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Unterschiede durch Unterschiede?

Katholische und evangelische Schüler gemeinsam im Religionsunterricht? Die Kirchen befürworten dies grundsätzlich, rücken sie doch ökumenisch zusammen, wo es geht. Forscher haben diese gemischten Lerngruppen untersucht und bejahen diese Form.

Frankfurt (KNA) - Was kann katholischer Religionsunterricht für eine konfessionell gemischte Schülergruppe erreichen? Was ist in einem derartigen Unterricht angesichts der heterogenen Voraussetzungen bei den Schülern an pluralitätssensibler religiöser Bildung möglich? Was ist vielleicht gerade erst unter diesen Bedingungen möglich? Diesen Fragen geht die neue Studie "Machen Unterschiede Unterschiede?" des Seminars für Religionspädagogik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen/Frankfurt nach.

Die Praxis in einigen Bundesländern, katholischen Religionsunterricht auch in konfessionell gemischten Lerngruppen anzubieten, sei von der Forschung lange Zeit vernachlässigt worden, schreibt Klaus Kießling, Direktor des Seminars für Religionspädagik an der Jesuiten-Hochschule und Co-Autor der Studie. Für diese haben sein Seminar und das Dezernat Schulen und Hochschulen im Ordinariat Mainz kooperiert. Im Rahmen der Untersuchung wurde zudem eine Befragung unter allen Grundschullehrkräften im Bistum Mainz durchgeführt.

In ihren Antworten hätten 84 Prozent der Lehrkräfte die Einschätzung vertreten, dass die Schüler mit Andersartigkeit umso selbstverständlicher umgingen, je früher sie konfessionelle religiöse Vielfalt erleben. Zudem sei erkennbar, dass religiöse Identitätsbildung vom Erleben konfessioneller und religiöser Pluralität an der jeweiligen Schule profitiere. Unter den Äußerungen der befragten Lehrer gab es keine Mehrheit dafür, dass religiöse Identitätsbildung in konfessionell homogenen Schülergruppen leichter gelinge als in gemischten Gruppen.

Aufgrund ihrer Erfahrungen seien viele Lehrer zu der Einsicht gelangt, dass Religionsunterricht in konfessionell gemischten Gruppen nicht nur anders verläuft als in homogenen Gruppen, sondern Unterricht in gemischten Gruppen erleichtere gar nicht religiös gebundenen Kindern eine Teilnahme. Ein bemerkenswertes Ergebnis für Kießling: Nur 20 Prozent der Lehrer in den Jahrgangsstufen 1 und 2 hätten einen Unterricht in konfessionell getrennten Schülergruppen favorisiert. Umgekehrt hätten sich 67 Prozent der Lehrer in den Jahrgangsstufen 3 und 4 für konfessionell homogene Lerngruppen ausgesprochen. Die Lehrer hätten die je eigene Konfession sowohl persönlich als auch für die Gestaltung des Religionsunterrichts als sehr wichtig bezeichnet. Auch wünschen sie die Anerkennung durch die Kirche. Fast 80 Prozent der Befragten arbeiten mit Kollegen anderer Konfession zusammen. Sie halten Kooperation für wichtig, für bereichernd und relativ leicht zu organisieren. Allerdings, nur 40 Prozent planen den Unterricht auch gemeinsam.

Auf die Arbeit mit konfessionell gemischten Schülern und die damit verbundenen Herausforderungen fühlt sich indes ein großer Teil der Religionslehrer - mehr als 93 Prozent - weder durch das Studium noch durch die praktische Ausbildung genügend vorbereitet. Fast 70 Prozent der Lehrkräfte sprachen sich für entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote aus.

Religionsunterricht, betont Kießling, musste schon mehrfach beweisen, dass er die gesellschaftlichen Herausforderungen bewältigen könne. Heute stehe religiöse Identitätsentwicklung mehr denn je im Kontext von Pluralität und Heterogenität. "Einem Aggiornamento des Religionsunterrichts ist, wie die Studie belegt, in vielfacher Hinsicht der Weg bereitet." Diesen gelte es weiterzugehen, so Kießling unter Verweis auf die Empfehlungen der Bischofskonferenz zum kooperativen Religionsunterricht (2016), vor allem für die Schüler, die sich in diesem Unterricht in ihrer Unterschiedlichkeit unterschiedslos als geachtet und in ihrem Bedürfnis nach Kenntnissen und Fähigkeiten im Umgang mit Religion und nach Antworten auf ihre Sinn- und Lebensfragen als angenommen erlebten.

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