Deutsche Provinz der Jesuiten

Digitalisierung macht Schule

Am Berliner Canisius-Kolleg pilotiert das Projekt "Digital Leadership Education", das gemeinsam mit dem Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) am Heinrich Pesch Haus sowie Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt wird. Es soll Schülerinnen und Schüler nicht nur zu Anwendern, sondern auch und vor allem zu Gestaltern der Digitalisierung machen.

"Das sollte das Berufsethos einer jeden Lehrerin und eines jeden Lehrers sein: Die Schülerinnen und Schüler auf das Leben vorzubereiten. Auch im Hinblick auf die Digitalisierung - denn sie prägt längst unseren Alltag", stellt Pater Tobias Zimmermann SJ, Rektor des Canisius-Kollegs in Berlin fest. Damit die Lehrkräfte auch die dafür notwendigen Kompeten­zen erwerben, arbeitet das Canisius-Kolleg mit dem Zentrum für Ignatianische Pädagogik zusammen.

"Digitale Schulbildung" genießt in dem Berliner Jesuitenkolleg inzwischen einen großen Stellenwert. "Unser Ziel ist es, dass die Jugendlichen der Informationsflut nicht ausgeliefert sind, sondern reflektieren und bewusst entscheiden: Wie gehe ich damit um?" Sie sollen Kompetenzen entwickeln, die Welt zu gestalten und nicht nur Nutzer neuer Technologien zu sein. Und die Schule will die Chancen nutzen, die sich für ein besseres Lernen durch die Digitalisierung bieten.

Zwei Beispiele machen deutlich, wie das funktionieren kann: In den Fächern Latein - noch relativ neu - und Mathematik - schon länger - arbeitet die Schule mit Selbstlernprogrammen. Die Schülerinnen und Schüler können damit zu Hause weiter üben und sich Inhalte selbstständig aneignen. Die Lehrkräfte begleiten das und können über das Programm erkennen, wo sie eingreifen und nachsteuern müssen. "In Mathematik machen wir damit nur gute Erfahrungen", freut sich der Kollegsrektor. "Das Programm löst einen großen Motivationsschub aus und wir erkennen bei den jungen Menschen ganz neue Kompetenzen", erklärt er. Denn nun honoriere die Lehrkraft nicht nur die Ergebnisse, sondern auch den Lernprozess und das Lernverhalten: "Wer länger braucht, etwas zu verstehen und umzuset­zen, der beweist damit ein Durchhaltevermögen, das man zuvor nicht gesehen hat", erklärt Zimmermann.

Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung eines Roboters, eingebettet in den naturwissenschaftlichen Unterricht: "Vordergründig bauen die Gruppen einen Roboter", so Zimmermann. Tatsächlich aber sollen sie herausfinden, wie man ihn dazu bringen kann, Probleme zu lösen - und wie künstli­che Intelligenz funktioniert, wie und wann man sie sich zu Nutze machen kann. Die letztgenannte Frage ist ein Aspekt, in den die Geisteswissenschaften eingebunden sind.

Indem sich das Kolleg den Herausforderungen durch die Digitalisierung stellt, beantwortet es auch die Frage, was unter Bildung zu verstehen ist. "Bildung ist mehr als Ausbildung. Es geht um die Souveränität des Menschen, seine Welt zu begreifen und sein Leben selbst zu gestalten." Und er geht noch einen Schritt weiter: "Schulen sind nicht nur Bildungseinrichtungen für Jugendliche, sie sind Thinktanks der Gesellschaft. Und der digitale Wandel hat mit Rechnern so viel zu tun wie die Astronomie mit Fernrohren."

P. Tobias Zimmermann SJ: "Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit dem ZIP, durch die wir uns als Schule enorm weiterentwickeln." © SJ-Bild: Stefan Weigand

"Digitale Schulbildung ist und wird bei uns kein Unterrichtsfach", betont Pater Zimmermann. Die Herausforderungen seien so groß, dass sich die gesamte Schule ihnen stellen müsse. Deshalb finde im Kollegium eine Abstimmung darüber statt, wo welche Kompetenzen dafür vorhanden seien. Und an manchen Stellen sei noch Überzeugungsarbeit notwendig, räumt er ein. Ein Kollegstag mit einem Referenten aus der Wirtschaft über "Germany 4.0" sollte sie ebenso ausräumen wie Fortbildungen durch das ZIP. Noch ist die Schule nicht so ausgestattet, wie der Rektor das gerne hätte - aber bereits jetzt gibt es Techniker für die Unterstützung bei der Nutzung der Technik im Haus. Zudem werden Schülerinnen und Schüler als Medienscouts ausgebildet, damit sie ihre Alterskameraden sowie die Lehrkräfte unterstützen können.

Indem sich das Kolleg den Herausforderungen durch die Digitalisierung stellt, beantwortet es auch die Frage, was unter Bildung zu verstehen ist. "Bildung ist mehr als Ausbildung. Es geht um die Souveränität des Menschen, seine Welt zu begreifen und sein Leben selbst zu gestalten." Und er geht noch einen Schritt weiter: "Schulen sind nicht nur Bildungseinrichtungen für Jugendliche, sie sind Thinktanks der Gesellschaft. Und der digitale Wandel hat mit Rechnern so viel zu tun wie die Astronomie mit Fernrohren."

Indem sich das Kolleg den Herausforderungen durch die Digitalisierung stellt, beantwortet es auch die Frage, was unter Bildung zu verstehen ist. "Bildung ist mehr als Ausbildung. Es geht um die Souveränität des Menschen, seine Welt zu begreifen und sein Leben selbst zu gestalten." Und er geht noch einen Schritt weiter: "Schulen sind nicht nur Bildungseinrichtungen für Jugendliche, sie sind Thinktanks der Gesellschaft. Und der digitale Wandel hat mit Rechnern so viel zu tun wie die Astronomie mit Fernrohren."

Das vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) am Heinrich Pesch Haus Ludwigshafen geleitete Projekt "Digital Leadership Education", das am Berliner Canisius-Kolleg pilotiert, soll Schülerinnen und Schüler dazu befähi­gen, Denker und Gestalter der Digitalisierung zu werden. Sie sollen die Chance erhalten, sich souverän und sicher der Möglichkeiten digitaler Kommunikations- und Informationsmedien zu bedienen. Dabei setzt das Konzept nicht nur auf digitale Kompetenzen. Was es dazu auch braucht, sind Persönlichkeiten mit einem geschulten Werteverständnis, mit reflektierter Weltsicht und einem kritischen Geist. Mit dem Projekt "Digital Leadership Education" möchte das ZIP Schulen dazu führen, jungen Menschen Orientierung, Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht zu vermitteln und so die digitale Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können.

An dem Projekt beteiligen sich elf ignatianische Schulen europaweit. In die Entwicklung und Begleitung sind auch Hochschulen und Stiftungen eingebunden. Die Projektergebnisse sollen auf andere Schulen - unabhängig von deren Trägerschaft - übertragbar sein.

Das Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) ist Vernetzungsplattform, Fortbildungspartner und Profilberater für Schulen, Schulträger und Institutionen.

Dieser Text ist veröffentlicht in "inpuncto" (Herbst 2017), dem Magazin des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen.

letzte Aktualisierung am 21.08.2017