Deutsche Provinz der Jesuiten

Die Vision guter Schule: Das Schulprogramm des Aloisiuskollegs in Bonn

Das Aloisiuskolleg im Wandel: Unterstützt und begleitet vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik entwickelt eine Projektgruppe mit ganz unterschiedlichen Akteuren ein visionäres Schulprogramm. Das Bild zeigt einen Teil der Mitwirkenden.

"Ein beliebiges Schulleitbild als Hochglanzprodukt kann man sich ja im Internet bestellen", meint Dr. Manfred Sieburg, Schulleiter des Aloisiuskollegs (AKO) in Bonn. Diesen einfachen Weg will das Gymnasium mit Internat allerdings nicht beschreiten - sondern im visionären Projekt "Schulprogramm" alle Akteure zu Beteiligten machen.

Ein Schulentwicklungsprozess wie ihn das Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) versteht, bindet von vorneherein alle Akteure mit ein, also Schülerinnen und Schüler, Lehrende, Eltern und Pädagogische Fachkräfte.

"Ich habe große Achtung davor, wie sich die einzelnen Gruppen der Schulgemeinschaft hier einbringen", bringt es Ulrike Gentner, Co-Leiterin des ZIP, sichtlich beeindruckt, auf den Punkt. Schließlich haben die Beteiligten nichts Geringeres vor, als eine Vision zu leben. Dahinter verbirgt sich die Sehnsucht: Wie kann gute Schule gelingen - zusammen mit dem Internat und Externat? "Tradition und Zukunft kommen hier zusammen. Ein 500-jähriges ignatianisches Bildungsideal vereinbaren wir mit der Herausforderung, wie das auch in Zukunft am Aloisiuskolleg gelingen kann. Diesen partizipativen Prozess erlebe ich als innovativ, inspirierend und reflektierend", so Ulrike Gentner weiter.

"Wirklich visionär finde ich dabei, dass es um Unterscheidung geht", freut sich Pater Christian Modemann SJ, Lehrer und Leiter des Externats, also der Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung am Nachmittag. "Was ist wichtig, und was ist weniger wichtig? Diese Frage wird bei allen Entscheidungen im Schulprogramm gestellt und vom Großen bis ins ganz Kleine durchbuchstabiert.

"Das Schulprogramm soll Ausdruck des gemeinsamen pädagogischen Selbstverständnisses sowie der Entwicklungsperspektiven des AKO sein. Im Hinblick auf "Unterscheidung" stehen auch Entscheidungen an, gewisse Angebote zu schließen und dafür neue zu ermöglichen. Bei diesen Fragen kommt die Moderation und Unterstützung durch das ZIP ins Spiel: Ein neues Schulprogramm bestimmt eben nicht nur den Unterricht, sondern die gesamte Organisation wie die Personalentwicklung. Das Mandat für das Schulprogramm geht von der Schulkonferenz als Auftraggeber aus. Mit der Veröffentlichung des Schulprogramms geht es an die Umsetzung. Es ist das verbindliche Handlungskonzept der Schule.

Die Vision, die allen deutschsprachigen ignatianischen Schulen gemeinsam ist:

Wir engagieren uns für Schule als Ort anspruchsvoller Bildung und Erziehung, an dem die Frage nach Gott wachgehalten wird und Menschen lernen

  • achtsam zu sein, inne zu halten und zu reflektieren
  • ihre Talente und Freiheit zu entfalten
  • kritisch zu denken und urteilsfähig zu sein
  • ihre eigene Würde zu erfahren sowie die des anderen zu achten
  • und sich in Solidarität und Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft und Welt einzusetzen, all dies unter dem Anspruch der Exzellenz.

Über 80 Menschen engagieren sich in mehr als zehn Gruppen am Prozess, hinterfragen, was am AKO läuft, und lassen sich selbst hinterfragen in dem, was sie tun. So gibt es verschiedene Arbeitsgruppen - zum Beispiel eine, die sich "Nutzung von Raum und Zeit" nennt und in den Augen des Lehrers Mathias Molzberger "visionär" ist. Beispielsweise greift die Gruppe das starre Konzept von Unterrichtseinheiten mit 45 Minuten sowie das damit verbundene Gefühl auf, gehetzt und eingezwängt zu sein, keine Ruhephasen zu haben. Diesen engen Takt aufzubrechen, dafür setzen sich jetzt beispielsweise die Stundenplaner ein. Hinzu kommt die Überlegung des Lehrerraumprinzips: Nicht die Lehrkräfte bewegen sich in die Klassenräume, sondern die Schüler zu den Lehrern - und die Räume werden entsprechend gestaltet.

"Der Schulentwicklungsprozess war für uns, als Vertreter der Schülerschaft, gewinnbringend und aufschlussreich. Als besonders positiv haben wir dabei die Transparenz und die Einbindung der Schülerschaft empfunden", fassen Marie Josten und Leander von Stengel, beide aus der 12. Jahrgangsstufe, den bisherigen Prozess zusammen.

Ulrike Gentner leitet die Steuerungsgruppe, moderiert die in der Regel monatlichen Meetings und koordiniert die Prozesse. Die Gruppe hat einen definierten befristeten Auftrag mit klaren Kompetenzen und Rollen sowie Dokumentation der Prozessschritte und Ergebnisse.

"Wir sind dankbar über die externe Begleitung durch das ZIP, weil es uns so gelingt, den Prozess strukturiert und professionell durchzuführen. Ohne den Blick von außen wäre eine solche Klarheit nicht zu bewerkstelligen. Zudem profitieren wir von dem inspirierenden ignatianischen Netzwerk durch das ZIP", so Pater Martin Löwenstein SJ, Rektor des Aloisiuskollegs.

Ignatianische Schulen sind in der Regel mehr als Schulen - sogenannte Kollegien. Das bedeutet, dass sie neben Schule auch ein Internat und Angebote einer offenen Ganztagseinrichtung wie Nachmittagsbetreuung, freie Jugendarbeit, Pfarreien etc. als gemeinsame Erfahrungsräume bieten.

Das Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) ist Vernetzungsplattform, Fortbildungspartner und Profilberater für Schulen, Schulträger und Institutionen. Es hat seinen Sitz im Heinrich Pesch Haus
Ludwigshafen.

Kontakt: Tel. +49 621 5999-161, E-Mail: zip(at)heinrich-pesch-haus.de, www.zip-ignatianisch.org 

Dieser Text ist freundlicherweise übernommen aus "inpuncto." (Winter 2017/18), dem Magazin des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen.

letzte Aktualisierung am 24.01.2018