Seit zehn Jahren macht die Initiative Jesuit Worldwide Learning (JWL) möglich, was für viele Geflüchtete und Menschen am Rand der Gesellschaft lange unerreichbar schien: den Zugang zu hochwertiger Hochschulbildung. Gemeinsam mit Universitäten und lokalen Partnern eröffnet JWL Menschen neue Perspektiven und stärkt sie darin, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Was das konkret heißt, zeigt der Lebensweg von Desire.
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Der Studienabschluss ist in allen JWL-Lernzentren ein Grund zur Freude – so auch im Flüchtlingslager Dzaleka
Vom Traum zur Wirklichkeit: Hochschulbildung am Rand der Gesellschaft
„Mein Leben wurde durch Vertreibung geprägt und durch die verwandelnde Kraft der Bildung. Ich hatte Träume und Ziele. Aber die Wege, sie zu verwirklichen, waren oft sehr begrenzt“, sagt Desire, Absolvent von JWL im Flüchtlingslager Dzaleka in Malawi. Seine Geschichte steht für viele. Hochschulbildung für Vertriebene und Ausgegrenzte ist kein unerreichbarer Traum, sondern bereits Wirklichkeit.
Seit zehn Jahren eröffnet Jesuit Worldwide Learning jungen Menschen an den Rändern der Gesellschaft Zugang zu hochwertiger Bildung. Das Werk der Jesuiten der Zentraleuropäischen Provinz arbeitet dafür eng mit jesuitischen Universitäten und lokalen Partnerorganisationen zusammen und setzt gezielt auf digitale Lernformen. Im Fokus stehen Menschen, deren Zugang zu Bildung besonders eingeschränkt ist: gewaltsam Vertriebene, indigene Gemeinschaften sowie Frauen und Menschen mit Behinderungen.
Ganzheitliches Lernen und Wachsen
Desire erinnert sich: „Ich wusste, dass Bildung für meine Zukunft entscheidend sein würde. Sie konnte mir Türen öffnen. Aber viele Hochschulangebote schienen unerreichbar.“ Das Diplom in Liberal Studies, das er mit JWL in einem Fernstudium an der Regis University in den USA absolvierte, wurde zum Anfang eines Bildungswegs, den er selbst kaum für möglich gehalten hätte. Es folgten ein Bachelor- und ein Masterabschluss in Entwicklungszusammenarbeit an der Regis University und der Southern New Hampshire University.
Bei JWL ist Bildung nicht nur Wissenserwerb. Sie stärkt junge Menschen darin, kritisch zu denken, empathisch zu handeln und kreative Lösungen für ihre Gemeinschaften zu entwickeln. „Ich wollte mehr als nur einen Abschluss“, sagt Desire. „Ich wollte eine Ausbildung, die mir hilft, die Welt zu verstehen und einen sinnvollen Beitrag für meine Gemeinschaft zu leisten.“
Bildung: Die nachhaltigste Zukunftsinvestition
Heute promoviert Desire an der Universität Nairobi im Bereich Pädagogik und begleitet als akademischer Leiter von JWL in Dzaleka Studierende: „Ich habe gesehen, wie Studierende mit großer Unsicherheit über ihre Zukunft zu uns kamen und später zu Fachkräften, Pädagoginnen, Unternehmern und Führungspersonen wurden. Diese Geschichten erinnern mich daran, dass Bildung eine der wirkungsvollsten Investitionen ist, die wir tätigen können.“
Die Angebote reichen von Englischkursen bis zu vollständigen Studienprogrammen mit anerkanntem Abschluss, etwa in Pädagogik, Friedensforschung und nachhaltiger Entwicklung. Eine Studie von Cambridge University Press & Assessment vom Juni 2026 zeigt, wie das Englisch-Programm von JWL den Vertriebenen im Irak und in Kenia hilft, ihr Leben wieder aufzubauen, und ihnen einen besseren Zugang zu Bildung ermöglicht – insbesondere Frauen und Mädchen.
„Desire dachte – wie viele andere marginalisierte junge Menschen –, dass Hochschulbildung für ihn nur ein Traum bleiben würde“, sagt P. Peter Balleis SJ, der JWL seit zehn Jahren in Genf leitet. „Dank Jesuit Worldwide Learning wurde dieser Traum Wirklichkeit.“ Pater Balleis verweist auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern, von Universitäten bis hin zu lokalen Projektorganisationen. „Das bisher Erreichte motiviert uns, bestehende Partnerschaften zu stärken und neue aufzubauen. In den kommenden Jahren wollen wir weltweit noch mehr junge Menschen wie Desire unterstützen – junge Menschen, die ihre Träume verwirklichen und durch Hochschulbildung sich selbst und ihre Gemeinschaften verändern wollen und können.“
- 50.000 Studierende
- 56 % Studentinnen
- 67 % Abschlussquote
- 50 Länder
- 170 Lernzentren in benachteiligten Gemeinden
- 15 Partneruniversitäten für 13 Zertifikatsprogramme mit anrechenbaren Leistungspunkten, 2 Abschlusszertifikate und 2 Bachelor-Studiengänge
- 15 Jesuitenprovinzen und andere gleichgesinnte Organisationen als Partner vor Ort
Zur Person:
Pater Peter Balleis SJ ist 1981 in den Jesuitenorden eingetreten. Er war viele Jahre in der Flüchtlingsarbeit in Afrika tätig und wurde 1988 in Simbabwe zum Priester geweiht. Er leitete von 2000 die deutsche Jesuitenmission für Entwicklungsprojekte und Missionsarbeit weltweit und war von 2007 bis 2015 International Director des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes "Jesuit Refugee Service" mit weltweiter Tätigkeit und Sitz in Rom. Seit 2016 ist er Geschäftsführender Präsident von "Jesuit Worldwide Learning" mit Sitz in Genf, einer Initiative von Jesuiten-Universitäten, die rund um den Erdball Flüchtlingen, Armen und anderen Menschen am Rand via Internet Zugang zu Hochschulbildung und Studienabschlüssen ermöglicht.
Wissenswertes
Gerechtigkeit
An der Seite der Benachteiligten stehen
Gelebter christlicher Glaube zeigt sich nicht nur im Sonntagsgottesdienst. Deswegen ist für uns Jesuiten der Dienst am Glauben eng mit dem Einsatz für Gerechtigkeit verbunden. Wir sind mit den Armen, den Benachteiligten und den in ihrer Würde Verletzten gemeinsam auf dem Weg – für Versöhnung und Gerechtigkeit. Wir schauen beim Leid unserer Mitmenschen nicht weg, sondern machen uns stark für eine Umkehr in unseren Herzen, die uns sensibel macht für den leidenden Christus in unserer Mitte. Denn der Einsatz für Gerechtigkeit ist einer der vier Schwerpunkte, in denen wir Jesuiten uns weltweit engagieren. Mehr erfahren
Mithelfen
Schon der heilige Ignatius konnte in Rom nur deswegen Häuser für Wohnungslose, Prostituierte und Waisen errichten, weil er Mitarbeitende hatte und mit ihnen Organisationen und Netzwerke errichtete, um diesen Diensten Dauer und Bestand zu verleihen. Auch heute sind viele Hände notwendig, um auf die Nöte unserer komplizierten und zerbrechlichen Welt zu reagieren. Zusammenarbeit in der Sendung ist die Weise, wie wir Jesuiten dieser Situation entsprechen.
"Die Zusammenarbeit mit anderen ist der einzige Weg, auf dem die Gesellschaft Jesu die Sendung erfüllen kann, die ihr anvertraut wurde. Diese Partnerschaft in der Sendung schließt jene mit ein, mit denen wir den christlichen Glauben teilen, jene, die anderen Religionen angehören, sowie Frauen und Männer guten Willens, die wie wir am Versöhnungswerk Christi mitarbeiten wollen."
(36. Generalkongregation, Dekret 1)