Deutsche Provinz der Jesuiten

Wenn Priester, dann in einem Orden

Hans-Martin Rieder SJ kurz vor der Diakonenweihe am 29. März in Rom.

Zusammen mit fünf anderen Jesuiten ist Hans-Martin Rieder SJ in Innsbruck zum Priester geweiht worden. Was hat ihn bewogen, Jesuit zu werden? Und was bedeutet die Priesterweihe für ihn?

"Herr, was soll ich tun?" Über viele Jahre habe ich vor jedem Gottesdienst diese Frage gebetet. Es galt, eine Entscheidung zu treffen, die mein ganzes Leben bestimmen würde: Soll ich Priester werden oder eben doch ein normales Leben führen? 

Nach der Erstkommunion habe ich zu ministrieren begonnen und war von da an beim Dienst am Altar immer zu Hause. Ich konnte bereits als Kind eintauchen in die Liturgie und in die Gebete der Kirche, so dass es für mich keine langweiligen Messen gab. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um ein Hochamt mit Weihrauch oder eine einfache Werktagsmesse handelte. Bis heute ist die Messe meine intensivste Gebetszeit des Tages. Zudem habe ich schon als Grundschulkind ein Abendgebet mit einem Rückblick auf den Tag und einen Ausblick auf das Kommende gehalten. Beten war und ist für mich etwas sehr Natürliches, Unkompliziertes, und ich bin seit jeher sicher, dass Gott all unsere Gebete hört - ob und wann er sie erhört, ist eine ganz andere Frage.

Vor der Weihe werfen sich die Kandidaten zur Allerheiligenlitanei vor dem Altar nieder.

Kirche und Glaube waren also ein ganz normaler und vertrauter Bestandteil meines Lebens. Aber gleich Priester werden? Im Grunde wusste ich nicht, wie ich die Entscheidung dafür oder dagegen treffen sollte. Pro- und Kontralisten brachten mich jedenfalls nicht weiter. Wie aber dann entscheiden, ob ich zum Priester berufen bin oder nicht? Da ich die Entscheidung nicht treffen konnte, ging es zunächst einmal normal weiter. Dem Abitur schloss sich der Wehrdienst an und dann ein Studium der Finanz- und Wirtschaftmathematik an der TU München. Mathe konnte ich ganz gut und das Interesse für die Wirtschaft, besonders die Finanzwirtschaft, war meine zweite Leidenschaft - diese Studiumswahl war also nicht schwierig. Meine Diplomarbeit schrieb ich bereits in der Bank, die mir nach dem Studium  einen Vertrag anbot. Ich nahm an und wusste zugleich, dass die große Entscheidung noch anstand - und dass dafür die Zeit allmählich knapper wurde. Eines allerdings war mir bereits klar: wenn Priester, dann in einem Orden, und die Jesuiten, die ich von St. Michael in München kannte, haben mich am meisten fasziniert.

Nach der Weihe traf sich Papst Franziskus mit den neugeweihten Diakonen.

Nach einem Jahr Arbeit in der Bank erreichte mich das Angebot für eine Berufungs-WG: Eine WG mit jungen Männern die sich alle mit der Frage nach ihrer Berufung beschäftigten. Begleitet wurde diese Entscheidungsgemeinschaft von einem Jesuiten. Dieses Angebot war meine Chance und ich ergriff sie: ich halbierte meine Arbeitszeit in der Bank, begann ein Studium der Philosophie an der Hochschule der Jesuiten in München und zog in diese WG ein.

Teil des WG-Programms war die Teilnahme an achttägigen ignatianischen Exerzitien: acht Tage des Schweigens und Betens, so wie es Ignatius, der Ordensgründer der Jesuiten, entwickelt hat. Begleitet wurden die Exerzitien von einem erfahrenen Jesuitenpater. Hier war es dann wieder: das Eintauchen ins Gebet und in den Dialog mit Gott wie bei der Messe. Es brauchte nicht lange, bis ich mit einem sehr tiefen Frieden und großer Freude meine Entscheidung treffen konnte: ich will Priester werden und zwar als Jesuit.

Diese Grundentscheidung wurde seither oft geprüft - vom Orden, von Freunden und Fremden, von verschiedenen Aufgaben und Studien und vor allem nochmals in den 30-tägigen Exerzitien während des Noviziats. Sie wurde jedesmal bestätigt und sicherer. Und so stehe ich nun, sieben Jahre nach meinem Ordenseintritt, vor meiner Priesterweihe.

Und dann? Dann werde ich weiterhin oft beten "Herr, was tun?" - Wie das Evangelium heute verkünden? Wie den Menschen, die zu mir kommen, beistehen, wie ihnen die Barmherzigkeit Gottes weitergeben? Wie in unsere Welt Versöhnung bringen und trotz aller Probleme und Kriege die Liebe und Hoffnung Jesu Christi vermitteln? - Und er wird mir wieder antworten und meine Wege begleiten.

Hans-Martin Rieder SJ

Hans-Martin Rieder SJ ist 1980 in Straubing geboren. Nach dem Studium von Finanz- und Wirtschaftsmathematik an der TU München arbeitete er im Risiko-Controlling der Bayern LB. Parallel dazu studierte er Philosophie an der Ordenshochschule in München. Im Herbst 2009 folgte der Eintritt ins Noviziat, gefolgt von einem zweijährigen Praktikum am Internat in St. Blasien. Das Theologiestudium absolvierte er von 2013 bis 2016 an der Gregoriana in Rom. Nach der Priesterweihe wechselt er als Kaplan nach St. Michael und zur KHG in Göttingen.

Seine Primiz feiert Hans-Martin Rieder SJ mit seiner Heimatgemeinde St. Stephan Alburg (Straubing) am Sonntag, 25. September, um 9 Uhr. Die Primizpredigt hält P. Axel Bödefeld SJ (Prizren/Kosovo).

letzte Aktualisierung am 17.09.2017