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„Warum machst du das?“

Von P. Helmut Schumacher SJ

Diese Frage wurde mir im Lauf meines Lebens immer wieder gestellt – manchmal, weil Interesse vorhanden war, manchmal mit einem Unterton: Warum tust du dir das an? Mal bezog sie sich auf meine Lebensform als Jesuit und Priester, mal auf meine Arbeit. Meine Antwort war und ist: Weil es Sinn macht.

Ein Leben braucht Sinn, um erfüllt gelebt zu werden. Für mich liegt dieser Sinn darin, sich für Menschen einzubringen. Besonders dann, wenn es schwierig wird, wenn große Fragen aufbrechen und das Leben zerbrechlich erscheint, bin ich dankbar, einfach da sein zu dürfen.

Gelegentlich gehe ich in Wien ins Gefängnis – als Seelsorger. Dort begegne ich Menschen, die vieles verspielt haben, oft keine echte Chance im Leben hatten und schuldig geworden sind. Ich bin froh, dass ich bei meinen Besuchen nicht über die Tat urteilen muss, sondern die Würde jedes Menschen sehen und spüren darf. In solchen Momenten spüre ich: Ich kann mich einbringen – mit meinem Leben, meiner Aufmerksamkeit, meiner Zeit. Ich kann Sorgen ein Stück mittragen, neue Perspektiven ermöglichen, und manchmal wird das Leben dadurch ein wenig leichter, erträglicher.

Und genau dieses Sich-Einbringen verändert die Person, die sich engagiert, weil sie Sinn erfährt. Sie spürt, dass ihr Handeln Bedeutung hat und etwas bewirken kann. Ebenso verändert es den Menschen, der diese Begegnung erfährt, da er sich gesehen und wertgeschätzt fühlt und sein Leben wahrgenommen wird. Wenn wir für solche positiven Erfahrungen Räume schaffen, verändern wir unsere Gesellschaft.

Direktor des Kardinal König Hauses: Eine Aufgabe, die Sinn macht

Hier im Kardinal König Haus möchten wir Menschen befähigen, sich für positive gesellschaftliche und kirchliche Veränderungen zu engagieren. Das geschieht auf vielfältige Weise: durch die Ausbildung von Führungskräften in der Akademie für Sozialmanagement oder im Bereich „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“, wo wir insbesondere Führungskräfte für den Sozial- und Gesundheitsbereich sowie für kirchliche Organisationen und Einrichtungen ausbilden. Dabei werden fachliches Wissen sowie Kompetenzen, Werte und Haltungen praxisnah vermittelt, sodass ein nachhaltiger, persönlicher Führungsstil entwickelt werden kann. Auch in unserem Bildungsbereich „Hospiz, Palliative Care und Demenz“ fördern wir Engagement und Verantwortung, indem Frauen und Männer ausgebildet werden, um Menschen in schwierigen und oft schmerzlichen Lebenssituationen professionell zu begleiten. Darüber hinaus werden Ordensgemeinschaften bei wichtigen Zukunftsfragen, personellen Veränderungen und Leitungswechseln begleitet, sodass nachhaltige Perspektiven entstehen und die Charismen der Gemeinschaften gestärkt werden. Nicht zuletzt tragen unsere Exerzitienarbeit und geistlichen Ausbildungskurse dazu bei, dass Menschen durch fundierte Wissensvermittlung und persönliche Begleitung neue Wege zu Gott entdecken und seelsorgliche Kompetenz weiterentwickeln.

Gerade jetzt braucht es solche Menschen, die sich in diesen herausfordernden und oft überfordernden Zeiten, geprägt von Instabilität und großen Fragen, mit ihren Fähigkeiten, ihrem Wissen und dem Gelernten, mit ihrer Hoffnung und Kraft gesellschaftlich und kirchlich engagieren. Denn unser Leben gewinnt an Sinn und Fülle, wenn wir uns einbringen, um miteinander und füreinander Gutes zu bewirken. Gerade jetzt.

Zur Person:

Helmut Schumacher SJ

Pater Helmut Schumacher SJ ist in Beesten im Emsland/Norddeutschland aufgewachsen. Nach einer Ausbildung im Bereich Wirtschaft und Verwaltung studierte er Religionspädagogik in Paderborn und anschließend Philosophie und Theologie in Frankfurt, St. Georgen und an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck. Nach seiner Diakonweihe für die Diözese Osnabrück war er in Bremen tätig und wurde 2009 zum Priester geweiht. Seine Kaplanszeit verbrachte er in Melle. Nach seinem Noviziat 2014-16 leitete er von 2017-2022 das mk-Jugendzentrum am Jesuitenkolleg in Innsbruck und schloss 2019 sein Promotionsstudium in ignatianischer Spiritualität ab. Nach dem Aufbaustudium wurde er zudem mit dem Aufbau und der Leitung der Zukunftswerkstatt Innsbruck beauftragt. Von November 2022 bis Mai 2023 war er in der Gefängnisseelsorge in New York tätig und anschließend arbeitete er ein paar Monate mit Geflüchteten beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS in Uganda. Sein Tertiat absolvierte er im Libanon und auf den Philippinen. Seit Juli 2024 ist Pater Schumacher Direktor des Kardinal König Hauses in Wien.

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