• Allerheiligenlitanei während der Diakonweihe von Dag Heinrichowski SJ, Frühjahr 2021 in Paris.
  • Diakonweihe von Dag Heinrichowski SJ, Frühjahr 2021 in Paris.
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Priesterweihe: "Raus aus der Komfortzone"

Der Jesuit Dag Heinrichowski wird am 23. Oktober im Kleinen Michel zum Priester geweiht. Ihn prägen die ignatianische Spiritualität und Internationalität – und der Blick auf das Ganze, den er an der Societas Jesu schätzt.

„Ein Benediktiner, ein Franziskaner und ein Jesuit beten spät abends zusammen die Komplet. Plötzlich geht das Licht aus. Der Benediktiner betet weiter, er kennt die Psalmen auswendig. Der Franziskaner lobt Gott für das Geschenk der Dunkelheit. Der Jesuit geht in den Keller, wechselt die Sicherung und das Licht geht wieder." Das ist einer von vielen Jesuitenwitzen – die alle Respekt mitbringen für diesen Orden, der so viele hellsichtige und tatkräftige Geistesgrößen hervorgebracht hat.

Dag Heinrichowski hatte sehr früh Kontakt mit Jesuiten – so wie viele Hamburger Jugendliche, die wie er die Sankt-Ansg-Schule besucht haben. Das Gymnasium in Borgfelde wurde lange von Jesuitenpatres geleitet und nennt sich „katholische Schule in jesuitischer Tradition." Bis heute ist der Orden dort präsent – nämlich in der Person von Dag Heinrichowski selber. Als geistlicher Leiter der „Katholischen Studierenden Jugend" (KSJ) hat er seinen Sitz in seiner alten Schule. Ab dem 23. Oktober kann man ihn „Pater" nennen. Denn dann wird er vom Stockholmer Kardinal Anders Arborelius OCD im Kleinen Michel zum Priester geweiht.

Zwischen der Schulzeit und Priesterweihe liegt eine Lebensgeschichte mit den Stationen Frankfurt, Uppsala, Stockholm, Nürnberg, München, Berlin und Paris. Auffällig geworden ist Dag Heinrichowski schon als Jugendlicher. In seinen Gemeinden (Horn und Wandsbek) war er Messdienerleiter, Lektor, Mitglied im Jugendrat und Pfarrgemeinderat, Pfadfinder und Gruppenleiter in Hamburg-Hamm, Stammesvorstand. Dann kam das Abitur und die Frage: Was werden? „Diese Frage mochte ich mir gar nicht so gern stellen", erinnert er sich. „Mich hat die Theologie und Philosophie immer interessiert, aber ich wollte nicht gern aus Hamburg weg."

Studien in Frankfurt und in Uppsala

Also machte Heinrichowski erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Obdachloseneinrichtung Alimaus. „Ich lernte nicht nur handfeste Ordensschwestern kennen, sondern eine Dimension von Kirche, die ich nicht kannte. Eine Gemeinde hat ja immer etwas Geschlossenes. Bei den Obdachlosen, wo jeder kommen konnte, war das ganz anders." Mit dem Mut der neuen Erfahrung, aber auch mit einer Dosis Gelassenheit wagte der Hamburger danach den Schritt ins Priesterseminar: Theologiestudium an der Jesuitenhochschule Frankfurt St. Georgen. „Ich dachte: Spring ins kalte Wasser, entweder du lernst schwimmen oder nicht."

Nach dem Grundstudium stehen für angehende Priester zwei „Freisemester" an, das heißt Studium an einer anderen Uni. Der Student wäre gern nach Dänemark gegangen, auch der Kontakte wegen, an die er als Priester im Erzbistum Hamburg würde anknüpfen können. Aus Dänemark wurde dann aber Schweden. In der berühmten Universitätsstadt Uppsala war gerade das Newman-Institut gegründet worden. Eine katholische Hochschule, benannt nach dem englischen Kardinal John Henry Newman und geleitet von – man errät es – Jesuiten. Nach Schweden zu gehen, war für Dag Heinrichowski leicht. Wieder wegzugehen, war es nicht. Die schwedische Sprache hatte er schnell gelernt, zumal er sich in einer Gemeinde engagierte, in einem Second-Hand-Laden arbeitete, indem er bald die Verantwortung für ein kleines Café übernahm.

Die Weltoffenheit am Newman-Institut, seine Professoren und Studenten beeindruckten ihn – und auch die katholische Kirche Schwedens. „Durch die kleineren Dimensionen ist alles ganz anders. Man trifft auf viele Konvertiten, auf Glauben, der aus einer persönlichen Entscheidung rührt und auf viele Freiheiten – die katholische Kirche in Schweden hat nicht den Ballast vieler Institutionen, die erhalten werden müssen."

Wie kann ich noch länger bleiben? Ist vielleicht gar nicht die Heimat, sondern Schweden der Ort meiner Bestimmung? Mit solchen Fragen ging der Theologiestudent 2013 in Exerzitien. Er beschäftigte sich dort mit der biblischen Szene der Taufe Jesu. Diese Taufe verlief nicht nach Plan. Der Täufer weigert sich, Jesus zu taufen. Jesus aber sagt: Lass es zu. „Johannes kommt mit festen Erwartungen. Aber Jesus durchkreuzt sie. Lass es zu! Dieser Gedanke brachte für mich die Entscheidung."

Die Entscheidung hieß: Eintritt in den Jesuitenorden. Im Hintergrund standen die vielen Kontakte, natürlich die ignatianische Spiritualität und Internationalität. Aber auch eine Zusammengehörigkeit, die es unter „Weltpriestern" nicht gibt. „Mich hat bei den Jesuiten immer beeindruckt, dass alle das Ganze im Blick haben und trotz der verschiedenen Aufgaben an einer gemeinsamen Sache arbeiten. In der Diözese hatte ich manchmal den Eindruck, dass jeder nur seinen eigenen Vorgarten im Blick hat."

Ungestörtes Lernen am Centre Sèvres in Paris

Und noch etwas sprach für die Gesellschaft Jesu: „Mir tut es gut, immer wieder durch neue Aufgaben herausgefordert zu werden. Die Komfortzone verlassen, verfügbar sein, wo man gebraucht wird." Das gehöre zum jesuitischen Selbstverständnis.

Zu „neuen Herausforderungen" passt es eigentlich nicht, dass die erste Stelle als Jesuitenpater die eigene Stadt, sogar die eigene Schule ist. „Mich hat diese Entscheidung selbst überrascht", sagt Dag Heinrichowski. Aber er genießt auch die Nähe zu Freunden, zu den Eltern und die vertraute Umgebung. Die KSJ-Stelle ist auch nicht sein erster Einsatzort.

Nach dem Noviziat in Nürnberg war er als Seelsorger am Berliner Canisius-Kolleg tätig. Und es galt, das unterbrochene Theologiestudium zu Ende zu bringen. Der Ort dafür war Frankreich, das Centre Sèvres der Jesuiten. Paris, sagt der Hamburger, war ein idealer Ort, um ungestört zu lernen und zu schreiben. „Eine interessante Gemeinschaft, eine Bibliothek im Haus, und draußen eine Stadt mit leeren Straßen, in der kaum öffentliches Leben lief." Denn es war inzwischen 2020, das erste Coronajahr. In Paris wurde Dag Heinrichowski am 1. Mai 2021 zum Diakon geweiht.

Text: Andreas Hüser / Neue Kirchenzeitung 

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