Deutsche Provinz der Jesuiten
Brief des Ignatius an den Oberen in Köln Pater Leonhard Kessel SJ aus dem Jahre 1551 (Ausschnitt).

Ignatius als Fundraiser: Gemeinsam etwas Gutes tun – das ist das Entscheidende

Oft sind die Leute erstaunt, wenn ich ihnen erzähle, dass wir fast fünf Jahre für den Lassalle-Film gebraucht haben. Dies nicht einfach deshalb, weil die Produktion eines fast zweistündigen Kino-Dokumentarfilms schlicht Zeit braucht, sondern vor allem, weil die Finanzierung immer wieder ins Stocken gerät. Der Alltag eines Filmemachers ist leider nicht hauptsächlich bestimmt von kreativem Drehbuchschreiben, Dreharbeiten und Filmschnitt. Die meiste Zeit nimmt das Beschaffen der finanziellen Mittel und nach Fertigstellung des Filmes dessen Distribution in Anspruch. Das ist aber keineswegs nur mühsam, lernt man doch auf diese Weise viele Menschen kennen, ja geht mit ihnen einen gemeinsamen Weg. Gerade von Leuten, die einen unterstützen, kommen viele sehr gute Ideen für den Film. Oft entstehen langjährige Freundschaften, manchmal kann man auch als Priester etwas Seelsorgliches für sie tun. Sei es Exerzitien geben, ein Kind taufen, Hochzeiten feiern oder in schweren Stunden von Krankheit oder Trauer trösten.

Die Einkünfte von Kollegien fallen nicht vom Himmel

Ignatius bittet Londoner Kaufleute um Unterstützung. Gemälde (1904) von Albert Chevallier-Tayler in der Herz-Jesu-Kirche in London-Wimbledon © 2011 Jesuit Institute

Als Jesuit und Filmemacher auf die Unterstützung anderer angewiesen zu sein, ist indes nichts Besonderes. Schließlich ist es schon der ersten Jesuiten-Generation nicht anders ergangen. Als Ignatius mit seinen Gefährten 1540 den Jesuitenorden gründete, stellten sie sich unter die drei klassischen Ordensgelübde: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Und ihnen war klar, dass die apostolische Armut ein ganz wichtiger Aspekt ihrer Tätigkeit war. Man wollte wie Jesus von Ort zu Ort ziehen und "den Seelen helfen", wo immer die Not am größten war. In den ersten Jahren des Ordens gab es kaum Kommunitäten. Die meisten der knapp 200 Jesuiten waren unterwegs und lebten mehr auf der Straße als an einem festen Ort. Dieser Lebensstil war so beeindruckend, dass die Gesellschaft Jesu sehr schnell wuchs. Aber schon nach sieben Jahren kommt der große Einschnitt: die Gründung von Institutionen, den sogenannten Jesuitenkollegien. In kurzer Zeit und noch zu Ignatius' Lebzeiten werden 47 Kollegien in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland gegründet. Wenn man sich die Ausmaße eines solchen Kollegs anschaut, wie zum Beispiel in Passau oder in München, kann man erahnen, wie viel Mühen es bedeutet haben muss, all das zu finanzieren und zu erhalten. Und natürlich band so eine Institution jede Menge Personal. Damit veränderte sich im Orden auch das Armutsideal, denn eine so große Institution kann ja nicht von der Hand in den Mund leben. Selbst wenn der persönliche Lebensstil eines Jesuiten sehr einfach sein soll, die Kollegien dürfen feste Einkünfte haben. Allerdings fielen diese natürlich nicht vom Himmel.

Gewinne immer zuerst die Liebe und Zuneigung der Person

Beim Betrachten des heiligen Ignatius, dessen Gedenktag wir ja wieder am 31. Juli feiern, fällt der Blick meist auf sein mystisches Erbe, die ignatianischen Exerzitien und die Unterscheidung der Geister. Dass die Institutionalisierung des Ordens auch sein tägliches Leben stark veränderte, wird oft übersehen. Auf einmal musste er sich um die Finanzen vieler dieser Kollegien kümmern. Ignatius hat deswegen in den letzten neun Jahren seines Lebens den Schreibtisch in Rom kaum noch verlassen. Wie massiv der Einschnitt war, lässt sich sehr gut an seiner Korrespondenz ablesen. Aus der Zeit bis zum Ende des Jahres 1546 sind 234 Briefe von ihm erhalten, aus den folgenden neun Jahren sind es 6581 Briefe. Ein großer Teil von ihnen widmet sich Finanzierungsfragen, insbesondere der Kollegien.

Der Jesuit Thomas Clancy hat in den 1990er Jahren viele dieser Briefe näher studiert und daraus fünf ignatianische Prinzipien des Fundraising herauskristallisiert: 1. Glaube an den Wert deiner Arbeit, 2. Lass dein Licht strahlen (tue Gutes und rede darüber), 3. Kenne deine Sponsoren und sei geduldig mit deren moralischen Verfehlungen, 4. Verwalte dein Vermögen mit Sorgfalt, 5. Ehre deine Freunde und zeige ihnen deine Dankbarkeit. In Bezug auf das dritte Prinzip empfiehlt Ignatius seinen Mitbrüdern: "Gewinne immer zuerst die Liebe und Zuneigung der Person. Erst dieses Fundament macht es möglich zu helfen, das Leben zu ändern." Fundraising ist keine Einbahnstraße. Die Unterstützer werden auch mit demjenigen identifiziert, den sie unterstützen. Fundraising war für Ignatius nie Selbstzweck, sondern mit bestimmten Zielen und Werten wie Erziehung, Bildung und der Seelsorge für die Menschen verbunden. Gemeinsam etwas Gutes tun - das ist das Entscheidende.

Christof Wolf SJ

P. Christof Wolf SJ ist 1970 geboren und 1993 in die Gesellschaft Jesu eingetreten. 2004 ist er zum Priester geweiht worden. Er hat Dramaturgie in München und Leipzig studiert und gibt seit 2004 Filmexerzitien. Christof Wolf SJ ist CEO/Executive Producer der Loyola Productions Munich GmbH und der DOK TV & Media GmbH. Außerdem ist er Geistlicher Beirat der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und Geistlicher Berater des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) München.

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letzte Aktualisierung am 27.07.2017