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Rückblick: Ein Freiwilligendienst. Eine große Entscheidung?

Es ist ein schöner Tag auf der Dachterrasse in Nürnberg. Die ehemaligen Freiwilligen des Jahrgangs 2019/20 haben Glück gehabt und einen der letzten warmen Sommertage im Jahr 2021 für ihr Jahrgangtreffen erwischt. Sich an Pater Trieus „3G`s“ (Gekocht, Geschlemmt, Gelacht) zu halten fiel nicht schwer und so machte sich schnell eine Stimmung von Vertrautheit, Gemeinschaft und Freude breit, denn es gibt viele Erinnerungen, die den „Corona-Jahrgang verbindet“. Das vorzeitige Herausgerissen-werden aus dem Einsatz, gemeinsame Erlebnisse vor Ort, die Vorbereitungszeit und vor allem Freundschaft verbindet die Freiwilligen auch heute noch. Ein guter Zeitpunkt zu erzählen, wie es eigentlich zu all dem kam. Freiwilligendienst? Im Ausland? Klingt ja erst mal nach einer großen Entscheidung…

Matthias, Simon und Hannah blicken zurück. Die große Entscheidung haben alle aus unterschiedlichen Motiven heraus getroffen, wenn auch sicher bei allen ein bisschen von allem dabei war. Matthias, dessen älterer Bruder bereits als Jesuit Volunteer in Indien war, wollte vor allem nicht direkt weiter lernen. Simon, von einem befreundeten Priester an Jesuit Volunteers herangeführt, wollte eine Auszeit und einen Perspektivwechsel, auch um die Frage zu klären, was er eigentlich mit seinem Leben machen will. Und Hannah, von ihrem Vater bestärkt, war vor allem neugierig und suchte das Ferne und vielleicht auch das, was im Leben zählt. Alle drei jedoch verband, dass sie die Blase, in der sie in Deutschland aufgewachsen sind, zum Platzen bringen lassen wollten.

Eine große Entscheidung, die manchmal auch Zweifel mit sich zieht. Von diesen Zweifeln erzählt Matthias. Seine Freunde hier „zurücklassen“ und selbst ein ganzes Jahr (er war wegen Corona dann jedoch nur sieben Monate in Kambodscha) ins Ungewisse aufbrechen, erfordert ganz schön viel Mut oder auch Unterstützung durch das Umfeld, die er damals zu genüge bekommen hat. Von der Unterstützung erzählen auch Simon und Hannah. Simon berichtete von Unverständnis in seinem Umfeld, da einige nicht begreifen konnten, was er da am anderen Ende der Welt in einer Jesuitenschule in Nordostindien eigentlich wolle. Aber er konnte seine Freunde und Familie mit genaueren Informationen überzeugen, sodass auch er mit großem Vertrauen und Offenheit in den Freiwilligendienst starten konnte. Hannah hingegen berichtete von einer starken inneren Überzeugung (vielleicht auch Naivität?) während der gesamten Vorbereitungszeit, die erst kippte als sie dann schließlich in Südindien war und in einen interessanten, auch etwas unangenehmen, aber vielbringenden Prozess der Reflektion und des Hinterfragens hineingeriet.

Letztendlich war es auch die Organisation Jesuit Volunteers, die alle drei durch ihre gute und intensive Vorbereitung und Begleitung im Einsatz überzeugt hat. Die Prinzipien von Jesuit Volunteers „Begegnung auf Augenhöhe“ und „ein Jahr anders Leben“ sichern den Mehrwert hinter dem Programm ab, sodass dies kein Selbstverwirklichungstrip wird, sondern nur ein „sich selbst und die Welt näher Kennenlernen“. JV bietet auf jeden Fall den richtigen Rahmen und die nötige Unterstützung für einen solchen Schritt für alle, ohne Altersgrenze nach oben. Das Netzwerk der Jesuiten mit ihren weltweiten Hilfsprojekten ist sehr vielfältig und interessant kennenzulernen.

„Die Entscheidung erscheint viel größer und schwieriger, als sie eigentlich ist“, so Hannah, „weil man mit ihr nicht viel falsch machen kann. Alle Erfahrungen sind wertvoll und man sammelt in einem Freiwilligendienst auf jeden Fall viele davon.“ Und Matthias meint: „Ein jeder könne wachsen. Besonders an der Begegnung mit anderen Kulturen und Lebensweisen.“

Ein Freiwilligendienst ist aber vor allem eines: Ein Privileg. Eine tolle Chance, die nicht jeder hat und die deshalb von allen denen, die sie haben, genutzt werden sollte, für eine offenere, gerechtere Gesellschaft mit dem Blick für die Benachteiligten und die ungleichen Strukturen auf der Welt.

Also mit Simons Worten: „Traut euch!“

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