• Pater Karl Kern SJ
  • Archivbild: Cäcilienmesse von Charles Gounod an Pfingstsonntag in St. Michael in München (2015).
  • Die Fassade von St. Michael in der Münchner Innenstadt.
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Warum die Jesuiten bei Filmschaffenden hoch im Kurs sind

München (KNA) - In der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael findet am 2. März die Trauerfeier für den mit 81 Jahren verstorbenen Regisseur Joseph Vilsmaier statt. Für den Kirchenrektor Pater Karl Kern (70) ist es nach Bernd Eichinger und Hannelore Elsner ein weiterer Prominenter aus dem Filmgeschäft, den er auf dem letzten Weg begleitet. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit dem Ordensmann darüber, warum die Jesuiten bei Künstlern so gefragt sind.

Pater Kern, haben die Jesuiten ein besonderes Gespür für die letzten Dinge?

Karl Kern: Es hat sich herumgesprochen, dass wir mit einer großen Offenheit an solche Feierlichkeiten herangehen. Natürlich betonen wir, dass es eine religiöse Feier ist. Zugleich aber eröffnen wir einen Freiraum. Dazu kommt die große Renaissance-Kirche und dass wir, sozusagen backstage, wunderbar ausgerüstet sind. Wir haben einen Saal und einen Innenhof, wo Prominente sich in geschütztem Ambiente sammeln können.

Wie ist Ihr Ansatz?

Ich bin überzeugt, dass alle wirkliche Kultur religiös ist. Ob Literatur oder Film, alle stellen sich den großen Menschheitsfragen. Diese Ernsthaftigkeit muss gewürdigt werden. Schon Papst Paul VI. hat in seinem Schreiben "Evangelii nuntiandi" (1975) beklagt, dass ein großes Problem die Kluft zwischen Kultur und Evangelium ist. Ich versuche, Brücken zu schlagen. Auch Liturgie ist ein Gesamtkunstwerk. Als katholische Kirche haben wir in Sachen Sakramentalien eine gewisse Kompetenz. Die Dramaturgie muss stimmen. Das Minimum ist Gebet, Schrift, Predigt, Fürbitte, gemeinsames Vaterunser und Segen. Alles andere kann man frei wählen.

Also keine Messe, sondern ein Wortgottesdienst.

Genau. Eine Andacht. Darin eingepasst sind oft kurze Würdigungen. Wichtig ist, das Ganze liturgisch einzurahmen. So sollte auch eine Urne einen guten Platz neben einem Bild des Verstorbenen haben. Und bitte nicht mit zu vielen Blumen zudecken, sondern die Kargheit betonen. Das alles sind Dinge, die von den Angehörigen als Ratschläge gerne angenommen werden.

Eichinger, Elsner und jetzt Vilsmaier - alle hatten katholische Wurzeln. Macht das ein Gespräch mit den Angehörigen leichter, auch wenn Künstler oft der Kirche nicht mehr so nah waren oder sind?

Das schon. Da ist eine Vergangenheit, eine Kraft der Erinnerung an das Katholische. Auch wenn diese gebrochen ist, wissen im Grunde die meisten, dass ihr Beruf, ja ihre Berufung als Künstlerin oder Künstler zum Teil von dieser katholischen Tradition lebte.

Ist denn von den Verstorbenen etwas verfügt worden in Sachen kirchliche Trauerfeier?

Bei den Töchtern von Joseph Vilsmaier habe ich im Gespräch mit ihnen immer den Satz gehört: "Das wäre im Sinne von Papa." Bei ihm war klar eine Spiritualität da. Das galt auch für Hannelore Elsner. In ihrer Biografie beschreibt sie, welch wichtige Rolle die katholische Oma in ihrem Leben einnahm. Bernd Eichinger wiederum hatte sehr fromme Eltern. Natürlich rieb er sich in den 1960er Jahren an ihnen und machte schlechte Erfahrungen mit der Kirche. Aber auch da gibt es diese Nähe, die einfach unhinterfragt ist. Ein Film wie "Der Name der Rose" zeigt, dass er sich mit seinem Glauben auseinandergesetzt hat. Gerade Regisseure deuten wie Jesus das Leben in Geschichten.

Jesus zog vor 2.000 Jahre zumeist Vergleiche aus der Landwirtschaft heran.

Heute sind es die Bilder der Gegenwart. Gemeinsam haben Jesus und Regisseure, dass sie den Menschen aufs Maul schauen. So sagt Jesus "Das Auge ist das Licht des Leibes" oder "Wer Ohren hat zu hören, der höre; wer Augen hat zu sehen, der sehe". An die Jünger richtet er die Worte: "Selig sind eure Augen, denn das, was Könige und Propheten sehen wollen, könnt ihr sehen, weil ich euch die Augen geöffnet habe."

Mich beeindruckt und betrübt, wenn ich im Kino einen Filme sehe, in dem urreligiöse Themen verhandelt werden und die jungen Leute davon beeindruckt sind, aber die religiöse Ergriffenheit nicht mehr in der Kirche finden. Kino ist Gefühl, hat Vilsmaier gesagt. Es bleibt der Wettstreit zwischen den Geschwistern Kunst und Religion.

Wenn Sie einen solchen Gottesdienst vorbereiteten, der viel öffentliche Aufmerksamkeit hat, tun Sie dies anders als sonst?

Wichtig ist beim Gespräch mit den Angehörigen, die einen Vater, eine Mutter oder einen Lebenspartner verloren haben, sich einfühlen zu können. Nach der Trauerfeier für Eichinger kam zum Beispiel sofort Joachim Fuchsberger zu mir, der mit Gott auch so seine Probleme hatte. Oft sind mir solche Leute lieber, weil sie echte Fragen haben.

 Ist das auch eine Chance für die Kirche?

Natürlich. Deshalb ist entscheidend, so zu reden, dass die Leute einem gerne zuhören und einen verstehen. Ich gehe anschließend gerne zu den Treffen mit. Einmal hat mir eine Schauspielerin, die von Nonnen erzogen wurde und später aufgrund von negativen Erlebnissen aus der Kirche austrat, das fast entschuldigend mitgeteilt. Bei vielen Begegnungen hatte ich den Eindruck, viele Prominente waren dankbar, wieder einmal mit einem Pfarrer reden zu können.

Zurück zu Vilsmaier. Welche Filme von ihm mögen Sie besonders?

"Herbstmilch" hat mich sehr beeindruckt. Auch schätze ich die "Comedian Harmonists". Was mir gut gefällt bei ihm, ist die Mischung aus lyrisch Idyllischem mit der harten Realität. Er hat es geschafft, das Bayerisch-Bodenständige mit dem Politischen zu verbinden.

Der immer aktive Vilsmaier sagte einmal, er würde es als schrecklich empfinden, wenn die Ewigkeit nur mit Ruhe verbunden wäre. Wie sehen Sie als "Fachmann fürs Transzendente" die Situation?

Die Ewigkeit ist voller Überraschungen. Gott bleibt auch dort ein Geheimnis. Die Ewigkeit ist keine Friedhofsruhe. Sie ist ein wohltuendes Ruhen als Ausdruck der inneren Einheit mit uns selbst. Zugleich ist sie ein dauerndes Abenteuer.

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