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Rieder: Pandemie belastet Kinder stark

Sankt Blasien (KNA) - Der Leiter der Jesuitenschule Kolleg Sankt Blasien, Pater Hans-Martin Rieder (41), sieht in der Corona-Krise Kinder und Jugendliche stark belastet. „Zwar hat die Corona-Pandemie durch die Impfungen und die milden Verläufe für Kinder ihren Schrecken verloren. Andererseits sind viele Schülerinnen und Schüler noch immer tief getroffen und verängstigt“, sagte Rieder am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er nannte als Beispiele die Ängste von Kindern, ihre Großeltern anzustecken. Vielen Kindern und Jugendlichen fehle es inzwischen an Locker- und Offenheit.

Hier gegenzusteuern sei aktuell ein wichtiges Ziel der Schule, etwa durch Ausflüge und Teambuilding in den Klassen, so Rieder. Auch die Kollegsseelsorge und die Vertrauenslehrer machten entsprechende Angebote. Für das von 800 Schülern besuchte Kolleg, davon rund 250 Internatsschüler, bedeuteten die Coronaschutzmaßnahmen enormen finanziellen und organisatorischen Mehraufwand, sagte der Kollegsdirektor. Durch Lockdown und Pandemie seien viele Eltern in finanzielle Schwierigkeiten geraten. „Manche riefen hier an und sagten, unsere einzige Einnahme ist aktuell das Kindergeld.“ Durch finanzielle Unterstützungen des Altschülerkreises und des Corona-Notfallfonds des Erzbistums Freiburg seien individuelle Lösungen gefunden worden, so dass kein Kind abgemeldet werden musste. 2021 habe das Kolleg Stipendien von 1,3 Millionen Euro gezahlt. Die katholische Schule erhebt für alle Schüler monatlich 140 Euro und für Internatsschüler monatlich 2.260 Euro Schulgebühren.

Die nahe der Schweizer Grenze im Hochschwarzwald gelegene Jesuitenschule ist eine der renommiertesten und am besten ausgestatteten Schulen in Deutschland. Neben einem Fokus auf religiöse Bildung gibt es ein breites musisches, naturwissenschaftliches und sprachliches Angebot. Zum Kolleg gehören etwa eine Musikschule, ein Hallenbad und eine große Sporthalle. Alle Schüler sind zu sozialem Engagement verpflichtet. Auch samstags ist Unterricht. An der Seite der Lehrkräfte arbeitet ein Team von Erziehern, Psychologen und Seelsorgern.

Internatsleiter Pater Marco Hubrig (40) sagte, im Unterschied zu mehreren anderen renommierten Internaten in Deutschland wachse die Nachfrage in Sankt Blasien an. „Die Familien vertrauen uns. Ich glaube, das ist auch eine Folge unserer umfassenden, offensiven transparenten Aufarbeitung von Missbrauch und der Stärkung von Prävention.“ Laut Kollegsleitung fragen bundesweit Schulen Empfehlungen für ein Präventionskonzept an.

Derzeit plant die Schule umfassende Sanierungsarbeiten vor allem in den Internatswohnungen. Gut angenommen werde auch die Möglichkeit einer Aufbauklasse, bei der Realschüler aus der Region für die gymnasiale Oberstufe am Kolleg vorbereitet werden. Rieder betonte, dies sei für die gesamte Region wichtig, weil sich ein Fachkräftemangel abzeichne.

Auf Eis liegt der Schüleraustausch mit China. Peking vergibt dafür aktuell keine Visa. Umgekehrt besuchen rund 30 chinesische Schüler das Internat. Insgesamt lernen und leben an der Schule Kinder und Jugendliche aus rund 30 Nationen.

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