Deutsche Provinz der Jesuiten

Gedanken zum Karfreitag

Ausnahmezustand im Urlaubsparadies: Polizisten auf den Malediven nehmen am 5. Februar einen Demonstranten in Gewahrsam.

Sie ergriffen ihn

Ein Bild unserer Zeit. Die Festnahme eines Demonstranten in Male, auf den Malediven. Vier Uniformierte zerren an einem jungen Mann und schleifen ihn weg. Wir wissen noch nicht, was weiter mit ihm geschieht. Wir wissen auch nicht, was ihm vorgeworfen wird. Wir sehen nur geschockt auf diese Momentaufnahme angewandter Gewalt. Viele gegen Einen. Sie handeln nicht in ihrem eigenen Namen und Interesse. Sie sind von Jemandem ausgesandt. Sie machen für ihn die Drecksarbeit. Drei der Uniformierten tragen eine kugelsichere Weste; ihnen soll nichts passieren. Wir erkennen, dass sie etwa gleichaltrig sind mit dem, der weggezerrt wird. Fast schauen sie unbeteiligt woandershin. Vielleicht spüren sie, dass auch sie in der Rolle des Opfers sein könnten.

Warum nur erinnert mich die Szene an das Geschehen mit Jesus in der Nacht am Ölberg? Auch er unbewaffnet; nur sein Körper setzt sich der Gewalt entgegen. Die Gewalt siegt, in diesem Augenblick. Wie vielen Menschen wird es in diesem Jahr so oder ähnlich ergehen? "This Jesus must go!" - "Dieser Jesus muss weg!", singt der Chor im Musical "Jesus Christ Superstar". "Weg" heißt alles Mögliche: unschädlich gemacht werden, zum Schweigen gebracht werden, aus unserem Weg entfernt werden, unsichtbar gemacht werden, verstummen...

Dieses Schicksal trifft oft die Armen, die Landlosen, die, die sich gegen die Großen (auch: Firmen) wehren. Jesus trifft es besonders hart: er gefährdete die religiöse Ordnung und die politische. Und doch hat dieses Bild eine stumme, aber reale Kraft der Hoffnung in sich. Aufgerichtet, sähe dieser Demonstrant aus wie ein Sieger, wie ein Auferstandener, wie einer, der es trotzdem geschafft hat. Karfreitag und Ostern in einem?

Gott nimmt sich der Armen an, der Abgeführten, Geschlagenen, der Geschundenen. Vergessen wir nicht, dass sie unsere Geschwister sind, Schwestern und Brüder Jesu. Auch, wenn es zu oft Karfreitag wird im Leben der Armen. Oder wenn ihr Karfreitag einfach nicht zu Ende gehen will in dieser Welt.

Wolf Z. Schmidt SJ

Pater Wolf Z. Schmidt SJ ist 1956 in Altena/Westfalen geboren und 1979 in den Jesuitenorden eingetreten. Er war mehr als 15 Jahre lang in Simbabwe als Religionslehrer und Schulkaplan tätig. Seit 2005 ist er Krankenhausseelsorger, zunächst in Frankfurt/M. und heute im St. Theresien-Krankenhaus, Nürnberg.

letzte Aktualisierung am 31.03.2018