogramm: Stets reserviert der erste Jesuiten-Papst der Geschichte Zeit für eine private Begegnung mit seinen Mitbrüdern im Besuchsland. Auch bei seiner bevorstehenden Slowakei-Visite ist das nicht anders. Noch am Ankunftstag in Bratislava will Franziskus am Sonntagabend (12. September) in der Nuntiatur 53 seiner Ordensbrüder zu einem nicht öffentlichen Treffen empfangen.

Franziskus spreche bei diesen zwanglosen Begegnungen wenig und erteile auch keine Aufträge, so der slowakische Jesuit Ladislav Csontos, erster Dekan der Theologischen Fakultät in Trnava nach deren Errichtung 1996. Vielmehr wolle Franziskus "das Land mit dem Blick der Jesuiten" kennenlernen und erfahren, wie die Jesuiten die allgemeinen Richtlinien der Generalkongregationen des Ordens vor Ort umsetzen. Csontos selbst, der zur Zeit des Kommunismus geheim zum Priester geweiht wurde, möchte dem Papst erzählen, wie es den Jesuiten in der Slowakei gelungen sei, ohne Klöster und Strukturen zu überleben.

Tatsächlich ist die Geschichte des Ordens dort eng mit der Unterdrückung der Kirche im Kommunismus verbunden. Jesuiten zählten zu den wichtigsten Kräften der Untergrundkirche und hielten durch geheime Bischofsweihen die apostolische Nachfolge in der damaligen Tschechoslowakei lebendig. Bis heute verehrt wird vor allem der wohl bekannteste slowakische Jesuit Kardinal Jan Chryzostom Korec (1924-2015). 1939 in die "Gesellschaft Jesu" eingetreten, wurde er 1950 zum Priester geweiht und schon ein Jahr später, mit 27 Jahren, zum Bischof. Beide Weihen erfolgten geheim vom ebenfalls jesuitischen Untergrundbischof Paul Hnilica (1921-2006).

In den 60er Jahren war Korec acht Jahre lang inhaftiert, wurde von Papst Paul VI. mit dessen persönlichem Brustkreuz geehrt und anschließend von den Kommunisten zum Fabrikarbeiter degradiert. Nach der Wende ernannte Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Nitra und 1991 zum Kardinal. Korec gilt als die Ikone der "Kirche des Schweigens" zur Zeit des Kommunismus. Auch sein Name wird sicher im Gespräch zwischen dem Papst und seinen Ordensbrüdern fallen.

Es ist also wenig verwunderlich, dass noch heute die Jesuiten in der slowakischen Kirche eine tragende Rolle spielen. Zu den bekannten örtlichen Gesichtern des Ordens zählt der 49-jährige Milos Lichner, Professor für Systematische Theologie und von 2017 bis 2021 Präsident der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie. Zu seinen Anliegen gehört die Förderung des christlich-jüdischen Dialogs.

Sehr prominent ist der Orden auch in der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche vertreten, der gerade im Osten der Slowakei viele Gläubige anhängen. Deren Metropolit ist Jan Babjak. Seit 2003 amtiert der Jesuit als Erzbischof von Presov (Preschau). Der 63-Jährige ist Vorsitzender des griechisch-katholischen Hierarchenrats und zugleich Mitglied der katholischen Bischofskonferenz der Slowakei. Als Mitglied der vatikanischen Ostkirchenkongregation war er auch häufiger in Rom und kennt Franziskus durch viele Treffen persönlich.

Ähnliches gilt auch für den griechisch-katholischen Eparchen von Kosice (Kaschau), Erzbischof Cyril Vasil. Der 56-Jährige studierte zwar Theologie in seiner slowakischen Heimat, wirkte danach aber drei Jahrzehnte lang in Rom, zuletzt als Sekretär der vatikanischen Ostkirchenkongregation. Anfang 2021 übergab ihm Papst Franziskus zunächst interimsmäßig die Leitung der griechisch-katholischen Diözese Kaschau - ein Auftrag, dem Vasil gemäß seinem jesuitischen Wahlspruch "Parati semper - allzeit bereit" folgte. Seit Sommer ist er auch offiziell Eparch von Kosice.

Vasil sieht im Besuch des Papstes ein wichtiges Zeichen, mitunter sogar noch eine Steigerung zu den zurückliegenden Visiten Johannes Pauls II. im Land. Das liege vor allem an der angekündigten gemeinsamen Eucharistiefeier im ostkirchlichen Ritus, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Es ist ein Symbol größter Gemeinsamkeit: Wir schreiten zusammen voran in Vorbereitung auf den synodalen Weg der Weltkirche."

Von Wolfgang Bahr

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