Deutsche Provinz der Jesuiten

Die "Mutter" vieler Jesuiten

Am Sonntag den 13. Mai sagen viele Kinder ihren Müttern danke für all das, was Mütter eben tun. Viele Jesuiten haben auch so etwas wie eine gemeinsame Mutter: Beate Heilmann. Sie ist die Leiterin der "Machtzentrale" im Noviziat in Nürnberg. So wird die Küche und der Speiseraum genannt, wo Jesuiten die ersten zwei Jahre ihres Ordenslebens essen und auch Kochen lernen. Sie ist die gute Seele des Hauses. Stellvertretend für viele Jesuiten sagt Dag Heinrichowski SJ, der erst letztes Jahr das Noviziat verlassen hat, danke für jedes ermutigende und tröstende Wort oder für den Crash-Nähkurs. Aber nicht nur er würdigt die gute Seele des Noviziats, sondern auch seine Mutter. Susanne Heinrichowski ist noch jetzt dankbar für den weiblichen Einfluss in den ersten beiden Ausbildungsjahres ihres Sohnes.

„Alle Jesuiten sind Klugscheißer“

In meinem zweiten Noviziatsjahr habe ich den Posten des „Heilmann-Präfekten“ übernommen. Zu den Aufgaben gehört es im Wesentlichen, die Küche und den Speisesaal sauber zu halten. Passend dazu war ich – wenn auch eher zufällig – in die „Dienstwohnung“, also das Zimmer direkt neben Speisesaal und Küche, gezogen.

Die Küche ist – neben der Kapelle und dem Unterrichtszimmer – ein zentraler Ort; „Machtzentrale“ steht über dem Eingang. Zwar hat die Küche nicht den geringsten Charme einer Wohnküche, aber die Anwesenheit von Frau Heilmann, der Hauswirtschafterin im Noviziat, gleicht das aus.

Frau Heilmann hat ein Gespür für „ihre Jungs“ und für das Noviziat. Sie kennt den Laden und den Orden. Das beweisen Sätze wie: „Jeder Jesuit ist unterschiedlich, aber Klugscheißer sind sie alle“.

Sie bekommt viel mit von dem, was in den Pausen gequatscht wird. Aber sie ist auch, neben dem Novizenmeister, DIE Anlaufstelle für die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Novizen. Das Besondere an ihrer Stellung ist, dass sie ganz „drinnen“ ist und gleichzeitig doch von außen kommt.

Sie als „Ersatz-Mutter“ zu bezeichnen käme mir nicht in den Sinn; vielleicht weil ich schon vor dem Eintritt vier Jahre unter einem anderen Dach als meine Mutter gelebt habe, aber Frau Heilmann spielt im Noviziat ohne Frage eine so wichtige Rolle, wie ich es von meiner Mutter kenne: Ohne viel Aufsehen um ihre eigene Person hat sie stets ein offenes Ohr, spürt wenn etwas nicht ganz in Ordnung ist, erdet einen in den richtigen Momenten, hat einen tröstenden Spruch auf den Lippen, lehrt die rudimentären Kochkenntnisse, gibt Tipps beim Nähen und Waschen und braucht ständig Hilfe mit ihrem Laptop oder dem Smartphone.

Wie eine Mutter sich kümmert, so kümmert sich auch Frau Heilmann und beseelt so das Noviziat. 

Obligatorisch ist der Abschied vor jeder längeren – oder auch endgültigen – Abwesenheit vom Noviziat. Dieser findet meist in ihrem Büro statt, das mit Bildern alter Noviziatsjahrgänge gepflastert ist. Zu den meisten hat sie eine passende Anekdote parat und ist erstaunlich gut informiert, wo die einzelnen gerade „stationiert“ sind. 

Obligatorisch sind auch die Grüße an Frau Heilmann, wenn man einem Novizen aus Nürnberg begegnet. Es ist gut, dass es eine gute Seele wie Frau Heilmann im Noviziat gibt und ihr gebührt am Muttertag Dank und Anerkennung von uns Jesuiten für ihren Dienst.

Dag Heinrichowski SJ, Jugendarbeit am Canisius-Kolleg, Berlin. Novize in Nürnberg von 2015-2017.

Wenigstens eine Frau im Noviziat

Wenn ich als Mutter eines Mitglieds eines großen Männerordens an den Besuch im Nürnberger Noviziatshaus zurückdenke, fällt mir der familiäre, freundlich zugewandte und offene Umgang miteinander auf allen Ebenen ein.

Es war wie auf einer Wanderung: die Gruppe wartete, bis alle auf einer Höhe oder Geschwindigkeit waren.

Zu Pausenzeiten oder Festen versammelten sich (möglichst) alle um einen schlicht, aber strukturiert gedeckten Tisch. Es gab selbst gekochte Speisen, oft auch Kuchen oder Nachtisch und Zeit für Gespräche – zumindest wenn wir zu Besuch waren. Küche und Essraum dufteten heimelig – wie unser Sohn berichtete, durchaus auch mal nach Putzmitteln; kurz: eine Familie mit vielen Kindern und trubeligen Tagen.

Die Mutterfunktion in dieser Gruppe füllte eine kleine, warmherzige, zupackende und durchaus direkte Person aus – glücklicherweise gibt es im Noviziat wenigstens EINE Frau, dachte ich oft.

Und für die Stimmung im Noviziat war sicher entscheidend, dass diese „mütterliche Frau“ Freude an dieser Rolle hatte.

Es machte ihr Spaß für die „schlauen Jungs“ zu sorgen, Gastzimmer zu richten, persönliche und kirchliche Feste zu gestalten, sich Erlebtes und Eindrücke erzählen zu lassen, Kommen und Gehen zu erleben. Das Noviziat mit seinen unterschiedlichen Menschen und Phasen war ein großer Teil ihres Lebens – als Mutter dreier Söhne kann ich gut nachvollziehen, wie dieses Atmosphäre-Geben und Alltag-(prägend)-Gestalten ihr Freude machte. Es ist sehr erfüllend, Kindern – auch erwachsenen – Raum und Energie zu geben, sichtbar oft nur in „kleinen“ Dingen, wie beispielsweise einer Gulaschsuppe, bei deren Genuss „man“ sich locker und entspannt unterhält. Ohne die Suppe wär`s nur halb so schön!

Als Mutter eines ehemaligen Novizen danke ich Frau Heilmann herzlich für ihre Zeit und Arbeit im Nürnberger Haushalt!

Mütter lernen schon mit der Geburt, ihr Kind loszulassen und begleiten seine Entwicklung; ihr Einfluss soll möglichst unbemerkt, aber nachhaltig sein: Frau Heilmann war so eine (Ersatz-)Mutter für die Novizen.

An diesem Muttertag im Jahr des Ruhestandes, des großen Loslassens, ein herzliches Dankeschön und Behüt Sie Gott von Mutter zu Mutter – Frausein in der Kirche ist immer speziell und oft nicht auf Augenhöhe wahrgenommen, Frau Heilmann wurde wahrgenommen.

Alles Gute und Gottes Segen für die kommenden Jahre und Aufgaben!

Dr. med. Susanne Heinrichowski, Ärztin und Mutter aus Hamburg

letzte Aktualisierung am 22.05.2018