• Das Exerzitienhaus HochElten wurde 1667 für die Äbtissin eines Damenstifts errichtet.
  • Die über 1.000 Jahre alte Stiftskirche St. Vitus vor dem Stanislauskolleg (r.).
  • Der Kirchraum von St. Vitus in HochElten.
  • Kapellenfenster im Stanislauskolleg in HochElten.
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Wie leben Jesuiten ihren Glauben?

Wie leben Jesuiten ihren Glauben?

Jesuitische Spiritualität basiert auf dem Vertrauen, dass Gott den Menschen liebt. Fundament ist das Evangelium von Jesus Christus, der sich in die menschlich-zerbrechliche Welt hineinbegeben hat, um sie von innen heraus zu heilen. Diese Spiritualität wurde von Ignatius von Loyola (1491–1556) entwickelt, dem Gründer der Jesuiten; daher wird sie auch „Ignatianische Spiritualität“ genannt.

Die 5 Attribute Ignatianischer Spiritualität

     

  • Ignatius selbst nennt sich in seiner Autobiographie schlicht „der Pilger“. Das Prinzip des Unterwegsseins, des Wachsens und Lernens, ist ein Grundzug der ignatianischen Spiritualität. Auf diesem Weg soll es gelingen, mit Spannungen und Gegensätzen fruchtbar zu leben.
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  • Ignatianische Spiritualität ist eine Spiritualität der Dankbarkeit. Ignatius erlebte sich zutiefst als beschenkt. Er machte die Erfahrung, dass der Mensch in seiner Gebrochenheit von Gott geliebt und durch Jesus Christus erlöst ist. Auf diese Erfahrung wollte Ignatius mit seinem Leben großherzig antworten.
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  • Ignatianische Spiritualität ist weltfreundlich. Ignatius hat sich nicht aus der Welt zurückgezogen, sondern war in ihr im Auftrag Gottes höchst aktiv. Er wollte Gott in allen Dingen suchen und finden. Sein Ziel war es, in allem Tun mit Gott innerlich verbunden zu sein. „Alles zur größeren Ehre Gottes“ ist das Motto der Jesuiten.
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  • Ignatianische Spiritualität ist eine Spiritualität der Freiheit und der Entscheidung. Ignatius will den Menschen in eine innere Freiheit führen, damit er verantwortet wählen und entscheiden kann. Er ist überzeugt, dass Gott selbst in jedem Menschen wirkt. 
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  • Ignatianische Spiritualität ist individuell und zugleich kirchlich.  Sie betont, dass Gott durch die Gemeinschaft der Glaubenden wirkt und die Kirche der Ort ist, wo der persönliche Glaube wachsen und lebendig bleiben kann.
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Übung macht den Meister 

Was die Spiritualität der Jesuiten aber besonders auszeichnet, ist die Überzeugung, dass dieses Glaubensgeheimnis meditativer Einübung bedarf, damit es vom Kopf ins Herz und vom Herz ins Leben fließen kann. Schon vor der Ordensgründung praktizierten Ignatius von Loyola und seine Gefährten Gebetsübungen („Exerzitien“). Die Grundübung besteht darin, wie eine Antenne ganz auf Empfang umzustellen und mit allen Sinnen in die Wahrnehmung zu kommen: Schauen, Lauschen, Riechen, Verspüren, was sich jetzt im Moment gerade im Herzen zeigen will. Im Unterschied zum Nachdenken oder Problemlösen ist das kein aktives Handeln, sondern ein so genanntes kontemplatives Verhalten. Im Unterschied zu einer Antenne bleibt es aber nicht beim reinen Empfangen. Der Beter kann in einen inneren Dialog treten mit dem, der ihn – und das ist das Fundament – in Liebe begleitet. Der hierbei geübte Dialog mit Gott verändert das Leben zum „Besseren“ (= magis). Das ist die Grundüberzeugung des Heiligen Ignatius. „In allem Gott Finden“ ist die Ausrichtung des betenden Menschen, der alles, aber auch wirklich alles, was er erlebt, fühlt und denkt, mit Gott teilen und von ihm her neu verstehen lernen möchte. Stille und Abgeschiedenheit können dabei sehr helfen.

Autor:

Petrus Köst SJ
Pater Petrus Köst SJ ist in einer katholischen Familie in einer kleinen Gemeinde bei Chemnitz aufgewachsen, in der damaligen DDR. 1988 ist er in den Jesuitenorden eingetreten und wurde 1994 zum Priester geweiht. Er hat als Jugendseelsorger und Spiritual gearbeitet. Seit 2015 lebt und arbeitet er in Emmerich/Elten unweit der holländischen Grenze und leitet dort das Exerzitienhaus Stanislauskolleg HochElten.

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