• Beerdigung der 16 Jesuiten auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach.
  • Beerdigung der 16 Jesuiten auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach.
  • Beerdigung der 16 Jesuiten auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach.
  • Beerdigung der 16 Jesuiten auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach.
1 / 4

Vor 70 Jahren: Das Unglück von Herrsching

Am 19. Juni 1951 starben 16 junge Jesuiten in Pullach bei München bei einem tragischen Zugunglück. Sie befanden sich auf der Rückfahrt von einer Wallfahrt nach Andechs.

Nach der Vertreibung aus Schlesien und dem Verlust von Mittelsteine hatte die Ostdeutsche Provinz ihr Noviziat zunächst gemeinsam mit der Oberdeutschen Provinz. Im Jahre 1951 wurden die beiden Noviziate getrennt und der bisherige Novizenmeister P. Otto Pies SJ versetzt. Deshalb baten die in Pullach studierenden Fratres der Ostdeutschen Provinz, die alle ihr Noviziat unter der Leitung von P. Pies gemacht hatten, mit ihm eine Wallfahrt nach Andechs, der Heimat der hl. Hedwig, machen zu dürfen.

Am 19. Juni 1951 fuhren in aller Frühe 22 Fratres nach Andechs. Dort feierten sie zusammen mit P. Pies die Votivmesse von der hl. Hedwig und blieben auch danach noch längere Zeit in der Wallfahrtskirche. Anschließend wurde an einem stillen, abgelegenen Platz am Pilsensee Mittagsrast gehalten. Trotz des schlechten, regnerischen Wetters herrschte unter den Fratres „herzliche Fröhlichkeit“. Gegen 16 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten. Der Weg, den man benutzte, führte an der Bahn entlang und machte nach etwa 100 Metern eine Biegung, um die Bahn zu überqueren. Die Schranke, die immer geschlossen sein sollte und von den Passanten selbst geöffnet wurde, war offen. Der Fahrer fuhr also ohne Halt weiter. Da der Weg auf den Bahndamm hinauf ein wenig anstieg, fuhr der Wagen von selbst langsamer. Der Bahnkörper ist hier wegen dichten Gebüsches nur auf etwa 100 - 120 Meter zu übersehen. Als der Wagen mit den Fratres gerade über die Gleise holperte, ertönte der Pfiff eines Zuges. Der Fahrer gab sofort Gas, aber schon raste die elektrische Lokomotive mit 70 bis 80 Stundenkilometern in den Hinterteil des Wagens, der sich noch auf den Geleisen befand. Der Lokomotivführer, der plötzlich einen Wagen vor sich auf den Schienen gesehen hatte, hatte sofort die Notbremse gezogen und einen Warnungspfiff abgegeben, aber es war schon zu spät. Die Fratres wurden beim Zusammenstoß nach verschiedenen Seiten herausgeschleudert und der Wagen in die Luft geworfen. Er blieb etwa 15 Meter entfernt im sumpfigen Gelände stecken.

P. Pies, der in der Fahrerkabine gesessen und einen leichten Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, konnte bald aus seiner Einzwängung befreit werden. Zusammen mit Fr. Bernhard Raab SJ und einigen wenigen Helfern, die im Eisenbahnzuge gesessen hatten, nahm er sich der noch lebenden Fratres an. Ein Reisender benachrichtigte das in der Nähe befindliche Tbc-Krankenhaus von Herrsching. Sofort erschienen ein Arzt und ein Priester, so dass alle Sterbenden und Schwerverletzten die hl. Ölung empfangen konnten. P. Pies selbst hatte kein hl. Öl bei sich; darum konnte er nur die Generalabsolution erteilen. Die Schwerverletzten, die besondere chirurgische Hilfe brauchten, wurden in das Krankenhaus Seefeld, die anderen in das Herrschinger Krankenhaus gebracht.

Einige der Fratres waren sofort tot, andere starben auf dem Transport ins Krankenhaus oder im Krankenhaus. Im Ganzen starben von den 22 Fratres 16, darunter der Engländer Raymond McGrath SJ, geb. 1928 in Workington in Cumberland (Nordengland), der sich an der Wallfahrt beteiligt hatte.

Newsletter