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San Romero de América – Prophet einer Kirche der Armen

Am 14. Oktober 2018 wird Papst Franziskus Erzbischof Oscar Romero (1917-1980) zusammen mit Papst Paul VI. und weiteren Seligen während der Jugendsynode in Rom heiligsprechen. Es war ein Selig- und Heiligsprechungsverfahren mit vielen Hindernissen und Verzögerungen. In El Salvador verehrte die große Mehrheit der Bevölkerung Erzbischof Oscar Romero schon längst als Heiligen. Doch Mitglieder der Oberschicht El Salvadors setzten alle Hebel in Bewegung, um eine kirchenoffizielle Anerkennung Romeros zu verhindern. Sie hatten Verbündete unter einflussreichen Kurienkardinälen im Vatikan. Romero, so argumentierten sie, sei nicht um des Glaubens willen gestorben, sondern weil er sich in die Politik eingemischt habe. Papst Franziskus hat sich die Selig- und Heiligsprechung Oscar Romeros zu einem ganz persönlichen Anliegen gemacht. Für ihn ist er ein Märtyrer und ein vorbildlicher Bischof einer armen Kirche für die Armen, der nach seinen Schafen riecht.

Die Geschichte von Oscar Romero ist die Geschichte einer großen persönlichen Veränderung, die manche sogar eine Bekehrung nennen. In einer armen Familie geboren, erwachte in ihm mit 12 Jahren der Wunsch, Priester zu werden. Ein Freiplatz ermöglichte ihm ein Theologiestudium in Rom, wo er 1942 zum Priester geweiht wurde. Zurück in El Salvador wurde er zu einem geschätzten Seelsorger. Doch er galt eher als konservativ und wollte die Kirche aus den wachsenden sozialen Konflikten heraushalten. Seine kirchliche Karriere ging steil nach oben: 1970 wurde er zum Weihbischof ernannt, dann Bischof der Diözese Santiago de Maria und schließlich Anfang 1977 Erzbischof der Hauptstadt San Salvador. Von seiner Ernennung zum Erzbischof waren all jene enttäuscht, die sich eine Fortsetzung der sozial engagierten Linie seines Vorgängers erhofften.

Doch die Ermordung von P. Rutilio Grande SJ und zwei Begleitern am 12. März 1977 im Auftrag der Großgrundbesitzer erschütterte ihn zutiefst. Grande hatte in dem Bauerndorf Aguilares als Pfarrer die Campesinos ermutigt, sich zu organisieren und eine gerechtere Landverteilung zu fordern. Romero war zwar mit ihm befreundet, doch er stand seiner pastoralen Arbeit reserviert gegenüber. Als er vor den drei noch blutenden Körpern stand, spürte er, daß er nun den Weg Rutilios gehen mußte. Innerhalb weniger Wochen wurde er zu einem prophetischen Verteidiger der Armen. Einige sprachen vom „Wunder Romero“, das durch den Tod Rutilio Grandes ausgelöst wurde.

Mit der Wandlung Romeros verband sich auch die Einsicht, dass durch bloße Wohltätigkeit die Probleme El Salvadors nicht gelöst werden konnten, sondern die Frage nach den Ursachen von Armut und Ungerechtigkeit gestellt werden musste. Damit näherte er sich der Theologie der Befreiung an, in der Zentrum die Option für die Armen und die Verbindung von Glaube und Gerechtigkeit steht. Vor seiner Bekehrung war Romero ein Gegner der Theologie der Befreiung. Ihm erschien es gefährlich, wenn sich Kirche und Theologie in soziale und politische Fragen einmischten. Doch als Erzbischof machte er mit Ignacio Ellacuría SJ und Jon Sobrino SJ zwei Befreiungstheologen zu seinen engsten Beratern.

Ein bildlicher Ausdruck für eine Heiligsprechung ist, jemanden „zur Ehre der Altäre zu erheben“. Dies kann sich mit der Gefahr verbinden, ihn zu entrücken, zu idealisieren. Jesus selbst hat auf die Ambivalenz der Prophetendenkmäler hingewiesen. Wir verehren den heiligen Oscar Romero nur dann angemessen, wenn wir seinen Weg gehen: wenn wir die Wahrheit über diese Welt sagen, die eine Welt von Opfern ist; wenn wir die Frage nach den Gründen von Armut und Ungerechtigkeit stellen; wenn wir die Götzen unserer Zeit beim Namen nennen und bekämpfen; wenn wir Risiken und Konflikte in Kauf nehmen; wenn wir vom Glauben getragen sind, dass die Hingabe stärker als der Egoismus und die Liebe stärker als der Tod sind.

Autor:

Martin Maier SJ

Pater Martin Maier SJ, geboren 1960 in Meßkirch/Deutschland, trat 1979 in den Jesuitenorden ein. Er studierte Philosophie, Theologie und Musik in München, Paris, Innsbruck und San Salvador. 1988 wurde er zum Priester geweiht. Von 1989 bis 1991 war er in El Salvador Pfarrer einer Landgemeinde. 1993 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. P. Maier war von 1995 bis 2009 Redaktionsmitglied (seit 1998 auch Chefredakteur) der „Stimmen der Zeit“. Von 2009 bis 2014 war er Rektor des Berchmanskollegs in München. Als Experte für Theologie der Befreiung ist er Gastprofessor an der Zentralamerikanischen Universität in San Salvador. Seit 2014 ist er Beauftragter für Europäische Angelegenheiten im Jesuit European Social Centre (JESC) in Brüssel.

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