• Die Mission des Sel. Jurgis Matulaitis in Lemont.
  • Die Mission des Sel. Jurgis Matulaitis in Lemont.
  • Die Mission des Sel. Jurgis Matulaitis in Lemont.
  • Das litauische Jugendzentrums in Chicago.
  • Das litauische Jugendzentrums in Chicago.
  • P. Antanas Saulaitis SJ (m.) ist in den USA aufgewachsen und abeitet heute in Vilnius.
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Von Litauen nach Chicago: Jesuiten begleiten Auswanderer

Dort sein, wo die Menschen sind. Diese Berufung verspürt wohl jeder Jesuit auf die eine oder andere Weise. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete dieser Wunsch für viele litauische Mitglieder der Gesellschaft Jesu jedoch, ihre Heimat zu verlassen. Denn in den Jahren nach 1945 wanderten Zehntausende Litauer in die USA aus. Bei den Migranten handelte es sich zumeist um von den Nationalsozialisten unter Zwang umgesiedelte Familien, die nach Kriegsende nicht in die Sowjetunion zurückkehren wollten. In der zunächst noch unbekannten Fremde suchten sie nach einem Weg, um das an ihre Kinder weiterzugeben, was für sie am wertvollsten war: den katholischen Glauben und die Kultur ihrer alten Heimat.

Zentrum der litauischen Diaspora 

Auf Anregung des damaligen Generaloberen wurde Chicago zum Zentrum der litauischen Jesuiten. Diese Entscheidung hatte einen einfachen Grund: Dort hatten sich die meisten Auswanderer aus Litauen niedergelassen. Mit der Zeit wurde Chicago zum religiösen und kulturellen Mittelpunkt des litauischen Lebens in der Diaspora: Eine Jesuitenkommunität, eine litauische Samstagsschule sowie Verlage für Zeitungen und Bücher auf Litauisch wurden gegründet.

Herkunft und Sprache sind starke Wurzeln 

Heute gibt es im Großraum Chicago sechs litauische Pfarreien. Eine von ihnen ist die Mission des seligen Jurgis Matulaitis aus dem Jahr 1988 in Lemont, 40 km südwestlich von Chicago. Der Bedarf an Seelsorge in litauischer Sprache ist hier besonders groß, da selbst in Amerika geborene und aufgewachsene Litauer immer noch die Heilige Messe auf Litauisch feiern wollen. Ebenso hoch ist die Zahl der Anfragen nach Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, die auf Litauisch gehalten werden. Etliche Kirchenbesucher aus etwa 80 Gemeinden und Kleinstädten in einem Umkreis von 100 km nehmen eine Fahrt von einer Stunde oder länger auf sich, um hier die Messe zu besuchen. Die Gläubigen treffen sich auch zu nationalen Festen mit Tänzen und Liedern, organisieren litauische Konzerte und Kunstausstellungen, kümmern sich um die Weitergabe des kulturellen Erbes an die Kinder und verbringen die Sommerwochen in Camps zusammen mit Pfadfindern und den Ateitininkai, einem katholischen Jugendverband aus Litauen.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs

Etwa die Hälfte der Menschen, die in Lemont eine Heimat im Glauben gefunden haben, sind nach 1991 in die USA gekommen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Wiedererlangung der nationalen Unabhängigkeit sahen viele Litauer in Amerika eine Chance auf ein besseres Leben. Insgesamt haben heute über 650.000 US-Amerikaner litauische Wurzeln. Viele von ihnen sind stolz auf ihre Herkunft, was sich darin widerspiegelt, dass die jährlich stattfindenden Lithuanian Days in Pennsylvania die traditionsreichsten Kulturtage einer Einwanderernation in den USA sind.

Da sein für Litauer in aller Welt

Ein Jesuit, der weiß, wie sich das Leben als Litauer in Amerika anfühlt, ist Pater Antanas Saulaitis. Er ist in den USA aufgewachsen und hat viele Jahre als Seelsorger litauischer Gemeinden in Nord- und auch in Südamerika gelebt. Nach der Unabhängigkeit Litauens 1991 kehrte er in die alte Heimat zurück und arbeitet heute in Vilnius. Dem Priester ist es wichtig, seine vertraute Umgebung regelmäßig zu verlassen, um für die Litauer in aller Welt da zu sein: „Ein Teil des jesuitischen Lebens besteht darin, etwas zu tun, das einer Mission gleicht". Ein Vorbild ist ihm dabei einer der ersten litauischen Jesuiten, die sich in Amerika niederließen: Pater Jonas Bružikas. „Er wartete nicht darauf, dass Leute zu ihm in die Kirche kamen, sondern besuchte selbst Familien - er hatte in seinem Adressbuch die Adressen von dreitausend litauischen Familien, die in mehr als 120 Städten in ganz Brasilien lebten.“ Ein Leben ganz nach dem Motto: Dort sein, wo die Menschen sind.

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