Essen oder Medikamente? Schule oder Arbeit? Bleiben oder gehen? Vor Entscheidungen wie diesen stehen in Syrien Tausende Menschen, Tag für Tag. Die Zerstörung des jahrelangen Krieges ist allgegenwärtig. Durch das verheerende Erdbeben 2023 verloren viele zudem das Wenige, das sie noch hatten. Ganze Viertel liegen in Trümmern, es gibt keine ausreichende medizinische Versorgung, die Preise steigen und steigen, soziale Spannungen verschärfen sich. Kurzum: Die Menschen in Syrien leben dauerhaft im Überlebensmodus.
Was das konkret heißt, zeigt das Schicksal von Khadija und ihrer Familie. Der Krieg nahm ihnen von einem Tag auf den anderen ihre Normalität, als ihr Haus in Aleppo durch eine Rakete fast vollständig zerstört wurde. Als wäre das nicht genug, wurde 2016 Khadijas Tochter bei einem Angriff durch einen Splitter verletzt und ist seitdem an den Beinen gelähmt. „Wir waren belagert und konnten drei Tage lang kein Krankenhaus erreichen“, erzählt Khadija. Als ihre Tochter schließlich medizinisch versorgt werden konnte, machten Ärzte Hoffnung: Mit intensiver Physiotherapie könne sich ihr Zustand verbessern.
Doch das kostete Geld. „Wir verkauften Möbel, Schmuck – alles, was wir hatten“, sagt Khadija. Oft stand sie vor einer schweren Entscheidung: „Soll ich meine Kinder ernähren – oder die Behandlung meiner Tochter bezahlen?“ Die Mutter zahlte auch persönlich einen hohen Preis und gab ihre Arbeit auf, um für ihre Tochter da sein zu können. „Ich habe mein ganzes Leben auf sie ausgerichtet“, sagt sie.
Durch die psychosoziale Begleitung des Jesuiten-Flüchtlingsdiensts JRS begann Khadija, ihre Situation mit anderen Augen zu sehen. Sie lernte, Fürsorge und Loslassen neu auszubalancieren. Der JRS unterstützt Eltern in Syrien durch Angebote wie diese, damit sie mit Gefühlen von Wut und Überforderung besser umgehen können.