Deutsche Provinz der Jesuiten

Laufen befreit – Körper und Geist

© SJ-Bild (3): Simon Lochbrunner

Geistliche Übungen und körperliche Fitness haben miteinander zu tun

Laufen tut gut - nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele. Beim München-Marathon am 8. Oktober treten dieses Jahr insgesamt elf Jesuiten in vier Relay-Teams für einen guten Zweck an: Sie wollen Aufmerksamkeit schaffen für den jesuitischen Einsatz im Bildungswesen, konkret für bessere Bildungschancen in Flüchtlingskamps.

Der slowenische Peter Rožic SJ leitet das Jesuit European Social Centre (JESC) in Brüssel.

Peter Rožič SJ, Jahrgang 1977, ist einer aus den Jesuiten-Teams. Der gebürtige Slowene wird zum Lauftermin eigens aus Brüssel anreisen, so wichtig ist ihm die Teilnahme. Für den Politikwissenschaftler, der in den USA und Deutschland studiert hat und seit September das Jesuit European Social Centre (JESC) in Brüssel leitet, hat der Marathonlauf mit den Exerzitien zu tun. Beide, die Geistlichen Übungen, die auf den Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola zurückgehen, wie auch das körperliche Üben des Laufens haben für Rozic etwas gemeinsam: Beide befreien.

Pater Rožič, der als Rektor des Jesuitenkollegs in Maribor die Bildungs- und Erziehungsarbeit kennt und von dem als Führungskraft Leadership-Qualitäten gefordert sind, findet im Laufen, mehr noch im Triathlon, den nötigen Ausgleich. So bereitet er sich weniger durch reines Lauftraining auf den großen Tag vor, sondern durch kardiovaskuläres Training.

"Ignatius lehrt uns, dass wir uns fit halten sollen, damit wir unseren Kopf frei bekommen. Wie das Laufen oder jeder andere Sport befreien uns die Exerzitien, wir lenken den Blick auf unser Inneres, wir lernen uns selber kennen, werden achtsam für Mitmenschen und unsere Umwelt. Es ist eine Art Selbstmanagement, wir achten darauf, wie wir unseren Köper behandeln."

Auch beim Laufen stelle sich die spirituelle Frage: Höre ich auf, weil ich nicht mehr kann oder weil ich das so will? Kann oder sollte ich noch mehr tun? Der Jesuit vergleicht dies mit dem Ignatianischen Entscheidungsprozess, bei dem man lernt, erst die Möglichkeiten zu unterscheiden, um dann eine Entscheidung zu treffen.

Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. (1 Kor 9,24)

"Ich setze mich 100%ig für das Gewinnen ein", sagt Rožič, der als Kind weniger sportbegeistert war und erst während des Studiums durch einen Kommilitonen das Laufen und dann den Marathon entdeckt hat. "Wir haben bereits gewonnen, nicht im Sinne, dass wir auf den ersten Plätzen landen oder eine persönliche Bestzeit erzielen. Gott hat bereits das Rennen gewonnen. Es ist nicht wichtig ein Sieger zu sein, sondern dem Sieger (Jesus) zu folgen."

Peter Rožic SJ ist begeisterter Triathlet: Das Radfahren beansprucht den Körper auf höchstem Niveau.

Auch wenn das "geistliche Üben" für den Jesuiten das wichtigste Training ist, so sei es ebenso wichtig, sich um den Körper zu kümmern. "Wenn wir an die Auferstehung glauben und unseren Köper als Tempel des Heiligen Geistes verstehen, dann müssen wir ihn pflegen. Und überhaupt schenkt das Üben, das spirituelle wie auch das sportliche Üben, Freude."

Der Slowene mit der neuen Aufgabe in Brüssel sieht die Teilnahme an Marathon oder Triathlon als Gelegenheit, neue Freundschaften zu schließen. Die berauschende Wirkung dieses "runner's high", die sich beim Langstreckenlauf einstellt, kennt Rozic natürlich auch. Aber dies ist für den Jesuiten nicht der Grund für die körperlichen Spitzenleistungen. "Überhaupt wird dieses runner's high' übertrieben." Für den 8. Oktober hat er sich vorgenommen, die Jesuiten in Deutschland und anderswo zu unterstützen, um Gutes zu tun. "Ich werde mein Bestes geben, aber da ich keine 20 mehr bin, muss ich mich schon fragen, was ich mit meinem Körper heute erreichen kann." Das wichtigste sei: Gesund bleiben, neue Freunde finden, Freude haben.

Zurück in Brüssel wird er sich bei den europäischen Institutionen als Lobbyist für die Belange der Armen einsetzen und Menschen in der Politik Werkzeuge des Führens zeigen, die auf der Lehre des Heiligen Ignatius beruhen. Es sei wichtig, dass Politiker spirituell wachsen, ihren Dienst als Dienst für das Gemeinwohl verstehen und eine Gemeinschaft aufbauen, die zwar lokale Bedürfnisse im Auge hat, aber doch allen Menschen dient.

Brigitte Schmitt

letzte Aktualisierung am 04.10.2017