• Maria Knotenlöserin, das Originalbild in Sankt Peter, Augsburg
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Synodaler Weg ist wie das Lösen von Knoten

In der katholischen Kirche wünschen sich viele einen Machtgestus. Eine Entscheidung, die endlich alles ändert. Aber so wird das nichts, meint Pater Bernd Hagenkord SJ, einer der beiden Geistlichen Begleiter für den Synodalen Weg. Stattdessen werde eine ganze Menge Geduld gebraucht.

Was werden wir davon haben? Über zwei Jahre sitzen einige hundert Katholikinnen und Katholiken zusammen beim synodalen Weg, in Themengruppen und in Vollversammlungen, aber was zu erwarten ist, ist noch nicht völlig klar. Der synodale Weg beginnt, und zwar an diesem Sonntag, dem 1. Advent. Aber weil nicht klar ist, was genau es sein wird, das zeichnet sich noch nicht ab.

Das ist ein Problem. Weil es eben nicht klar ist, gibt es wenig Interesse. Viele Meinungen, viele kluge Ratschläge, viele Warnungen, aber noch nicht wirklich eine klare Perspektive. Es gibt zum Beispiel Kritik an der Unverbindlichkeit, eine richtige, kanonische (kirchenrechtlich eingerichtete) Synode wäre besser. Weil verbindlich. Damit wäre ein Quelle der Erwartungsunsicherheit beiseite geräumt.

Der synodale Weg beginnt

Schwächen können aber auch Stärken sein. In den vergangenen Wochen durfte ich mich ja länger damit beschäftigen, ich werde einer der beiden geistlichen Begleiter des Prozesses sein. Natürlich wäre auch mir eine klare Vorgabe einfacher. Aber ich sehe auch die Chance, die in der eher anstrengenden weil unbestimmten Vorgehensweise liegt.

Es hat etwas vom Lösen von Knoten. Einen gemeinsamen synodalen Weg wolle man gehen, haben Bischöfe und Laien gemeinsam beschlossen, angestoßen von den Bischöfen nach der MHG-Studie. Weil aber nicht klar ist, wie genau mit den einzelnen Problemkomplexen umgegangen werden kann und soll und darf, ist vielleicht die offene Form besser. Weil offen gesprochen werden kann, ohne auf das Ziel zu peilen.

Autor:

Bernd Hagenkord SJ

Pater Bernd Hagenkord SJ wurde 1968 geboren und ist 1992 in den Jesuitenorden eingetreten. 2002 wurde er zum Priester geweiht. Er arbeitete als Jugendseelsorger in Berlin und Hamburg und war Bundeskaplan der KSJ. Von 2009 bis 2017 leitete er die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan, ab 2017 war er Leitender Redakteur von Vatican News. Seit November 2019 ist er Superior des Berchmanskollegs, der Jesuitenkommunität in der Münchner Kaulbachstraße. Zusammen mit Maria Boxberg von der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) wird er die geistliche Begleitung des Synodalen Weges übernehmen. Bernd Hagenkord bloggt auf https://paterberndhagenkord.blog/.

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